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Management
_Persönlichkeitsfragebogen
personalmagazin 12 / 13
lieren verschiedene Eigenschaften, die
Messungen weisen jeder Person auf je­
der Eigenschaft einen kontinuierlichen
Wert zu. Ein Individuum wird somit
nicht auf einen Typ reduziert, sondern
wird durch seine individuellen Werte
auf den einzelnen, voneinander unab­
hängigen Dimensionen beschrieben.
Das aktuell in der Wissenschaft do­
minierende Persönlichkeitsmodell ist
das Fünf-Faktoren-Modell (nach Paul
T. Costa und Robert R. McCrae), das
häufig auch – wissenschaftshistorisch
nicht ganz korrekt – „Big Five“-Ansatz
(unter anderem nach Gordon W. Allport
und Henry Sebastian Odbert) genannt
wird. Die Formulierung der fünf großen
Dimensionen der Persönlichkeit ist un­
ter anderem einer Analyse aller Wörter
zur Kennzeichnung von Eigenschaften
zu verdanken, die in einem Lexikon
verzeichnet waren. Dahinter steckte die
Idee, dass Eigenschaften, die für den
menschlichen Umgang bedeutungsvoll
sind, sich im Vokabular der Menschen
niederschlagen müssen.
Die Einteilung in fünf unabhängige
Dimensionen konnte zwischenzeitlich
unzählige Male weltweit empirisch be­
stätigt werden, es sind Neurotizismus,
Extraversion, Offenheit gegenüber neu­
en Erfahrungen, Verträglichkeit und
Gewissenhaftigkeit. Mit diesen Dimensi­
onen lässt sich die Persönlichkeit gut be­
schreiben. Das Modell hat integrativen
Charakter, da es möglich ist, Dimensi­
onen anderer Modelle mehr oder minder
gut dem Fünf-Faktoren-Modell zuzuord­
nen. Dies wiederum ermöglicht es, die
zahlreichen Studien zur Aussagekraft
entsprechender Fragebogen theoriege­
leitet und statistisch kontrolliert in Form
von sogenannten Meta­analysen zusam­
menzufassen und somit auf eine wirk­
lich belastbare Datenbasis zu stellen. So
konnte zum Beispiel eine Metaanalyse
zur Vorhersagekraft der Dimension „Ge­
wissenhaftigkeit“ für den Berufserfolg
239 Studien mit 48.100 Personen be­
rücksichtigen.
Eigenschaften mit Berufsrelevanz
Insbesondere Gewissenhaftigkeit und
emotionale Stabilität – die Abwesenheit
von Neurotizismus – erwiesen sich als
Prädiktor für zahlreiche berufserfolgs­
relevante Kriterien. In Bezug auf die
Führungsqualität ist zusätzlich zur Ge­
wissenhaftigkeit auch die Extraversion
bedeutsam. Für die Dimensionen „Of­
fenheit gegenüber neuen Erfahrungen“
sowie „Verträglichkeit“ ließen sich keine
generalisierbaren, sondern nur im Hin­
blick auf manche Erfolgskriterien oder
bestimmte Berufsgruppen spezifischen
Vorhersagequalitäten nachweisen.
In ihrer absoluten Höhe bleibt die
Aussagekraft von Persönlichkeitsfrage­
bogen in Bezug auf den Berufserfolg be­
schränkt und beispielsweise weit hinter
der Aussagekraft von Tests zur kogni­
tiven Kompetenz, also Intelligenztests,
zurück. Die Berücksichtigung der Gewis­
senhaftigkeit stellt aber eine gute Ergän­
zung des Einsatzes von Verfahren zur
Messung der kognitiven Kompetenz dar.
Bei der Vorhersage der Arbeitszufrie­
denheit können Persönlichkeitsdimen­
sionen im engeren Sinn der Intelligenz
sogar den Rang ablaufen.
Mit fünf Dimensionen die gesamte Per­
sönlichkeit beschreiben zuwollen bedeu­
tet zwangsläufig, dass die Dimensionen
sehr heterogen und breit gefasst werden
müssen – daher auch die Bezeichnung
„Big“ Five. Zu jeder Dimension wurden
in einem „Little Thirty“ genannten An­
satz auch sechs spezifische Facetten
formuliert, die in der Tabelle auf Seite
26 dargestellt sind. In der Fachliteratur
ist umstritten, ob die Vorhersage beruf­
licher Leistungen eher mit den breiten,
generellen Dimensionen oder aber mit
der spezifischen Beschreibungsebene
der Facetten gelingt.
Ein anderes, aktuell prominent vertre­
tenes Modell ist das Hexaco-Modell von
Lee und Ashton, welches auf den ersten
Blick hohe Ähnlichkeit zu dem Big-Five-
Modell aufweist. Der Hauptunterschied
besteht – abgesehen davon, dass statt
von Neurotizismus von Emotionalität
gesprochen wird – darin, dass ein sechs­
ter Faktor formuliert wird. Die Dimen­
sion „Ehrlichkeit und Bescheidenheit“
ist gegebenenfalls, insbesondere für die
ethische Dimension wirtschaftlichen
Handelns, relevant.
Wann welcher Fragebogen zum
Einsatz kommen sollte
Persönlichkeitsmerkmale haben eine
hohe Bedeutung für das Erleben und
Verhalten des Menschen bei der Arbeit.
Der zielgerichtete, qualifizierte Einsatz
von hochwertigen Persönlichkeitsfra­
gebogen kann dabei helfen, Mitarbeiter
weiterzuentwickeln und die Eignung von
internen und externen Bewerbern zu er­
kennen. Voraussetzung ist allerdings,
dass die befragten Personen willens und
in der Lage sind, über sich – häufig im
gedanklichen Vergleich zu anderen –
Auskunft zu geben.
Auf die Qualität von Persönlichkeits­
fragebogen werde ich in der kommenden
Ausgabe des Personalmagazins noch
ausführlich eingehen. Aber eine Qua­
litätsforderung möchte ich schon jetzt
nennen, da sie unmittelbar an die vor­
liegenden Ausführungen anknüpft: Die
Beschreibung der Persönlichkeit sollte
sich nicht an Allgemeinplätzen und Plau­
sibilitäten orientieren, sondern an einem
theoretisch und empirisch fundierten
Konzept. Das Fünf-Faktoren-Modell und
das Hexaco-Modell stellen solche Kon­
Typologien, die die
Menschen immer in
bestimmte Schubladen
einordnen, entsprechen
vom Grundprinzip her
der Einteilung in Stern­
zeichen.