Seite 35 - personalmagazin_2013_05

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ten und Kandidaten zu vermitteln.
Generell stehen dafür die Chancen
nicht schlecht, meint Professor Mar-
tin Kersting, Eignungsdiagnostiker
an der Justus-Liebig-Universität
Gießen: „Leistungsträger suchen die
Herausforderung, das spricht für
Leistungstests.“
Wie positiv gestimmt Kandidaten
in Tests gehen, hängt von unter-
schiedlichen Faktoren ab: Ältere
Bewerber und solche in höheren
Hierarchiestufen sind ablehnender
als Auszubildende und Einsteiger
in die Führungsetage. Für attraktive
Arbeitsplätze, interessante Arbeitge-
bernamen oder spannende Orte, ver-
bunden mit einem Gehaltssprung,
steigt die Bereitschaft, sich testen zu
lassen. „Spitzenmanager und Spit-
zenbeamte halten es allerdings für
Majestätsbeleidigung, wenn sie sich
einem Test unterziehen sollen“, sagt
Professor Uwe Kanning, Wirtschafts-
psychologe an der Hochschule Osna-
brück. „Jeder Vorstand ist durch ein
unstrukturiertes Auswahlverfahren
in seinen Job gekommen, deshalb
scheinen ihm Leistungstests sus-
pekt.“ Doch genau darum geht es:
nicht die vergangenen Leistungen
würdigen, sondern eruieren, ob das
Profil und die Lernfähigkeit für die
neue Position richtig sind.
Auch Personaler zweifeln
Persönlichkeitstests, die „Soft Skills“
wie Durchsetzungsvermögen, Ko-
operationsfähigkeit oder Kommuni-
kationsstärke messen, haben eine
ähnlich niedrige Akzeptanz wie
Leistungs- und Intelligentests. Un-
spezifische Ängste, da wolle einer
dem Bewerber in die Seele schauen,
gibt es auf Personaler- wie auf Be-
werberseite. Bei allen Untersuchun-
gen zur Akzeptanz von Intelligenz-
und Persönlichkeitstests, darauf
verweist Forscher Martin Kersting,
ist es entscheidend, wann sich die
Studienteilnehmer zum Einsatz von
Personalinstrumenten äußern. So
tauchen Vorurteile gegen Messin­
s­trumente umso häufiger auf, je
entfernter die Befragten von den
Personalauswahlinstrumenten sind.
Studierende äußern sich zu Intelli-
genztests als Einstellungskriterium
negativ – etwa in Untersuchungen
des Personalauswahldiagnostikers
Heinz Schuler, bis 2010 Professor
an der Universität Hohenheim. In
einer Befragung vor und nach dem
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ment Center
sind weni-
ger valide
als Intelligenztests,
aber bei der Augen-
scheinvalidität verhält
es sich andersherum.“
Martin Kersting, Fachgebiet Psychologie
an der Justus-Liebig-Universität Gießen