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Die Umsätze der Beratungsunternehmen sind gestiegen. Wie sieht es mit den Honora-
ren der Berater aus? Mit welchen Kosten aktuell zu rechnen ist, zeigt ein Marktblick.
Unternehmensberater kalkulieren ihre Honorare üblicherweise in Manntagen. Die Ta-
gessätze schwanken stark. Sie richten sich nach der Größe des Beratungsunternehmens
sowie der Erfahrung und Hierarchiestufe der Consultants.
Laut Angaben des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) verlangen
die Consultants je nach Umsatzklasse zwischen 1.100 bis 1.380 Euro pro Tag. Ein Senior
Consultant bei einer Beratungsgesellschaft mit bis zu 200.000 Euro Jahresumsatz kostet
im Schnitt 1.520 Euro pro Tag. Bei Beratungsunternehmen mit einem Umsatz über fünf
Millionen Euro liegt dieser Wert im Schnitt bei 2.000 Euro. Wird der Chef eines Bera-
tungsunternehmens oder ein Seniorpartner in einem Beratungsprojekt aktiv, können
auch bis zu 5.800 Euro berechnet werden.
Die genannten Sätze gelten jedoch nur für die Beratung in strategisch wichtigen Fragen.
Erfahrene Auftraggeber drücken diese Preise, wenn es um Marktforschung, Audits oder
andere weniger wichtige Projekte geht. Bei Projekten mit überwiegend operativem
Charakter kann man den Erfolg anhand von konkreten Kennzahlen messen (Umsatz,
EBITDA, Kosten et cetera). Hier kann es sinnvoll sein, zumindest einen Teil des Berater-
honorars an den Erfolg des Projekts zu knüpfen.
Kosten für die Beratung
Praxisbeispiel
EINBLICK
tioniere. Die Wirtschaftsprüfer hätten
wegen Interessenkonflikten nicht recht-
zeitig vor Problemen bei bestimmten
Unternehmen gewarnt, so die Kritik von
Barnier. Zudem sei die Konzentration
auf nur vier große Prüfungsgesellschaf-
ten riskant, weil der Ausfall selbst nur
einer dieser Gesellschaften das ganze
System bedrohe. Ob sich Barnier mit
seinen Vorstellungen durchsetzen kann,
ist jedoch fraglich. Die Lobbyisten der
Prüfungsfirmen in Brüssel werden je-
denfalls versuchen, die Pläne der Kom-
mission zu torpedieren.
Ein weiterer Trend in der Beraterbran-
che: Personalthemen gewinnen an Ge-
wicht. „Die Unternehmen hatten in den
vergangenen zehn Jahren noch nicht so
einen hohen Druck zur Neuausrichtung
und Professionalisierung ihres Personal-
managements“, erklärt Michael Geke,
Gründer und Chef der Düsseldorfer Be-
ratungsfirma Dr. Geke & Associates, den
Grund für diesen Trend. Jetzt aber sei die-
ser Druck deutlich spürbar, mit der Fol-
ge, dass die Kunden mehr denn je zuvor
in entsprechende Beratung investieren.
Vor diesem Hintergrund ist es ver-
ständlich, dass KPMG Gekes Firma im
vergangenen Jahr übernahm. Durch
den Kauf erweitere man nicht nur das
Dienstleistungsangebot im Bereich HR
Consulting, sagt KPMG-Partner Niels
Rasmussen. KPMG werde dadurch vor
allem auch in die Lage versetzt, große
und komplexe Transformationsprojekte
auf breiterer Basis zu begleiten.
Wachstum im Talentmanagement
Hohe Wachstumsraten weisen vor allem
jene Berater auf, die sich auf das Thema
„Talentmanagement“ spezialisiert haben.
Als „Pionier“ auf diesem Feld bezeichnet
sich die Promerit AG. „Unser Anspruch
und der unserer Auftraggeber ist es, mit
wirksamem HR-Management einen un-
mittelbaren Beitrag zur Umsetzung der
Unternehmensstrategie zu leisten“, sagt
Kai Anderson, einer der wichtigsten Köp-
fe und Mitgründer des Beratungshauses.
Die Bedeutung des Faktors Personal
für den Unternehmenserfolg streichen
neuerdings auch die klassischen Ma-
nagementberater heraus: „Die meisten
Unternehmenslenker kennen die Not-
wendigkeit, ihre Leistungen in rele-
vanten Personalmanagementbereichen
zu verbessern, wissen jedoch nicht,
womit sie anfangen und welche Maß-
nahmen sie priorisieren sollten“, sagt
Rainer Strack, Senior Partner und bei
Boston Consulting weltweit für Perso-
nalthemen verantwortlich.
Boston Consulting sticht hervor
Seit dem Jahr 2008 haben Strack und Kol-
legen weltweit über 1.000 HR-Beratungs-
projekte an Land gezogen, schreiben die
Experten des US-Marktforschungsunter-
nehmens Kennedy Information in einer
aktuellen Studie. Und: Boston Consulting
sei weltweit die Nummer eins auf dem
Feld der strategischen HR-Beratung.
Hinter diesem enormen Erfolg steckt ei-
ne Innovation, die letztlich eine Reaktion
auf die Kritik am sogenannten „Sharehol-
der Value“ darstellt. Dieses Management
instrument ermöglicht Aussagen über
den Wert eines Unternehmens oder Un-
ternehmensteils – jedoch ausschließlich
über den Wert für die Anteilseigner. Um
den „Shareholder Value“ zu steigern,
ließen sich die Manager in der Vergan-
genheit immer wieder zu kurzfristigen,
eher spekulativen Aktionen hinreißen.
Die Interessen der Arbeitnehmer und
anderer Stakeholder blieben dabei außen
vor. Strack – ein promovierter Physiker –
hat diese Kritik zum Anlass genommen,
eine neue Rechenformel zu entwickeln –
das „Workonomics Tool“. „‚Workonomics‘
erweitert den Begriff des ‚Shareholder
Value‘, indem es die Wertaussagen auf
die Mitarbeiter eines Unternehmens be-
zieht“, sagt der Berater. Das „Workono-
mics Tool“ sei das erste Werkzeug, mit
dem man den Effekt von Investitionen in
das Humankapital wirklich messen kön-
ne, lobt Kennedy Information.
Vor diesem Hintergrund kann man
Kienbaums Sorge um seine Zukunft nur
allzu gut nachvollziehen. Bleibt abzu-
warten, ob Walter Jochmann und sein
Institut für Leadership und Transfor-
mation Kienbaums Rückstand bei der
strategischen HR-Beratung aufholen
können.
Rainer Steppan
ist Gründer und Betrei-
ber des Internetportals Consultingstar.com.