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Management
_EU-Fachkräfte
personalmagazin 12 / 13
D
er Arbeitsvertrag ist unter­
schrieben. Wer denkt, damit
sei die wichtigste Hürde be­
wältigt, der irrt. Mindestens
ebenso anspruchsvoll wie der Recrui­
ting-Prozess ist die Aufgabe, neue
Mitarbeiter aus dem EU-Ausland er­
folgreich zu integrieren und langfristig
an das Unternehmen zu binden. Einen
Einblick, welche Praxiserfahrungen
Unternehmen mit EU-Fachkräften ma­
chen und welche Faktoren die Einge­
wöhnung von Arbeitnehmern aus dem
EU-Ausland in deutschen Firmen unter­
stützen, bietet der diesjährige Arbeits­
markt-Report der Dekra-Akademie. Im
Rahmen der Studie wurden Gespräche
mit drei Arbeitsmarkt­experten sowie
Leitfaden-Interviews mit neun Perso­
nalverantwortlichen geführt. Zusätz­
lich wurden die Geschäftsführer der
Nord-Süd Hausbau GmbH, der Evan­
gelischen Heimstiftung GmbH und des
Brauereigasthofs Hotel Aying befragt.
Der Blick in die Praxis zeigt: Der Auf­
wand für die Integration ist hoch, doch
er lohnt sich.
Hauptmotiv Fachkräftemangel
Unternehmen, die aktiv im europäi­
schen Ausland rekrutieren, kommen
meist aus Branchen, in denen es be­
sonders schwerfällt, offene Stellen mit
deutschen Fachkräften zu besetzen.
Dementsprechend sind die befragten
Unternehmen vor allem im Gesund­
heitswesen, im Hotel- und Gaststätten­
gewerbe und im Maschinenbau tätig.
Von
Ulla Laux
Doch der zunehmende Fachkräfteman­
gel ist nicht bei allen Unternehmen das
Hauptmotiv für die Rekrutierung im
EU-Ausland. Der Stuttgarter Projektent­
wickler und Bauträger Nord-Süd Haus­
bau GmbH wollte beispielsweise gezielt
neue Ideen ins Unternehmen bringen.
„Gerade in der Immobilienentwicklung
wird in den nächsten Jahren Innovati­
on gefragt sein. Andere Länder haben
teils völlig andere Problemstellungen
und Ansätze in der Gebäudekonzepti­
on – hier kann man nur voneinander
lernen“, erklärt Geschäftsführer Frank
Talmon l‘Armée.
Anerkennung der Berufsabschlüsse
Im Ausland erworbene berufliche Qua­
lifikationen in reglementierten Beru­
fen müssen vor der Arbeitsaufnahme
durch eine Kammer oder eine mittlere
oder obere Landesbehörde anerkannt
werden. Zwar vereinfacht das Anerken­
nungsgesetz dieses Verfahren, aber den­
Gerne wieder EU-Fachkräfte
PRAXIS.
Ingenieure aus Spanien oder Krankenpfleger aus Italien – die Integration von
Fachkräften aus dem EU-Ausland gestaltet sich oft schwierig, doch es lohnt sich.
noch ist die Einstellung europä­ischer
Fachkräfte gerade für Arbeitgeber im
Gesundheitswesen mit einem gewissen
Aufwand verbunden.
Die Approbation von Ärzten ver­
langt beispielsweise eine Prüfung der
fachlichen Nachweise und ein Sprach­
zertifikat. Pflegekräfte können bis zur
Anerkennung im Normalfall nur als
Hospitanten oder Pflegehelfer arbei­
ten. Da die erforderlichen Sprachkurse
mit Fachbezug meist während der Ar­
beitszeit stattfinden, ergibt sich eine
zusätzliche finanzielle Belastung des
Arbeitgebers – erst recht, wenn sich die
Anerkennung verzögert.
Die Evangelische Heimstiftung in
Stuttgart kennt diesen Prozess. In ihren
78 Pflegeeinrichtungen in Baden-Württ­
emberg hat sie bereits rund 30 Bewer­
ber aus Spanien, Portugal und Italien
eingestellt. Der Integrations- und Aner­
kennungsprozess ist auf ein Jahr ange­
legt. Solange arbeiten die Mitarbeiter als
Praktikanten. Liegt das Sprachzertifikat
auf dem geforderten B2-Niveau vor, wird
der Antrag zur Anerkennung eingerei­
cht. Dabei machte der Heimbetreiber gu­
te Erfahrungen mit den Sachbearbeitern
in den zuständigen Regierungspräsidien.
Die vorgesehene Bearbeitungsfrist wird
jedoch aufgrund der Flut an Anerken­
nungsanträgen nur selten eingehalten.
Integrationsfaktor Sprache
Sprache ist ein besonders wichtiger
Faktor, um in der neuen Heimat und
am Arbeitsplatz schnell Fuß fassen zu
können. Obwohl viele Bewerber bereits
in ihrem Heimatland angefangen haben,
Der Integrations- und
Anerkennungsprozess
ist auf ein Jahr angelegt.
Doch die vorgesehene
Bearbeitungsfrist wird
aufgrund der Antrags­
flut selten eingehalten.