Seite 18 - personalmagazin_2013_12

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Titel
_hr-kommunikation
personalmagazin 12 / 13
D
en kurzen Dienstweg zu neh-
men, das funktioniert bei C.
A. Picard International schon
aufgrund der überschaubaren
Größe: 200 Beschäftigte arbeiten an den
deutschen Standorten Remscheid und
Monschau. Das Familienunternehmen
in fünfter Generation konstruiert, pro-
duziert und vertreibt hoch verschleiß-
feste Präzisionswerkzeuge für die
Kalksandstein-, Gießerei-, Kartonagen-,
die kunststoffverarbeitende und die
Lebensmittelindustrie, und zwar über
Europa hinaus auch in die USA, nach Ja-
pan und nach China. 13 Standorte welt-
weit hat das Unternehmen mit seinem
Stammsitz im Bergischen Land.
Ob der kurze Dienstweg unter Kollegen
oder mit Vorgesetzten in deutscher oder
englischer Sprache beschritten wird, das
hängt vom Thema ab, aber in jedem Fall
muss beinahe jeder am Stammsitz damit
rechnen, auf Mitarbeiter und Kunden zu
treffen, die kein Deutsch sprechen: die
Telefonistin in der Zentrale wie der Ma-
terialeinkäufer, der Konstrukteur wie der
Verkäufer. „Englisch ist die zweite Fir-
mensprache“, sagt Philipp Becker, Leiter
des Personal- und Sozialwesens bei C. A.
Picard. Und darauf hat das Unternehmen
mit einem ausdifferenzierten Schulungs-
konzept reagiert.
Falsche Anrede und unangemessene
Scherze vermeiden
Die Grundlage wird in Basiskursen ge-
legt, daneben gibt es Unterrichtsstun-
den zu speziellen Aufgaben wie E-Mail-
Von
Ruth Lemmer
Schreiben oder Telefonieren und zum
firmenspezifischen Wortschatz, den
Mitarbeiter zum Verhandeln mit Kun-
den und Lieferanten brauchen. Nicht
vergessen wird im Englischunterricht
der Small Talk. Denn in beinahe allen
Ländern haben Gespräche über Land,
Leute und das Wetter zur Schaffung
einer angenehmen Atmosphäre einen
höheren Stellenwert als in Deutschland.
Da eine falsche Anrede in Weißrussland,
ein unangemessener Scherz in den USA
oder eine Hierarchie-ignorierende Äuße-
rung in China die Stimmung verhageln
kann, werden kulturelle Besonderheiten
gleich mit abgehandelt.
Vor das Sprachtraining hat die Fir-
menleitung den Einstufungstest gesetzt.
Schließlich geht es ums Geschäft, auch
wenn das Lernvergnügen nicht zu kurz
kommen soll. Die Mitarbeiter, die ge-
meinsam an einem Kurs teilnehmen,
sollten in etwa den gleichen Leistungs-
stand besitzen. „Wenn jemand sich zu
einem Kurs anmelden will und so Inte-
resse zeigt, dürfen Sie nicht zu restriktiv
vorgehen“, meint Becker, der ein posi-
tives Lernklima für alle Gruppen schaf-
fen will. „Ob Schulungen in Excel, Word
und Powerpoint oder eben in Englisch,
wir sind da großzügig, was die Teilneh-
mer angeht, und haben bisher keinen
Missbrauch erlebt.“ Der Vorgesetzte fragt
im Zweifel kurz nach, wozu jemand Eng-
lisch benötigt – hier nimmt die Weiterbil-
dung wiederum den kurzen Dienstweg.
Wäschewaschen in Sotschi:
Nur mit Englischkenntnissen
Pragmatismus regiert auch im ostwest-
fälischen Vlotho. Dort ist der Hauptsitz
der Herbert Kannegiesser GmbH, dem
Spezialisten für industrielle Wäsche-
reitechnik, dessen Geschäftsführer, der
ehemalige Gesamtmetallpräsident Mar-
tin Kannegiesser, das Familienunterneh-
men in der zweiten Generation führt.
Zwei Drittel der Produkte gehen ins Aus-
land. Ein Paradebeispiel wird gerade im
Winterolympiaort Sotschi gebaut: eine
Wäscherei auf der grünen Wiese. Wenn
das Gebäude steht und die Waschröhren
installiert sind, kann der Lkw mit der
Schmutzwäsche kommen, sie wird ge-
waschen, entwässert, vorgetrocknet, ge-
trocknet, gefaltet – und kann frisch und
sauber wieder auf den Lkw.
Bei solchen Großaufträgen auf die
deutsche Sprache zu setzen würde die
Internationalisierung torpedieren. Des-
halb bringt der Mittelständler mit welt-
weit 1.300 Mitarbeitern seinen rund
Unternehmenswaffe Englisch
Praxis.
Mit der Internationalisierung wird die englische Sprache in vielen deutschen
Unternehmen ein Muss. Wie die Unternehmen den Sprachwechsel umsetzen.
„Ob Schulungen in Excel, Word oder
Englisch, wir sind großzügig und haben
bisher keinen Missbrauch erlebt.“
Philipp Becker, Leiter Personal- und Sozialwesen bei C. A. Picard