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Persönlich
_Managementkompetenz
Wege aus der Dilemma-Falle
Praxis.
Die Wünsche der Unternehmensleitung stehen nicht selten im Widerspruch zu
denen der Mitarbeiter. Personalmanager müssen hier kreative Lösungen finden.
Von
Martin Pichler
E
in Dilemma oder auch eine
Zwickmühle bezeichnet eine Si­
tuation, die zwei Möglichkeiten
der Entscheidung bietet. Aber
beide Wege sind nicht gangbar, weil
beide zu einem unerwünschten Resul­
tat führen. Diese Ausweglosigkeit gilt es
kreativ zu überwinden.
Ein Dilemma erlebt ein Personalma­
nager beispielsweise dann, wenn er aus
den Fachabteilungen einen Mangel an
geeigneten Fachkräften gemeldet be­
kommt, die Unternehmensleitung aber
gleichzeitig einen zu hohen Personalbe­
stand beklagt. Spricht er infolgedessen
an einigen Stellen im Unternehmen be­
triebsbedingte Kündigungen aus, wäh­
rend er parallel neue Stellenanzeigen
schaltet, so erzeugt das bei den Mitar­
beitern Unverständnis und kann zu ei­
ner negativen Berichterstattung führen.
Ein anderes typisches Dilemma betrifft
die vielfach geforderte Einführung ei­
ner Frauenquote, die im Gegensatz zum
Prinzip der Beförderung nach Leistung
und Kompetenz steht.
Die Quellen von Dilemmata
Dilemmata entstehen imUnternehmens­
kontext immer dann, wenn unterschied­
liche Interessengruppen Forderungen
an ein Unternehmen oder speziell an
das Personalmanagement richten. Der
holländische Experte für Leadership
und interkulturelles Management Fons
Trompenaars geht von fünf Stakeholdern
aus, die im Geschäftsleben eine Rolle
spielen.
• Das Unternehmen selbst mit seinem
Streben nach Gewinn und langfris­
tigem Überleben
• Die Mitarbeiter mit ihrem Wunsch
nach Arbeit und Entwicklung
• Die Shareholder mit ihrem Wunsch
nach ordentlicher Verzinsung ihrer
Investments
• Die Kunden mit ihrem Wunsch nach
Befriedigung ihrer Bedürfnisse
• Der Staat mit seinem Wunsch nach
Umweltschutz und sozialem Frieden
Die Ansprüche, die diese fünf Stakehol­
der wechselseitig aneinander haben, füh­
ren zu insgesamt zehn Dilemmata. Drei
davon sollen hier kurz vorgestellt werden.
Dilemma: Kreativität oder Bewährtes
Der Unterschied zwischen den Alterna­
tiven Kreativität/Bewährtes wird deut­
lich, wenn man die Extrempositionen
betrachtet. Wer sich nur mit kreativen
Ideen beschäftigt, endet womöglich in
der inspirierenden Welt der Amsterda­
Der Ansatz des „Servant Leadership“ geht auf Robert K. Greenleaf (1904 bis 1990)
zurück. Seine Idee ist, dass große Führungspersönlichkeiten primär (aber nicht nur)
Diener sein müssten, denn in dieser Rolle verberge sich das Geheimnis ihrer Größe.
1. Aktiv zuhören und (vor-)urteilsfrei verstehen
2. Andere akzeptieren und sich in sie einfühlen können
3. Menschen helfen, ihre Fähigkeiten zu entfalten, Konflikte zu lösen und mit sich selbst
in Harmonie zu sein
4. Mit Weitsicht und Intuition agieren und führen
5. Bewusst leben und wahrnehmen
6. Hohe Überzeugungskraft auf Basis von Vertrauen und Argumenten haben
7. Träumen dürfen sowie den Mut haben, diese Träume zu konzeptualisieren
8. Eigenverantwortung stimulieren und die Gemeinschaft fördern
9. Die Kunst der „Kontemplation in Aktion“ betreiben
10. Die Einsicht, dass dienende Führung mit dem Verlangen einhergeht, seine eigene
innere Einzigartigkeit zu entwickeln
Zehn Eckpfeiler dienender Führung
Praxisbeispiel
Quelle: Greenleaf Center for Servant Leadership Deutschland
servant Leadership