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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
verbinden. Die Auflösung des Dilemmas
besteht laut Trompenaars darin, dass
Seminare zwar weiterhin durchgeführt
werden, aber nur, wenn die Weiterbil­
dungen so konzipiert sind, dass sie den
Mitarbeitern helfen, ihre Produktivität
zu steigern. Oder wenn sie es ihnen er­
möglichen, Einsparpotenziale zu erken­
nen und zu realisieren.
Die Mitarbeiter unterstützen
Wege der Versöhnung von unverein­
baren Widersprüchen zu finden, ist für
den Managementexperten in der Praxis
ein mühsamer und individueller Weg,
den jede Führungskraft mit ihren Mitar­
beitern gehen muss. „Die Unternehmen
brauchen mehr konstruktive Dialoge“,
fordert er. „Die kommen aber nur zustan­
de, wenn eine Führungskraft die rich­
tigen Fragen stellt.“ Er habe beobachtet,
dass solche Dilemma-Versöhnungen be­
sonders gut laufen, wenn die Führungs­
kraft einen Führungsstil des „Servant
Leader“ pflegt (siehe Kasten). Der zentra­
le Punkt von „Servant Leadership“: Das
Hauptziel der Führungskraft besteht da­
rin, die Mitarbeiter so zu unterstützen,
dass sie ihre Leistungskraft verbessern
können. Indem sie sich sozusagen zum
Diener anderer macht, wächst gleichzei­
tig ihre Führungsautorität.
Dieser Ansatz der Versöhnung ist je­
doch nicht mit dem Aushandeln von
Kompromissen oder dem Ausbalan­
cieren von Interessen gleichzusetzen.
Vielmehr geht es um eine Synthese. Die
Versöhnung der zwei Pole eines Dilem­
mas klappt laut Trompenaars dann am
besten, wenn die Führungskraft folgende
entscheidende Frage stellt: „Was von der
Polarität A (zum Beispiel Globalisierung)
kann man nutzen, um die Polarität B (Lo­
kalisierung) zu fördern und umgekehrt?“
Der Kompromiss von „global“ und „lokal“
hieße, ein bisschen von beidem zu sein
und folglich die Vorzüge der jeweiligen
Pole nie richtig nutzen zu können. Eine
Integration der widersprüchlichen Pole
bedeutet für Trompenaars dagegen, dass
ein Unternehmen zur gleichen Zeit auf
eine bestimmte Art sehr global und auf
eine bestimmte andere Art auch sehr lo­
kal verankert ist. „Der Paradigmenwech­
sel im Denken des Managements besteht
darin, das Beste aus beiden Alternativen
zusammenzubringen, damit ein Unter­
nehmen auf einem höheren Niveau ar­
beiten kann.“
mer Coffee-Shops. Wer immer nur neue
Ideen kritisiert, verhindert jede positive
Veränderung. Die Lösung des Dilemmas
besteht darin, neue Ideen durch „kri­
tischen Sauerstoff“ zu fördern. Das sieht
laut Trompenaars so aus: Sobald jemand
eine neue Idee äußert, sagt man zwei po­
sitive Aspekte, die einem bei dieser Idee
auffallen. Dann ergänzt man: „Wie kann
ich Ihnen helfen, die Schwierigkeiten, die
ich bei dieser Idee sehe, zu überwinden?“
Dilemma: Betriebsabläufe oder
Beziehungen optimieren
Unternehmen, die ihre Produktions­
optimierung übertreiben, werden zu
Ausbeuterbetrieben. Firmen, die ihre
Mitarbeiterorientierung übertreiben,
werden zur Partyzone. Die Lösung: Sich
um die Mitarbeiter und ihre Gesundheit
kümmern – aber alle Maßnahmen dazu
zu nutzen, sie produktiver zu machen.
Dilemma: Mitarbeiter entwickeln oder
Kosten senken
Wer sein Kostenbewusstsein übertreibt,
läuft Gefahr, sich selbst totzusparen.
Wer sich auf der anderen Seite nur für
ein lernendes Unternehmen um des Ler­
nens willen engagiert, landet bei einem
subventionierten Seminartourismus. Es
kommt darauf an, beide Richtungen zu
Personaler geraten oft in die Zwickmühle
zwischen Firmenleitung und Belegschaft.
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Martin Pichler
ist Chefredakteur der
Zeitschrift „wirtschaft + weiterbildung“
aus der Haufe Gruppe.