Seite 50 - personalmagazin_2013_12

Basic HTML-Version

50
spezial
_beratung
personalmagazin 12 / 13
D
er 1. Januar 2014 stellt eine
Zäsur im Leben des Walter
Jochmann dar. An diesem Tag
zieht sich der erfahrene Con-
sultant weitgehend aus dem operativen
Geschäft der Beratungsfirma Kienbaum
zurück. Der 56-Jährige, der in der Szene
der Personalleute einen guten Ruf hat,
wird dann die Leitung des neu geschaf-
fenen Kienbaum-Instituts für Leadership
und Transformation in Köln übernehmen
und sich in dieser Funktion vor allemmit
den Folgen des demografischen Wandels
und anderen strategischen Fragen be-
schäftigen. Mehr noch: Jochmann werde
als „Innovationsmotor“ für Kienbaum
arbeiten, sagt Joachim Kienbaum, Chef
Von
Rainer Steppan
des Beratungsunternehmens mit Sitz
im oberbergischen Städtchen Gummers-
bach, 50 Kilometer östlich von Köln.
Kienbaum war einmal eine klassische
Managementberatungsfirma, die Perso-
nalberatung – wenn überhaupt – nur
nebenbei betrieb. Bekannt geworden
ist das Unternehmen jedoch durch die
großformatigen Stellenanzeigen, die die
Berater über mehrere Jahrzehnte hinweg
in den Wochenendausgaben der überre-
gionalen Tageszeitungen schalteten. Die
Marke, die Kienbaum auf diese Weise
mit dem Geld seiner Kunden aufbauen
konnte, hat immer noch Strahlkraft – ob-
wohl das Geschäft mit den Print-Stellen-
anzeigen im gleichen Maße geschrumpft
ist wie die entsprechenden Anzeigen-
teile der Zeitungen.
Kienbaum ist heute breit aufgestellt,
mit dem Schwerpunkt im Bereich Hu-
man Resources. Das Angebot umfasst
Executive Search, Outplacements, Vergü-
tungsberatung, Managementdiagnostik,
Kommunikationsberatung und vieles
mehr. Auf keinem dieser Felder ist das Un-
ternehmen jedoch wirklich führend. Von
daher haben die Gummersbacher einen
Innovationsmotor dringend nötig, denn in
der Beraterbranche gerät man fast noch
schneller ins Abseits als in der Elektronik-
industrie. Arthur D. Little lässt grüßen.
Umsatz auf Rekordniveau
In der Beraterbranche herrscht ein knall-
harter Wettbewerb und das ist auch kein
Wunder: Laut einer Studie des Bundes-
verbands Deutscher Unternehmensbe-
rater (BDU) mit dem Titel „Facts and
Figures zum Beratermarkt 2012/2013“
buhlen zwischen Nordsee und Alpen
über 14.000 Beratungsunternehmen um
die Aufträge aus der Wirtschaft. In die-
sen Unternehmen arbeiten 91.000 Con-
sultants. Sie erwirtschafteten 2011 satte
20,6 Milliarden Euro Umsatz. Das ist ein
Plus von fast zehn Prozent im Vergleich
zum Jahr 2010. Und es ist ein Rekord:
Noch nie zuvor konnten die deutschen
Berater so viel Honorar einstreichen.
Doch wegen des enormen Wettbewerbs-
drucks kommt nirgendwo echte Jubel-
stimmung auf – selbst auf jener Ver-
anstaltung nicht, die das Düsseldorfer
Hohe Umsätze, aber kein Jubel
ÜBERBLICK.
Wirtschaftsprüfer und klassische Managementberater widmen sich ver-
stärkt den Personalthemen. Das sorgt für Druck in den Reihen der HR Consultants.
Der Druck steigt: HR-Berater
bekommen Konkurrenz von
den Wirtschaftsprüfern.
© donskarpo / shutterstock .com