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Management
_Persönlichkeitsfragebogen
personalmagazin 12 / 13
N
icht die Talente, nicht das Ge­
schick zu diesem oder jenem
machen eigentlich den Mann
der Tat, die Persönlichkeit ist‘s,
von der in solchen Fällen alles abhängt.“
Das Zitat von Goethe – es versteht sich,
dass es für Männer wie für Frauen gilt –
findet aktuell viel Zuspruch: Qualifikation
ist nicht alles, Organisationen achten ver­
stärkt auch auf die Persönlichkeit der tat­
sächlichen oder potenziellen Mitarbeiter.
Dieser Trend zur persönlichkeitsorien­
tierten Personalarbeit wird von einem
Trend zum vermehrten Einsatz von Per­
sönlichkeitsfragebogen im Kontext der
Von
Martin Kersting
Auswahl von internem und externem
Personal sowie der Personalentwicklung
begleitet.
Dabei war es imHR-Management lange
Zeit weitgehend tabu, die Persönlichkeit
zu betonen und Persönlichkeitsfragebo­
gen einzusetzen. Angesichts der Über­
zeugung, dass menschliches Verhalten
maßgeblich von außen geprägt werden
kann – Stichwort: Trainingsmythos –,
blieben Erkenntnisse und Konjekturen
über den Beitrag von stabilen Persön­
lichkeitsmerkmalen zur Aufklärung des
Berufserfolgs und/oder der Berufszu­
friedenheit lange Zeit unbeachtet. Der
Begriff „Persönlichkeitsfragebogen“ wie­
derum war fest mit dem Formdeuten von
Persönlichkeit ist keine Typfrage
GRUNDLAGEn.
Ein Persönlichkeitsfragebogen ist ein nützliches Instrument in der Per­
sonaldiagnostik – wenn er auf wissenschaftlich abgesicherten Standards basiert.
Tintenklecksen assoziiert, um krank­
hafte Persönlichkeiten zu entdecken.
Seit etwas über zwei Jahrzehnten prospe­
riert aber die persönlichkeitsorientierte
Personalarbeit. Es ist nicht länger not­
wendig, auf Persönlichkeitsfragebogen
zurückzugreifen, die für psychopatho­
logische Fragen entwickelt wurden. Ak­
tuelle Persönlichkeitsfragebogen nutzen
berufsbezogene formulierte Fragen und
bieten Vergleichsdaten von fragestel­
lungsrelevanten Gruppen wie zum Bei­
spiel Bewerbern. Vor allem aber konnte
die Bedeutung der mit Fragebogen er­
fassten Persönlichkeitsmerkmale für
verschiedene Facetten des Berufserfolgs
sowie für die berufliche Zufriedenheit
in zahlreichen Studien nachgewiesen
werden. Dass solche Fragebogen nicht
dagegen gefeit sind, vom Testteilnehmer
verfälscht zu werden, tut der Aussage­
kraft – so der aktuelle Erkenntnisstand
– keinen Abbruch.
Unsere Alltagsbeobachtungen
zur Persönlichkeit
Werfen wir also einen genaueren Blick
auf einige Persönlichkeitsmodelle, die
den Fragebogen zugrunde liegen. Dazu
muss zunächst geklärt werden, was ei­
gentlich genau „Persönlichkeit“ bedeutet:
Wer mehr als einen Menschen näher
kennt, weiß, was „Persönlichkeit“ ist.
Verschiedene Menschen verhalten sich
in vergleichbaren Situationen unter­
schiedlich; ein und derselbe Mensch in
gleichartigen Situationen ähnlich. Dafür
ist die Persönlichkeit verantwortlich.
Gemeint sind die Werte, Einstellungen,
Interessen, Motive und das Tempera­
Neurotizismus
Extraversion
Offenheit für
Erfahrungen
Verträglichkeit
Gewissenhaftig­
keit
Ängstlichkeit
Herzlichkeit
Offenheit für
Fantasie
Vertrauen
Kompetenz
Reizbarkeit
Geselligkeit
Offenheit für
Ästhetik
Freimütigkeit
Ordnungsliebe
Depression
Durchsetzungs-
fähigkeit
Offenheit für
Gefühle
Altruismus
Pflichtbewusst-
sein
Soziale Befan-
genheit
Aktivität
Offenheit für
Handlungen
Entgegenkommen Leistungsstreben
Impulsivität
Erlebnishunger
Offenheit für
Ideen
Bescheidenheit
Selbstdisziplin
Verletzlichkeit
Frohsinn
Offenheit des
Werte- und Nor-
mensystems
Gutherzigkeit
Besonnenheit
persönlichkeitsdimensionen
Quelle: kersting
Die fünf Dimensionen der Persönlichkeit nach dem Modell der „Big Five“ lassen sich in
sechs Facetten differenzieren.