52
spezial
_beratung
personalmagazin 12 / 13
tegy Consultants. Die Münchner erziel-
ten zuletzt mit schätzungsweise 1.250
Mitarbeitern in Deutschland rund 445
Millionen Euro Umsatz.
Auf Platz vier und fünf des Rankings
rangieren jedoch zwei Wirtschaftsprü-
fungsfirmen: KPMG (403 Millionen Um-
satz in der Beratungssparte) und PWC
(315 Millionen Euro Umsatz). Auch auf
den weiteren Rängen finden sich Wirt-
schaftsprüfer: Deloitte etwa rangiert auf
Platz acht, EY – vormals Ernst & Young –
landet auf Platz zwölf. Wohlgemerkt: Das
Ranking berücksichtigt nur die Umsät-
ze im Bereich Unternehmensberatung,
nicht die Gesamtumsätze.
Das Lünendonk-Ranking ist unter
Fachleuten durchaus umstritten. Man
wirft dem Kaufbeurer unter anderem
vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Das gilt vor allem für die großen IT-
Dienstleister, die Lünendonk immer
wieder auf seine Liste setzt, obwohl die
Arbeit der Consultants von Accenture
(Platz sechs auf der Liste), IBM (Platz 14)
oder Bearing Point (Platz 15) wenig bis
gar nichts mit klassischer Management-
beratung zu tun hat. Immerhin aber: Der
Trend, den Lünendonk in seiner Liste ab-
bildet, deckt sich mit der Realität: Die
großen Wirtschaftsprüfer zeigen wieder
deutlich Flagge im Consulting Business.
Und das ist wirklich neu, denn vor
zehn Jahren waren die Accountants noch
nicht so präsent wie heute. Sie hatten
schließlich gerade erst ihre Beratungs-
abteilungen abgetrennt – wo allerdings
damals vor allem IT-Experten arbeiteten.
KPMG etwa brachte seine IT-Dienstleis-
tungstochter 2001 in den USA an die
Börse – und scheiterte kläglich. KPMG
Consulting, das sich ab 2002 in Bearing
Point umbenannte, kämpfte vergeblich
gegen die damalige Flaute auf demMarkt
für IT Consulting. Bereits kurz nach dem
Börsengang musste Bearing Point einen
Großteil seiner Mitarbeiter entlassen.
2009 beantragte das Unternehmen In-
solvenzschutz nach US-Recht. Das, was
heute unter dem Namen Bearing Point
firmiert, ist eine eher unbedeutende IT-
Beratungsfirma, die mit der einst so stol-
zen Mannschaft von KPMG Consulting
nicht mehr viel gemeinsam hat.
Ähnliche Dinge spielten sich auch bei
den anderen großen Prüfungsgesell-
schaften ab. Arthur Andersen, die eins
tige Nummer eins der Prüfungsbranche,
wurde wegen krimineller Machenschaf-
ten beim Skandal um den texanischen
Energiekonzern Enron von den US-Be-
hörden zwangsweise aufgelöst. Ein ein-
zigartiger Vorgang in der Geschichte der
Professional Services Industry.
Know-how wird wieder zugekauft
Jetzt aber sind die Wirtschaftsprüfer
wieder da, wenngleich auch unter an-
derem Vorzeichen: Nicht IT-Dienstleis-
tungen bilden heute den Schwerpunkt
der Consulting-Aktivitäten bei den „Big
Four“, sondern umsatzträchtige Spe-
zialthemen wie etwa „Supply Chain Ma-
nagement“ oder „Procurement“. Beim
ersten Thema geht es vor allem um die
Optimierung von Lieferketten und ope-
rativen Prozessen, beim zweiten Thema
um die Optimierung des Einkaufs und
der Beschaffungslogistik. Die Nachfra-
ge nach Consulting auf diesen Feldern
wächst Untersuchungen zufolge welt-
weit überdurchschnittlich stark. Und
da die Prüfungsgesellschaften auf diese
Nachfrage bislang nicht die passende
Antwort hatten, kauften sie den entspre-
chenden Sachverstand kurzerhand ein.
So übernahm KPMG im Juni ver-
gangenen Jahres die Brain Net Supply
Management Group AG, einen im schwei-
zerischen St. Gallen ansässigen Spezia-
listen für die oben genannten Themen.
Mit dem Kauf untermauere KPMG seinen
Anspruch, nicht nur Prüfungsleistungen
und prüfungsnahe Beratung, sondern
auch umfassende Managementberatung
anzubieten, sagt Klaus Becker, Sprecher
des Vorstands von KPMG Deutschland.
„Durch diese strategische Investition kön-
nen wir unser Dienstleistungsangebot im
Bereich Procurement und Supply Chain
Management ganz entscheidend erwei-
tern und hier unsere Marktposition mit
einem Schlag deutlich verbessern“, so
Becker. Konkurrent EY zog wenig später
nach: Im Februar 2013 kauften die Prüfer
die Mannheimer J&M Management Con-
sulting AG, einen Spezialisten für das
Thema „Supply ChainManagement“. Den
Vogel aber schoss PWC ab: Ende Oktober
schlossen die Prüfer einen Fusionsver-
trag mit der Strategieberatungsfirma
Booz & Company.
EU will Beratern Grenzen setzen
Dabei ist es keineswegs selbstverständ-
lich, dass die großen Prüfungsgesell-
schaften überhaupt Unternehmens-
beratung anbieten dürfen. Laut einer
geplanten EU-Verordnung und einer
damit zusammenhängenden Richtlinie
sollen sich die Prüfungsgesellschaften
sogar komplett von ihren Beratungsak-
tivitäten trennen. EU-Binnenmarktkom-
missar Michel Barnier, dessen Ressort
die entsprechenden EU-Normen ent-
worfen hat, will mit seinem Vorstoß die
Dominanz der „Big Four“ in Europa bre-
chen und weitere Bilanzskandale verhin-
dern. „Wir müssen das Vertrauen in die
Abschlüsse von Unternehmen wieder-
herstellen“, mahnt Barnier. Die Finanz-
krise habe gezeigt, dass das Miteinander
von Prüfung und Consulting nicht funk-
„Die meisten Unternehmen kennen
die Notwendigkeit, ihre Leistungen im
Personalmanagment zu verbessern.“
Dr. Rainer Strack, Senior Partner der Boston Consulting Group