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Management
_EU-Fachkräfte
personalmagazin 12 / 13
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Neben den sozialen Faktoren müssen
auch die Unternehmensgröße und Kom
plexität der späteren Aufgaben berück
sichtigt werden, findet Dr. Peter Littig,
Direktor Bildungspolitik und -strategie
bei der Dekra Akademie: „Es ist wich
tig, sich im Vorfeld eingehend damit
auseinanderzusetzen, wie viele neue
Mitarbeiter auf einmal integriert werden
können.“ Mit vier Spaniern sieht bei
spielsweise Frank Talmon l‘Armée sein
Unternehmen, das insgesamt rund 50
Mitarbeiter zählt, nahezu an der Grenze.
Qualifikation und Engagement hoch
Auch wenn die meisten der befragten
Unternehmen erst auf eine vergleichs
weise kurze Erfahrung mit ausländi
schen Fachkräften zurückblicken, zie
hen sie bereits jetzt eine positive Bilanz.
Mit dem Qualifikationsniveau sind sie
sehr zufrieden. So verfügen die Pflege
kräfte und Erzieher häufig über einen
akademischen Abschluss in Pflege- oder
Erziehungswissenschaften. Darüber hi
naus beschreiben die Personalverant
wortlichen die EU-Fachkräfte als sehr
aufgeschlossen und engagiert. Positiv
vermerkt wird auch die große Bereit
schaft, die deutsche Sprache zu erler
nen und sich auf neue Arbeitsweisen
einzulassen.
Unternehmen profitieren bei der Re
krutierung im EU-Ausland aber auch von
den neuen Arbeits- und Sichtweisen, die
mit diesen Mitarbeitern ins Unterneh
men kommen. „Verschiedene Nationa
litäten in der Gastronomie sind sowohl
für das Team als auch für die Gäste eine
Bereicherung. Wir haben schon viele An
regungen unserer neuen Mitarbeiter um
gesetzt“, erzählt Angela Inselkammer.
Auch bei Nord-Süd Hausbau hat sich
der Wunsch nach „frischem Wind“ er
füllt. Bereits nach kurzer Zeit arbeiteten
die neuen Kollegen an strategischen The
men mit, entwickelten eigene Konzepte
und stellten durchaus bisherige Vorge
hensweisen infrage. „Es gibt bereits ein
konkretes Beispiel, das in Zukunft auch
eine weitreichende wirtschaftliche Be
deutung für uns haben kann“, freut sich
Talmon l‘Armée.
Nur wenige Abbrecher
Die meisten neuen Mitarbeiter sind den
Unternehmen der Befragten bis dato
treu geblieben. Doch einige Mitarbeiter
der Evangelischen Heimstiftung sind
mittlerweile in ihr Heimatland zurück
gekehrt. Meist handelt es sich dabei um
Bewerber, die direkt nach dem Studium
hier den ersten Schritt ins Arbeitsle
ben gewagt haben. Dafür hat Bernhard
Schneider Verständnis: Der Wechsel von
der Hochschule in die Arbeitswelt falle
vielen jungen Menschen schwer. Umso
mehr, wenn sie fern der Heimat neben
bei eine neue Sprache lernen und häufig
ein großes Arbeitspensum absolvieren
müssten.
In manchen Fällen ist auch das hohe
Qualifikationsniveau der Fachkräfte ein
Grund, in die Heimat zurückzugehen:
Durch die unterschiedliche Ausbildung
im Herkunftsland und in Deutschland
erwarten Bewerber in hiesigen Pflege
heimen andere Aufgabenprofile und
fühlen sich letztendlich überqualifiziert.
Speziell in Baden-Württemberg kommt
dazu, dass sie – im Gegensatz zu Bayern,
wo die Hürden gesenkt wurden – bis zum
Sprachnachweis nur als Praktikanten ar
beiten dürfen.
Nachbesserungen erwünscht
Die befragten Unternehmen wollen auch
künftig Arbeitsuchende aus anderen
EU-Ländern einstellen. Sie wünschen
sich jedoch eine weitere Verbesserung
der Rahmenbedingungen, vor allem
ein beschleunigtes und noch stärker
standardisiertes Anerkennungsverfah
ren. Das gilt insbesondere für das Land
Baden-Württemberg: Für den Pflege
heimbetreiber mit Sitz in Stuttgart stellt
das Sprachniveau B2 als Voraussetzung
für die Tätigkeit als Pflegefachkraft die
größte Hürde dar. Bernhard Schneider
fordert deshalb die Anerkennung als
Pflegefachkraft, sobald ein Arbeits
vertrag mit einem verbindlichen Plan
vorliegt, wie innerhalb eines Jahres die
erforderlichen Sprachkenntnisse nach
gewiesen werden.
Ulla Laux
ist Journalistin und Kommuni-
kationsberaterin in Augsburg.
Wie finden Unternehmen am besten passende Mitarbeiter im Ausland? Der Frage
nach den besten Recruiting-Kanälen widmete sich eine Studie von Bitkom Research.
58 Prozent der Großunternehmen haben bereits Mitarbeiter aus dem Ausland rekrutiert.
Eingestellt werden vor allem Berufseinsteiger (62 Prozent) und Young Professionals (59
Prozent). So die Ergebnisse der Studie „Migration von Fach- und Führungskräften nach
Deutschland“, die Bitkom Research im Auftrag von Linkedin durchführte. Die Befragung
von 1.409 Firmen zeigte, dass die Suche nach geeigneten Kandidaten im EU-Ausland
überraschend schnell vonstattengeht: 53 Prozent aller Unternehmen konnten geeignete
Fach- und Führungskräfte innerhalb von drei bis sechs Monaten rekrutieren. Im Nicht-
EU-Ausland kann der Prozess hingegen länger als ein Jahr dauern. Als erfolgreichste
Rekrutierungskanäle wurden die eigene Karriere-Webseite (96 Prozent) genannt, ge-
folgt von Online-Jobbörsen (82 Prozent) und spezialisierten Personalvermittlungen (74
Prozent). Auf Platz vier folgt das Business-Netzwerk Linkedin (71 Prozent) und auf Platz
fünf stehen Kontakte über ausländische Geschäftspartner (69 Prozent).
(dfu)
Schnelle Rekrutierung in Europa
Praxisbeispiel
studie