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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
noch lange kein guter Sänger vor Pu-
blikum – weil das, was er verkörpern
will, und das, was beim Gegenüber
ankommt, zwei verschiedene Welten
sind. Eine gute Inszenierung zeichnet
sich dadurch aus, dass Inhalt und Form
der Darbietung zueinanderpassen. An
oberster Stelle stehen Ehrlichkeit und
Authentizität. Wenn ich nicht ich bin in
dem, was ich tue, werde ich kaum ande-
re davon überzeugen können.
Zielgerichtete Kommunikation
Die genannten vier I-Begriffe – Identität,
Interesse, Interaktion und Inszenierung
– bilden eine gute Grundlage für Kom-
munikationstrainings. Wenn der Verlauf
der Stimme in freier Rede, der Stand bei
einer Präsentation oder der Schlagab-
tausch in einer Fernsehtalkshow ihre
Echtheit behalten sollen, lohnt es sich,
im ersten Schritt den Teilnehmer zum
Nachdenken über grundlegende Fragen
zu seiner Identität und seiner Motivati-
on zu bringen:
• Wer bin ich? Wer will ich sein?
• Wie will ich sein? Wie nehmen andere
mich wahr?
• Für welche Themen und Inhalte stehe
ich? Wofür will oder soll ich stehen?
• Für welche Werte stehe ich und für
welche will ich stehen?
denen Seiten an unsere berufliche Funk-
tion geknüpft sind und wie wir selbst
diese Rolle spielen wollen.
Erst wenn diese strategischen Grund-
lagen gelegt sind, sollte sich das Training
schrittweise auf die Maßnahmenebene
bewegen, angepasst an die jeweiligen
Zielgruppen: Networker sind eher im per-
sönlichen Gespräch gefordert, inhaltlich
Akzente zu setzen. Führungskräfte müs-
sen sich vor allem schnell auf verschie-
dene Situationen einstellen können. Auch
beimThema Interaktion ist die Spannbrei-
te weit: Sie reicht vom Kunden, der sich
am Telefon beschwert, über den Redner,
der durch eine Frage aus dem Publikum
auf ein Problem aufmerksamwird, bis hin
zum CEO, der in einer Talkshow auf dem
heißen Stuhl gegrillt wird. Gemeinsam ist
diesen Situationen, dass sie für denjeni-
gen Chancen bietet, der aktiv zuhört und
glaubwürdig argumentiert.
Schließlich die Inszenierung: Gerade
bei Medientrainings schildern Teilneh-
mer immer wieder, dass sie regelrecht
erschrecken, wenn sie sich selbst in ei-
ner Bild- oder Tonaufzeichnung erleben.
Komplett ist die Verwirrung dann, wenn
Beobachter auf ganz andere Aspekte ein-
gehen. Dies zeigt, wie schwierig es ist,
Selbst- und Fremdbild und die Ansprü-
che an das eigene Auftreten in Einklang
zu bringen.
Am Ende aber stellt sich unter den
Trainingsteilnehmern immer wieder ei-
ne Erkenntnis ein: Wenn Klarheit darü-
ber herrscht, wohin für einen selbst die
Reise gehen soll, wird es viel leichter,
gegenüber anderen souverän die eigene
Position zu vertreten. Insoweit besteht
der Hauptnutzen von „Personal Bran-
ding“ darin, Menschen mehr Sicherheit
beim eigenen Auftreten zu geben und
ihren Blick auf Fragen zu lenken, die sie
und das Unternehmen weiterbringen.
Joachim Schwichtenberg
leitet bei der
Medienberatung der Wirtschaft (MBW) in
München die Unternehmenskommunikation
und den Medienbereich.
Die Erfahrung zeigt, dass diese Fragen
viele Teilnehmer zunächst irritieren.
Sehr oft gibt es Nachfragen, ob diese
Fragen auf die berufliche Funktion oder
die Persönlichkeit allgemein zu bezie-
hen sind. Das ist der Beginn einer kon-
struktiven Reflexion: Die Auseinander-
setzung mit „Personal Branding“ macht
deutlich, dass der Businessteil der Per-
sönlichkeit vom privaten Teil gar nicht
hundertprozentig zu trennen ist.
Schrittweise Maßnahmen ableiten
Ziel eines solchen Trainings ist zum ei-
nen, Bewusstsein darüber herzustellen,
dass andere immer mehr von einem se-
hen, als einem lieb ist. Im Fokus steht
also die Frage, wie der Teilnehmer den
Anteil, den andere stets auch wahrneh-
men, im Business so nutzen kann, dass
er authentischer wirkt. Klarheit darüber
schafft Autonomie und die Chance zum
aktiven Gestalten. Im Fokus steht sehr
wohl der Teil der Persönlichkeit, den wir
mit Kollegen, Geschäftspartnern und
Menschen, denen wir im Businessleben
begegnen, teilen. Dennoch sind und blei-
ben diese Fragen oft sensibel, weil sie
ein Stück weit zur Klarheit nötigen: Sie
bringen uns dazu, Ziele zu definieren
oder uns auch nur in Erinnerung zu ru-
fen, welche Erwartungen von verschie-
So unverwechselbar wie der eigene
Fingerabdruck kann auch der Eindruck
sein, den Sie bei Ihren Mitarbeitern und
Geschäftspartnern hinterlassen.
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