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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
tenden Unternehmen genügten zum
Einstieg Englischkenntnisse, da in der
Forschungs- und Entwicklungsabteilung
ohnehin Englisch gesprochen wird. Im
Gastgewerbe setzen die Befragten Mitar­
beiter mit geringen Deutschkenntnissen
zunächst in Arbeitsbereichen mit wenig
Publikumsverkehr ein.
Willkommenskultur notwendig
Zusätzlich zur neuen Sprache und zum
ungewohnten Arbeitsumfeld kommen
auf die EU-Fachkräfte viele Formalitä­
ten zu, die in ihren Heimatländern völ­
lig anders geregelt sind, angefangen bei
der Steuererklärung bis hin zur Pkw-
Zulassung. Als einen zentralen Faktor
für eine erfolgreiche Integration nann­
ten daher viele Befragte das Vorhanden­
sein einer „echten Willkommenskultur“
im Unternehmen. Dazu gehört, dass die
deutschen Mitarbeiter offen gegenüber
den neuen Kollegen sind und das Unter­
nehmen sie – auch bei Fragen, die das
Privatleben betreffen – unterstützt
Auch die Evangelische Heimstiftung
legt bei ihrem zwölfmonatigen Integrati­
onsprogramm Wert auf einen ganzheit­
lichen Ansatz und Nachhaltigkeit. „Dazu
gehört, dass wir unsere Mitarbeiter bei
der sozialen und kulturellen Integration
unterstützen und auf kollegialem Weg
jederzeit ansprechbar sind“, so Hauptge­
schäftsführer Bernhard Schneider. Das
sind wichtige Punkte, die auch Angela
Inselkammer, Geschäftsführerin des
Brauereigasthofs Hotel Aying, berück­
sichtigt, zumal sie immer wieder beob-
achtet, dass sich bei den Fachkräften
früher oder später Heimweh einstellt.
Förderlich für die Integration sind daher
beispielsweise Mentoren, die die neuen
Kollegen nach Feierabend etwa in den
heimischen Sportverein oder zu Veran­
staltungen mitnehmen. Auch entspre­
chende „Communities“ von Landsleuten
in der Stadt oder Region sind hilfreich.
Laut dem Dekra-Arbeitsmarkt-Report
bevorzugen ausländische Fachkräfte
vor allem solche Städte, in denen bereits
zahlreiche Landsleute leben.
Übersicht
Wo in Deutschland arbeiten besonders
viele Spitzenkräfte, deren letzte Station
im EU-Ausland war? Dieser Frage ging
Experteer innerhalb seiner Datenbank
mit über 700.000 Karriereprofilen nach.
In diesen Dax-Unternehmen arbeiten
die meisten EU-Fachkräfte
1. Henkel
6. BASF
2. Eon
7. Thyssen-Krupp
3. Adidas
8. Beiersdorf
4. Continental
9. BMW Group
5. RWE
10. Siemens
Fachkräfte aus dem EU-Ausland sind ge-
fragt, besonders im Gesundheitswesen.
In diesen Branchen arbeiten
die meisten EU-Fachkräfte
1. Forschung, Bildung
2. Konsumgüterindustrie
3. Rohstoffgewinnung und
-bearbeitung
4. Automotive und Fahrzeugbau
5. Transport und Touristik
6. Logistik
7. Life Science
8. Elektrik, Elektrotechnik,
Ingenieurwesen
9. Produktionsindustrie
10. Maschinenbau und
Industrie­anlagen
Quelle: experteer
Deutsch zu lernen, ist den befragten
Arbeitgebern bewusst, dass sie keine
weitreichenden Sprachkenntnisse vor­
aussetzen können. Deshalb bieten sie oft
Sprachtrainings, häufig verbunden mit
sozialen Themen, an. „Unser ursprüng­
licher – zugegeben unrealistischer –
Wunschgedanke war, dass die Kandida­
ten bereits Deutsch sprechen“, erzählt
Frank Talmon l‘Armée von Nord-Süd
Hausbau rückblickend. Während des
sechsmonatigen Intensiv-Sprachkurses
reduzierte er das Arbeitspensum der EU-
Mitarbeiter daher auf 75 bis 80 Prozent.
Im Gegensatz zu den Gesundheitsbe­
rufen ist der Anspruch an die Sprach­
qualifikation in anderen Bereichen nicht
ganz so hoch: In einem Metall verarbei­