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Titel
_hr-kommunikation
personalmagazin 12 / 13
K
ommunikation spielt mit dem
Selbstbild, den Träumen, Ide-
alvorstellungen, Lebensge-
wohnheiten und dem Humor
ihrer Zielgruppen, um sie im Innersten
packen zu können. Dieser Mechanismus
greift auch beim Personalmarketing
und unterscheidet sich gar nicht so sehr
von dem für Produkt- und Markenwer-
bung. Denn Entscheidungen – auch die
scheinbar rational fundierten – werden
in hohemMaße aus dem Bauch getroffen
und dann entsprechend rationalisiert.
Allerdings funktioniert der Bauch
nicht in jedem Kulturkreis identisch. Ob
San Francisco, Stuttgart oder Shanghai:
Wir kleiden und schminken uns anders,
haben eine Streit- oder Konsenskultur,
empfinden das Zeigen von Gefühlen als
Stärke oder Schwäche, finden es höflich
oder zudringlich, demGesprächspartner
in die Augen zu schauen, erachten Hie-
rarchien als positiv oder hinderlich.
Viele Herangehens-, Verhaltens- und
Sichtweisen unserer eigenen Kultur mö-
gen uns als logischer Standard erschei-
nen. Das Problem: Auf der anderen Seite
der Kulturbarriere gibt es Standards, die
innerhalb des anderen Systems genauso
logisch sind. Erschwerend kommt hinzu,
dass uns unsere eigenen Denkmuster in
Fleisch und Blut übergegangen sind.
Diese unterbewusste Programmierung
macht es sehr schwer, die von uns ge-
fühlte Wahrheit zu relativieren oder gar
infrage zu stellen.
Die systematische Auseinanderset-
zung mit interkulturellen Aspekten ist
Von
Mike Münch
daher ein essenzieller Teil des Erfolgs-
rezepts global agierender Unternehmen.
Angefangen bei der Anbahnung von
Joint Ventures und Beteiligungen über
Fusionen bis hin zur Verschmelzung von
Unternehmenskulturen: Ohne ein soli-
des Verständnis der Unterschiede und
zielführende Strategien geht es nicht –
auch nicht in der HR-Kommunikation.
Interkulturelle Trainings schärfen das
Bewusstsein für die kulturbedingten
Unterschiede bei Kooperationsstil,
Entscheidungsfindung, Führungsstil,
Kommunikationsverhalten et cetera und
verbessern so die Handlungskompe-
tenzen. Unbestritten ist die Bedeutung
eines exakten Zielgruppenverständ-
nisses auch in der Marketingkommu-
nikation: Ohne eine auf die diversen
weltweiten Märkte angepasste Anspra-
che lassen sich lokale Absatzpotenziale
nicht effizient heben.
Deutsche Köpfe ersinnen Konzepte
Doch was im Marketing schon lange
bekannt ist, scheint in der HR-Kommu-
nikation und beim Employer Branding
noch eher die Ausnahme zu sein: die
systematische Einbeziehung interkul-
tureller Kompetenz. Noch viel zu häufig
werden Kommunikationskonzepte für
deutsche Unternehmen allein von deut-
schen Köpfen ersonnen. An die interna-
tionalen Zielmärkte wird oft erst ganz
Das Adaptivkind
Praxis.
Internationale HR-Kommunikation erfordert mehr als wörtliche Übersetzung:
Personaler müssen sowohl die Landes- als auch die Firmenkultur berücksichtigen.
Karriere-Websites in China müssen bunt und verspielt sein - wie hier die Site
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