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Management
_Führung
Auf die Probe gestellt
STUDIE.
Die transformationale Führung ist ein sehr effektiver Führungsstil. Welche
Kompetenzen solche Führungskräfte haben und für wichtig halten, zeigt eine Umfrage.
Von
Waldemar Pelz
T
ransformationale Führung ver-
ändert die Einstellungen und
Verhaltensgewohnheiten von
Mitarbeitern, indem sie die Be-
deutung der Arbeitsergebnisse hervor-
hebt und das Gesamtinteresse über das
Einzelinteresse stellt. Sie gibt der Arbeit
einen höheren Sinn als nur das Streben
nach Einkommen, Status, Bequemlich-
keit oder Spaß.
Der praktische Nutzen transformati-
onaler Führung gilt als sehr gut belegt.
Bernard Bass und Bruce Avolio haben ei-
nen Test entwickelt, mit dem man trans-
formationale Führung messen und so
ihre Nützlichkeit in der Praxis empirisch
testen kann. Seit der ersten Publikation
dieses Tests im Jahr 1994 sind schät-
zungsweise 50 Validierungsstudien er-
schienen. Die meisten haben die Vorteile
des Konzeptes belegt: Transformationales
Führungsverhalten bewirkt eine deutlich
größere Mitarbeiter- und Kundenzufrie-
denheit und verbessert dadurch auch die
wirtschaftlichen Erfolge – Produktivität
und Rentabilität. Außerdem fördert es die
intrinsische Motivation. So geführte Mit-
arbeiter empfinden Vertrauen, Respekt
und Bewunderung gegenüber ihren Füh-
rungskräften. Das führt zu mehr Loyalität
und zur Bereitschaft, mehr zu leisten, als
von ihnen erwartet wird.
Wie steht es nun um die transfor-
mationalen Führungskompetenzen in
Deutschland? Das Modell selbst und
der zur Operationalisierung verwende-
te Fragebogen von Bass und Avolio sind
in englischer Sprache in verschiedenen
abbilden kann. Beispielsweise können
sich pragmatische deutsche Unterneh-
mer zu Recht nur schwer mit Begriffen
wie „Charisma“ oder „visionäre Inspira-
tion“ anfreunden. Deswegen haben wir
am Institut für Management-Innovation
Versionen entwickelt worden. Das Kern-
problem dabei ist, dass diese englisch-
sprachige Version auch bei sorgfältiger
Übersetzung ins Deutsche nicht die kul-
turellen Besonderheiten der Führungs-
praxis in unserem Kulturkreis adäquat
Aus den Aussagen der Geschäftsführer in den Tiefeninterviews sowie aus abgelei­
teten Beobachtungen konnten insgesamt sechs übergreifende Kompetenzen zusam­
mengefasst werden, die Voraussetzung für transformationale Führung sind.
Vorbild (Identification)
Inwiefern erscheinen die persönlichen Ziele, Werte und Überzeugungen der Führungs-
kraft authentisch? Wie gut nimmt diese Person ihre Vorbildfunktion wahr?
Ziele und Perspektiven (Inspiration)
Wie stark sind Leistungs- und Lernbereitschaft der Mitarbeiter ausgeprägt? Klare Ziele
und Maßstäbe führen zu Erfolgserlebnissen, erfüllen die Mitarbeiter mit Stolz und inspi-
rieren sie zu größeren Leistungen.
Lernfähigkeit und Unterstützung (Stimulation)
Verfügen die Mitarbeiter über die notwendigen Fähigkeiten, Kenntnisse und Ressour-
cen, um ihre Aufgaben selbstständig und kundenorientiert zu erledigen?
Kommunikation und Fairness (Consideration)
Basiert der Umgang miteinander auf fairen Spielregeln? Folgen die zwischenmensch-
lichen Beziehungen konstruktiven Werten wie Vertrauen, Offenheit und Transparenz?
Ergebnisorientierung (Enabling)
Ist den Mitarbeitern klar, was von ihnen erwartet wird und welche Konsequenzen es
hat, wenn sie den Anforderungen nicht gerecht werden? Inwiefern besteht ein Klima
der persönlichen Verantwortung (statt einer Rechtfertigungskultur)?
Unternehmerische Haltung (Innovation)
Ist das Denken und Handeln an Chancen, Risiken und deren wirtschaftlichen Konse-
quenzen ausgerichtet? Werden Veränderungs- und Verbesserungsinitiativen gefördert
und umgesetzt?
Transformationale Führungskompetenzen
Praxisbeispiel
Überblick
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