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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Neben dem Einfluss auf den Unterneh-
menserfolg beurteilten die Befragten, wie
gut sie die vorgestellten Aufgaben zum
heutigen Zeitpunkt erfüllen. Hier zeigt
sich eindeutig, dass neue, durch die Di-
gitalisierung ausgelöste Aufgaben noch
wenig gut erfüllt werden. Dabei ergeben
sich insbesondere fünf Handlungsfelder:
• Die befragten Unternehmen setzen
sich noch wenig mit der Frage ausei-
nander, welche Vorteile die Maschinen
gegenüber den Menschen beziehungs-
weise die Menschen gegenüber den Ma-
schinen haben. Diese Reflexion ist nötig,
um Menschen und Maschinen im Wert-
schöpfungsprozess gezielt einsetzen zu
können, die Effizienz und Wirksamkeit
von Prozessen zu erhöhen, aber auch um
nicht blind der Versuchung der Rationa-
lisierung zu erliegen.
• Die Netzwerkgesellschaft schafft ein
Bedürfnis nach neuen Karrieremodellen,
orientiert an horizontalen Entwicklungs-
möglichkeiten sowie dem zunehmenden
Bedürfnis nach Selbstständigkeit. Sie
verknüpfen Phasen des Arbeitens enger
mit Phasen der Weiterentwicklung.
•Wissen braucht eine Struktur, damit
es effizient und effektiv imSinne der Kun-
denbedürfnisse verarbeitet werden kann.
Visuelle Verzeichnisse erlauben, Wissen
so zu speichern, dass es schnell gefunden
und weiterentwickelt werden kann. An
Bedeutung gewinnen auch dynamische
Verzeichnisse, die das Wissen laufend
nach seiner Aktualität, seiner Vernet-
zung oder seiner Bedeutung ordnen.
• Zu den Erwartungen der Organisa-
tion gesellen sich die Erwartungen der
Mitarbeitenden. Die Führungsspan-
nen nehmen durch die Verflachungen
der Hierarchien zu, wobei die Erwar-
tungen durch die Individualisierung
heterogener werden. Selbstständig Mit-
arbeitende definieren die Rolle ihrer Vor-
gesetzten im Sinne eines Coachs, der bei
Fragen und Problemen zur Verfügung
steht, sich sonst aber im Hintergrund
hält. Die Befragten haben offenbar Mü-
he, diese Anpassung zu vollziehen.
• Auch die Nutzung der anfallenden
Daten in Bezug auf das Mitarbeiterver-
halten stellt die Unternehmen vor große
Herausforderungen. Mitarbeitende hin-
terlassen mit jedem Klick, mit jeder
Mail, mit jeder Suchanfrage bei Google,
mit jeder beantworteten Kundenanfrage
eine Fülle von Daten. Offenbar werden
diese Daten nicht bewusst ausgewertet,
geschweige denn visualisiert und als
Managementinstrument eingesetzt.
Defizite bei der Aufgabenerfüllung
Vergleicht man nun die Bedeutung der
Aufgaben mit ihrer Erfüllungsqualität,
so fallen drei Defizite besonders auf. Zum
einen fühlen sich die befragten Unter-
nehmen offenbar nicht in der Lage, den
Bedürfnissen der Mitarbeitenden ent-
sprechende Karrieremodelle zu entwi-
ckeln. Das Spannungsfeld zwischen vom
Unternehmen gewünschter Bindung und
abnehmender Loyalität der Mitarbeiten-
den sorgt für zusätzliche Schwierigkeiten.
Ein anderes Defizit lässt sich im Be-
reich des Wissensmanagements fest-
stellen. Die Unternehmen nutzen das
Wissen ihrer Kunden und Mitarbeiten-
den noch zu wenig für die Strategiearbeit
oder die Produkt-, Prozess- und Organi-
sationsentwicklung. Der Zusammenhang
zur Digitalisierung ist offensichtlich.
Die neuen Informations- und Kommu-
nikationsmedien, insbesondere Social
Media, schaffen neue Möglichkeiten,
um Gedanken und Feedbacks der An-
spruchsgruppen transparent zu machen.
Unternehmenwerden inZukunft verstärkt
von unten nach oben geführt werden. Ma-
nager erkennen, dass ihr wichtigstes Wis-
sen bei den Mitarbeitenden an der Basis
anfällt sowie in den Köpfen ihrer Kunden
gespeichert ist. Offenbar fehlt aber der
Mut, um mit den neuen Möglichkeiten zu
experimentieren; die Unternehmen ha-
ben Angst vor Kontrollverlust oder es fehlt
schlicht an den dafür nötigen Ressourcen.
Die Defizite geben Anlass zur Vermu-
tung, dass die Personalabteilung in Zu-
kunft verstärkt mit anderen Abteilungen
zusammenarbeiten muss (vergleichen
Sie dazu die Tabelle auf Seite 18). Verhält
sich die Personalabteilung zu passiv, ist
es aber auch möglich, dass sich andere
Abteilungen die Aufgaben einverleiben.
Instrumente des digitalisierten HRM
Die Digitalisierung ermöglicht dem
HRM, seine Prozesse und Instrumente
Technologisierung über allem: Die meisten der in der „HRM-Trendstudie 2012“ der
Wissensfabrik befragten Teilnehmer erwarten eine weitere Welle der Digitalisierung als
Megatrend, der sich auf ihr Unternehmen auswirken wird.
Quelle: dr. JoËl luc cachelin Wissensfabrik
Landkarte der Zukunft
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