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spezial
_beratung
Der Stellenwert des Arbeitsrechts
Stimmen.
Werkvertrag, Zeitarbeit, flexible Arbeitszeit: Vier Arbeitsrechtler nennen
aktuelle Themen in der arbeitsrechtlichen Beratung sowie Trends im Anwaltsmarkt.
„Auch der grenzüberschreitende konzern-
interne Datentransfer spielt eine wichtige
Rolle in der aktuellen arbeitsrechtlichen
Beratung von Unternehmen, insbeson-
dere bei der Einführung von weltweiten
Personalentwicklungsprogrammen“, sagt
Teigelkötter.
Abseits der Themen stellt sich auch die
Frage nach den Trends im Rechtsbera-
tungsmarkt. Also: Welchen Stellenwert
hat das Arbeitsrecht in Wirtschaftskanz-
leien? Oder wie entwickeln sich spezia-
lisierte im Vergleich zu Großkanzleien?
FPS: Querschnittsmaterie Arbeitsrecht
Bei FPS sei das Arbeitsrecht eine wich-
tige „Querschnittsmaterie“, wie Alex-
andra Henkel bestätigt. „Wir sind eine
Full-Service-Kanzlei und beraten Unter-
nehmen allumfassend. Ohne Arbeits-
recht ist dies nicht denkbar“, sagt die
Fachanwältin für Arbeitsrecht.
In der Beratung selbst gebe es eine
Entwicklung hin zum Partner, der an Un-
ternehmensentscheidungen von deren
Findung bis zur Durchführung beteiligt
wird. „Das anwaltliche Fachwissen ist die
Basis, die kreative und verlässliche Be-
gleitung des Prozesses – einschließlich
taktischer Überlegungen und Verhand-
lungsstrategien – die eigentliche Leis
tung des Arbeitsrechtsanwalts.“ Zuletzt
hat die Wirtschaftsmediatorin den Ein-
druck, dass Firmen mehr Arbeitsrechtler
einstellen. „Ob das ein dauerhafter Trend
ist, vermag ich nicht zu sagen. Nach mei-
ner Erfahrung ist dies ein ständiges Auf
und Ab“, meint Henkel. Auswirkungen
auf Umsatz oder Honorar sieht sie jedoch
nicht: „Auch Unternehmen mit Inhouse-
Juristen fragen nach wie vor anwaltliche
Spezialistenleistungen ab.“
Und wie unterscheiden sich die Kanz-
leien? „Die fachgebietsübergreifende
Problemlösung kennzeichnet größere
Wirtschaftskanzleien“, sagt Henkel. In-
ternationale Großkanzleien zielten häu-
fig auf große M&A-Aufträge ab, ohne
jedoch die gesamte Durchführung mit
Change Management oder Arbeitsge-
richtsverfahren zu übernehmen. „Dies
ist ein Vorteil international denkender
Wirtschaftskanzleien. Sie begleiten
‚Mergers‘ qualifiziert mit Manpower und
bieten die komplette Durchführung im
alltäglichen Geschäft“, sagt Henkel.
Kliemt & Vollstädt: Arbeitsrecht pur
Bei Kliemt & Vollstädt liegt der alleinige
Fokus auf der arbeitsrechtlichen Bera-
tung von Unternehmen. „Naturgemäß
hat daher in unserer Kanzlei das Ar-
Von
Michael Miller
(Red.)
A
llein aufgrund der aktuellen
Diskussionen zu Werkverträ-
gen oder Zeitarbeit beschäfti-
gen viele Unternehmen ihre
arbeitsrechtlichen Berater mit diesen
Themen – zusätzlich zum Dauerbrenner
Restrukturierung nebst Interessenaus-
gleichs- und Sozialplanverhandlungen.
So sei etwa die Umsetzung großer Re-
strukturierungsprojekte für die Kanzlei
Kliemt & Vollstädt ein zentrales Thema
in der Beratung, sagt Professor Michael
Kliemt. „Brandaktuell sind Fragen zur
Arbeitnehmerüberlassung: Bei konzern-
internen Personalservicegesellschaften
ist rechtzeitig den verschärften Anfor-
derungen des BAG Rechnung zu tragen
und sind entsprechende Alternativkon-
zepte zu entwickeln“, erläutert Kliemt.
Weitere aktuelle Themen: „Die arbeits-
rechtliche Beratung bezieht sich schon
seit einigen Jahren mehr und mehr auf
die Gestaltung flexibler Arbeitszeitmo-
delle und flexibler Vergütungsmodelle.
Dabei sind die Arbeitgeberwünsche mit
dem teils engen Korsett der gesetzlichen
Bestimmungen in einen vernünftigen
Einklang zu bringen“, sagt Christoph
J. Hauptvogel von der Kanzlei Graf von
Westphalen. Zudem sieht Dr. Alexandra
Henkel von FPS die Themen „Tarifver-
handlungen“ und „Compliance“. „Unter-
nehmen achten zunehmend im Rahmen
der Compliance auf regelmäßige Zuar-
beit der aktuellen Rechtsprechungs- und
Gesetzesentwicklungen“, sagt Henkel.
Volker Teigelkötter von McDermott Will &
Emery bringt einen weiteren Aspekt ein.
„Bei ‚Mergers‘ begleiten international
denkende Kanzleien die gesamte Durch-
führung im alltäglichen Geschäft.“
Dr. Alexandra Henkel, Partnerin, FPS