Seite 17 - personalmagazin_2014_04

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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
gestaltung“ (Seite 18) skizzierten Punkte
berücksichtigen, wenn sie ihre Bürowelt
neu gestalten – von der Anregung zum
Wissensaustausch bis hin zur Beachtung
ökologischer Standards.
Im Kern steht dabei aber vor allem
der Gedanke, Beschäftigten mehr Auto-
nomie bei der Wahl des Arbeitsplatzes
zu bieten. Gerade Vertreter der von Ar-
beitgebern besonders umworbenen Ge-
neration Y schätzen wechselnde Orte mit
informellem Charakter bei der Arbeits-
erledigung, die jedoch bei älteren Be-
schäftigten eher auf Ablehnung stoßen.
Demnach könnte ein typischer Arbeits-
tag beispielsweise mit einem Besuch
im „Work Café“ beginnen, einem „Third
Place“ im Sinne Ray Oldenburgs. Bei ei-
ner Tasse Kaffee werden E-Mails am Lap-
top bearbeitet, außerdem ist Raum für
informelle Unterhaltungen mit Kollegen.
E-Mails beantworten im Baum-
wipfel? Das wäre ein extremer
Fall eines „Third Place“.
personalmagazin:
Welche Voraussetzungen
muss der Arbeitsplatz für Ältere erfüllen?
Rudolf Kast:
Die Verantwortlichen müssen
zunächst den Arbeitsplatz insgesamt
optimieren, etwa durch ergonomische
Sitzplätze. Außerdem sollten sie die
Lärmsituation verringern, indem man
laute Geräte wie Drucker im Nebenraum
unterbringt. Des Weiteren empfiehlt
sich die Mischarbeit durch Job-Rotatio-
nen, Arbeitserweiterung und Arbeitsan-
reicherung. Unternehmen sollten zu-
dem die Zusammenarbeit zwischen
Alt und Jung fördern, zum Beispiel mit
Tandembildung. Für den physischen Ar-
beitsplatz bedeutet das, dass es weniger
Einzelbüros und mehr offene Gruppen-
formen gibt.
personalmagazin:
So ein Umbau bedeutet
allerdings Kosten für das Unternehmen...
Kast:
...doch die Investition lohnt sich,
denn je wohler Mitarbeiter sich fühlen,
desto länger bleiben sie. Und es gibt auch
günstige Möglichkeiten: Firmen können
individuell verstellbare Bürostühle an-
bieten und fördern, dass Mitarbeiter im
Stehen telefonieren. Zudem können sie
Rückenschulungen organisieren, deren
Kosten meist die Krankenkasse über-
nimmt, oder Gymnastikpausen.
personalmagazin:
Wo sehen Sie noch die
größten Baustellen in deutschen Firmen?
Kast:
Älteren muss abwechslungsreiche-
re Arbeit geboten werden. Denn physi-
sche und geistige Beweglichkeit kann
„Bewegen – nicht nur zur Kantine“
Interview
Ältere Mitarbeiter haben andere Ansprüche an den Büroarbeitsplatz als ihre jüngeren
Kollegen. Rudolf Kast, Vorsitzender des Demografienetzwerks, erklärt, mit welchen Maß-
nahmen Ältere im Unternehmen länger fit und motiviert bleiben.
Das Interview führte
Andrea Kraß.
man nicht voneinander trennen. Nur,
wer geistig beweglich ist, kümmert sich
auch um seine körperliche Mobilität.
Letztlich ist es ja im Interesse des Ar-
beitgebers, dass die Leute länger fit blei-
ben, indem sie sich bewegen – und das
nicht nur zur Kantine.
personalmagazin:
Reicht das denn aus, um
Mitarbeiter bis zur Rente fit zu halten?
Kast:
Gesundheitsförderung ist ein Fak-
tor, aber es braucht ein ganzheitliches
Konzept: Auch um die Themen „Weiter-
bildung“, „Führung, Werte und Motiva-
tion“ sowie „flexible Arbeitsorganisati-
on und -zeit“ muss man sich kümmern.
Rudolf Kast
ist
Personalmanage-
mentberater und
Vorsitzender des De-
mografienetzwerks.