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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
ren, lebten in einer anderen Zeit und ar­
beiteten auf einer anderen – in der Regel
nicht empirischen – wissenschaftlichen
Basis. Gleichwohl werden die Ideen die­
ser Autoren auch heute noch für Persön­
lichkeitsverfahren wie Insights, GPOP,
MBTI, Persolog und Thomas VPA genutzt.
Die Grundidee einer Typologie ist, dass
ein Mensch einem bestimmten Typ zuzu­
ordnen ist und somit durch bestimmte
Merkmale charakterisiert werden kann.
Danach gibt es eine begrenzte Anzahl
von Typen; ein Mensch gehört in jedem
Fall, wenn auch mit unterschiedlich
deutlicher Passung, zu einem der Typen.
De facto gibt es zahlreiche Unter­
schiede zwischen den Tausenden und
Abertausenden Menschen, die ein und
demselben Typ zugeordnet sind. Diese
Unterschiede werden aber ignoriert.
Derartige Typologien – die vom Grund­
prinzip her der Einteilung der Menschen
nach Sternzeichen entsprechen und zum
Beispiel in Form von Enneagrammen in
der Esoterik ihr Unwesen treiben – sind
bis heute sehr beliebt. Das Denken in
Schubladen kommt unserem Gehirn
entgegen, welches Komplexität nur müh­
sam verarbeiten kann. Mit dem Denken
in Schubladen kann man den geistigen
Aufwand vermeiden.
Die Menschen aber sind komplex.
Daher spielt der typologische Ansatz in
der gegenwärtigen Persönlichkeits- und
Personalpsychologie keine Rolle mehr
und ist nur noch von wissenschaftshisto­
rischem Interesse. So sind beispielswei­
se die heute auch in Strukturmodellen
verankerten Dimensionen Extraversion
mit den Polen „extravertiert – introver­
tiert“ und Neurotizismus mit den Polen
„instabil – stabil“ Weiterentwicklungen
der alten Typologien. In der Wissen­
schaft haben sich seit vielen Jahrzehnten
sogenannte Strukturmodelle oder di­
mensionale Modelle der Persönlichkeit
durchgesetzt.
Eigenschaften statt Typen
An die Stelle der Typologien sind Ei­
genschaftsmodelle getreten. Sie formu­
In Schubladen einzuordnen darf nicht Ziel von Persönlichkeitsfragebogen sein.
ment eines Menschen. Wenn wir beo­
bachten, dass ein bestimmtes Verhalten
über verschiedene Situationen mehr
oder minder immer wieder gezeigt wird,
sprechen wir dem Menschen bestimmte
Eigenschaften zu, die dieses Verhalten
begründen. So ordnen wir meist jeman­
dem, der rasch laut wird, die Eigen­
schaften Reizbarkeit oder Impulsivität
zu. Natürlich spielt auch die Situation
eine Rolle; es gibt Situationen, in denen
auch ein ausgeglichener Mensch aus der
Haut fährt. Aber über viele Situationen
hinweg beobachtet wird deutlich, dass
das Verhalten auch in der Persönlichkeit
begründet ist. Die Eigenschaftszuschrei­
bung ist eine Art Zusammenfassung un­
serer Alltagsbeobachtungen.
Eigentlich gehören auch Fähigkeiten
wie der Einfallsreichtum oder die Fähig­
keit zum logischen Denken zur Persön­
lichkeit eines Menschen. Es hat sich aber
eingebürgert, diese Fähigkeiten aus dem
Persönlichkeitsbegriff im engeren Sinne
auszuklammern.
Typolgien alten Ursprungs
Die Persönlichkeitspsychologie beschäf­
tigt sich unter anderem mit der Frage,
mit welchen Grundbegriffen die Persön­
lichkeitsstruktur beschrieben wird und
mit welchen Motiven die dynamischen
Aspekte der Persönlichkeit erfasst wer­
den können. Diese Fragen haben eine
hohe Relevanz für die Personalarbeit.
Darüber hinaus geht es in der Persön­
lichkeitspsychologie auch darum, zu
erklären, warum jemand zu einer be­
stimmten Persönlichkeit geworden ist
oder Persönlichkeitsstörungen entwi­
ckelt – dies ist aber natürlich kein Ge­
genstand der Personalarbeit.
Sehr viele Modelle entwickelt
Es gibt sehr viele Persönlichkeitsmo­
delle. Sie lassen sich unter anderem
danach unterscheiden, ob es sich um
einen sogenannten „Typenansatz“ oder
um einen „Dimensionsansatz“ handelt.
In der Vergangenheit hat man Men­
schen bestimmten Persönlichkeitstypen
zugeordnet. Eine der ersten Ideen war
es, dass die Menschen unterschiedlich
stark von den vier Elementen Wasser,
Feuer, Erde und Luft geprägt seien. Spä­
ter nahm man an, ein Mensch wäre je
nach Konstitution ein leptosomer, pyk­
nischer oder athletischer Typ oder er
sei, je nachdem, welche der Körpersäfte
vorherrschten (gelbe oder schwarze Gal­
le, Blut, Schleim), ein Choleriker, Melan­
choliker, Sanguiniker oder Phlegmatiker.
Zuletzt beschäftigten sich unter ande­
rem die Autoren C. G. Jung und W. M.
Marston mit Typologien. Diese Autoren
wurden vor über hundert Jahren gebo­