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Magazin „Wirtschaftswoche“ Mitte Okto­
ber in einem Luxushotel der NRW-Lan-
deshauptstadt ausgerichtet hatte.
Anlass war die Prämierung der Sieger
von „Best of Consulting“ – einem jener
Wettbewerbe, die von den Consultants
letztlich selbst bezahlt werden müssen.
Zur besten Beratungsfirma Deutschlands
kürte die Jury die in Bietigheim-Bissingen
ansässige Porsche Consulting GmbH, eine
hundertprozentige Tochter des gleichna-
migen schwäbischen Autobauers. Grund
für die Auszeichnung war ein erfolgreich
abgeschlossener Auftrag, den der Wall-
dorfer Softwarekonzern SAP erteilt hatte:
Die Consultants entwarfen hier eine neue
Organisationsstruktur und halfen so, die
Entwicklungszeiten für SAP-Programme
drastisch zu senken. Vorjahressieger
Bos­ton Consulting landete auf Platz zwei,
McKinsey ging als Dritter ins Ziel. „Der
Sieg des vermeintlichen Nischenplayers
über die bisherigen Platzhirsche zeigt,
dass es heute nicht mehr ausreicht, eine
allseits bekannte und renommierte Mar-
ke zu haben“, sagt Frank Höselbarth, der
sich mit seiner People and Brand Agency
auf das Branding von Unternehmensbe-
ratungen spezialisiert hat und als trei-
bende Kraft hinter dem Wettbewerb der
„Wirtschaftswoche“ steht.
Kunden wissen genau, was sie wollen
„Die Auftraggeber von Beratern werden
immer wählerischer“, so Höselbarths
Beobachtung. Der Grund: Die Entschei-
der in den Unternehmen sind nicht
mehr so unerfahren wie früher, als die
Consultants noch mit einer simplen
Erfahrungskurve Eindruck schinden
konnten. Oft sind die Auftraggeber der
Consultants selbst einmal Consultants
gewesen. Diese sogenannten Alumni
wissen genau, was sie von externen
Dienstleistern verlangen können. Der
Bielefelder Wirtschaftswissenschaftler
Michael Mohe spricht in diesem Zusam-
menhang von „Klientenprofessionalisie-
rung“. Dieser Trend ist zwar nicht mehr
ganz neu, aber er ist nach wie vor aktuell
und prägt das Klima in der Consulting-
Branche. Hinzu kommt die Tatsache,
dass zahlreiche Großunternehmen in-
zwischen eigene Beratungsabteilungen,
sogenannte „Inhouse Consultancies“,
aufgebaut haben. Hierzu zählt auch der
Zuffenhausener Sportwagenbauer Por-
sche. Porsche Consulting beschäftigt ge-
rade einmal 350 Mitarbeiter, macht den
Großen aber ernsthaft Konkurrenz, weil
die Berater exzellente Arbeit leisten,
und zwar nicht nur für Porsche selbst,
sondern auch für Unternehmen außer-
halb der Autoindustrie, wie eben für den
Softwarekonzern SAP.
Häufigste Themen: Strategie und IT
SAP ist in gewisser Weise eine Aus-
nahme, denn Softwarehersteller zäh-
len nicht gerade zu den besten Kunden
der deutschen Berater. Die stärkste
Nachfrage kommt von den klassischen
Indus­trieunternehmen, vor allem aus
der Automobilbranche. Der Honorarzu-
wachs, den die Berater in diesem Sektor
der Wirtschaft verbuchen konnten, liegt
laut BDU-Studie bei 19 Prozent. Auch
Konsumgüterhersteller und der Handel
vergeben mehr Aufträge als in frühe-
ren Jahren. Und: Banken und Versiche-
rungen sind nach wie vor gute Kunden
der Unternehmensberater – gerade we-
gen der zurzeit kritischen Lage in der
Finanz­industrie. Die Chefs der Geldhäu-
ser suchen nach neuen Geschäftsmodel-
len abseits des riskanten und skandal­
trächtigen Investmentbankings und die
Berater sollen sie bei dieser Suche un-
terstützen. Die Auftraggeber benötigen
vor allem Hilfe bei strategischen Fragen
und im IT-Bereich. Besonders viele Auf-
träge entfallen laut BDU auf Internati-
onalisierungs- und andere Wachstums­
projekte, die ein Plus von 9,9 Prozent
verzeichnen, sowie Marketing- und
Vertriebsberatung mit einem Plus von
10,2 Prozent. Den höchsten Zuwachs im
Segment Strategieberatung verzeichnet
jedoch das Thema „Nachhaltigkeitsma-
nagement“ (plus 11,3 Prozent).
Wirtschaftsprüfer holen kräftig auf
Alle Jahre wieder, meist kurz vor Be-
ginn der Sommerferien, veröffentlicht
das in Kaufbeuren ansässige Marktfor-
schungsunternehmen Lünendonk ein
Ranking mit den Umsatzzahlen der
Marktführer der deutschen Consulting-
Branche. Wer die Liste aus dem Jahr
2013 mit jener vergleicht, die Lünen-
donk vor zehn Jahren veröffentlicht hat,
stellt fest, dass sich an der Spitze nichts
geändert hat. Nach wie vor dominieren
drei Unternehmen die Szene: Bran-
chenprimus ist McKinsey & Company.
Das Unternehmen beschäftigt allein in
Deutschland weit über 2.000 Mitarbei-
ter, davon rund 1.200 Berater. Diese
erwirtschaften jährlich über eine halbe
Milliarde Euro Umsatz. Auf Platz zwei
rangiert The Boston Consulting Group
(1.880 Mitarbeiter, 490 Millionen Euro
Umsatz), gefolgt von Roland Berger Stra-
„Es reicht heute für Beratungsfirmen
nicht mehr aus, eine allseits bekannte
und renommierte Marke zu haben.“
Dr. Frank Höselbarth, Geschäftsführer der People & Brand Agency
„Der Druck der Firmen zur Neuausrich-
tung und Professionalisierung ihres HR-
Bereichs ist deutlich spürbar.“
Dr. Michael Geke, Gründer von Dr. Geke & Associates
© Dr. Geke & Associates