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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
und den deutschen Standorten. Und zum
anderen rekrutieren wir immer interna-
tionaler. Wir gehen auch im Ausland auf
Karrieremessen, kooperieren mit Hoch-
schulen und schreiben jede Stelle auch
in Englisch aus.
personalmagazin:
Wie verhindern Sie, dass
Sie an jedem Standort, auf jedem Markt
die Personalwelt neu erfinden müssen?
Andree:
Wenn wir neue Standorte aufbau-
en, so wie derzeit unser Werk in Brasi-
lien, dann haben wir eine Art Blueprint
für den Personalaufbau. Das ist eine
sehr gute Basis, um schnell eine funk-
tionierende Organisation zu schaffen.
Entscheidend ist aber auch, dass dieser
Blueprint passgenau an die Anforderun-
gen des jeweiligen Standorts und Landes
adaptiert wird. Hier gibt es in der Tat
große Unterschiede. Das fängt bei den
gesetzlichen Rahmenbedingungen an,
geht über die Verfügbarkeit und Qualifi-
kation der potenziellen Mitarbeiter und
betrifft sehr stark auch die kulturellen
Aspekte wie etwa Motivationsfaktoren.
Wichtig ist deshalb, sich schon sehr früh
mit allen Aspekten dieses neuen Stand-
orts zu beschäftigen.
personalmagazin:
Demografischer Wandel,
Internationalisierung, Gesundheitspoli-
tik. Kann man sagen, dass die Personal-
arbeit zerfleddert?
Andree:
Nein, ganz sicher nicht. Das sind
alles Themen, die heute zur Personalar-
beit dazugehören. Sie ist anspruchsvoller
geworden, hat aber auch an Bedeutung
gewonnen. Personalarbeit ist kein freies
Radikal, sie ist fester Bestandteil eines
Unternehmens. Und so, wie sich dieses
immer wieder verändern muss, um in
Zukunft zu bestehen, so muss sich auch
die Personalarbeit verändern. Unser An-
spruch ist es, nicht Problemen hinterher-
zulaufen, sondern frühzeitig Trends zu
erkennen und selbst zu setzen. In einem
innovativen Unternehmen sehen auch
wir Personaler uns als Trendsetter.
Das Interview führte
Ruth Lemmer.
heute und in Zukunft viel mehr IT-Profes-
sionals als in der Vergangenheit. Tradi-
tionell sind aber für Softwareentwickler
Arbeitgeber wie Microsoft, Google oder
SAP die Traumadressen und noch nicht
BMW. Doch genau das wollen wir ändern.
personalmagazin:
Wie wollen Sie das än-
dern unter dem Druck, dass der Nach-
wuchs anders als in den vergangenen
Jahren die freie Auswahl hat?
Andree:
Wir treten heute schon sehr viel
früher mit Schülern und Studierenden in
Kontakt, kooperieren mit Hochschulen,
entwickeln attraktive Nachwuchs- und
Einstiegsprogramme und vieles mehr.
Wichtig dabei: Wir sprechen die Sprache
der Zielgruppe und öffnen uns für den
Dialog. Zum Beispiel auf Facebook, das
zu einem unserer wichtigsten Personal-
marketingtools geworden ist. Mit über
150.000 Fans sind wir dort Branchenfüh-
rer unter den Karriereauftritten. Doch
nichts ist so sicher wie der demografische
Wandel, deshalb wird Personalmarketing
allein nicht ausreichen, um langfristig
den Fachkräftebedarf zu sichern. Wir
müssen uns Ressourcen erschließen, die
bisher nicht ausreichend genutzt wur-
den. Ein ausgewogenes Verhältnis der
Geschlechter, eine gute Altersdurchmi-
schung und mehr kulturelle Vielfalt sind
hier die wichtigsten Themen.
personalmagazin:
Was die Ausgewogenheit
der Geschlechter angeht, verhandeln
CDU/CSU und SPD in ihren Koalitionsge-
sprächen gerade über die Quote.
Andree:
Wir brauchen eine Frauenförde-
rung, aber definitiv keine Quote. Denn
wir müssen auch die Männer fördern.
Junge Paare wollen sich nicht zwischen
Beruf oder Familie entscheiden, sondern
wollen beides – was auch gut ist. Und
wenn wir sie als Mitarbeiter haben und
halten möchten, dann müssen wir ihnen
die richtigen Angebote machen. Zum
Beispiel individuelle Arbeitszeitmodelle
– wir haben rund 300 davon. Betreuung
spielt ebenfalls eine Rolle. Gerade haben
wir eine Kita in München eröffnet, wo es
jetzt über 400 arbeitsplatznahe Kinder-
betreuungsplätze gibt. Wir unterstützen
Familienpflegezeiten für ältere Angehöri-
ge und haben eine Familienpflegehotline
eingerichtet. Wir zahlen in unterschied-
liche Kanäle ein, investieren in alle Al-
tersgruppen. Am Ende des Tages geht es
darum, dass die Mitarbeiter wissen, dass
sie im richtigen Unternehmen sind und
hier ihre volle Leistung bringen können.
personalmagazin:
Schon 2007 hat Ihr
Vorgänger Harald Krüger altersgerechte
Arbeitsplätze eingerichtet. Treiben Sie
dieses Thema weiter voran?
Andree:
Wir können den demografischen
Wandel nicht aufhalten, aber wir können
ihm aktiv begegnen. Und das müssen
wir, wenn wir langfristig wettbewerbsfä-
hig bleiben wollen. Deshalb war es eine
vorausschauende Entscheidung, schon
2007 mit „Heute für Morgen“ die Wei-
chen zu stellen. Ich treibe dieses Thema
weiter voran. Inzwischen profitieren in
der Produktion schon über 10.000 Mit-
arbeiter von ergonomisch optimierten
Arbeitsplätzen und noch viele mehr von
Gesundheits-, Vorsorge- und Sportan-
geboten. Wir wollen keinen Mitarbeiter
und keine Mitarbeiterin verlieren – in
keinem Lebensalter.
personalmagazin:
Wie international rekru-
tieren Sie Ihren Technik- und Führungs-
kräftenachwuchs?
Andree:
Wir wollen an unseren deut-
schen Standorten mehr internationale
Mitarbeiter, vor allem in den Bereichen,
in denen wir die Kompetenz für die in-
ternationalen Märkte brauchen. Wir
verkaufen inzwischen über 80 Prozent
unserer Fahrzeuge außerhalb Deutsch-
lands. Da ist es wichtig, dass wir uns in
der Entwicklung, im Design oder auch
im Vertrieb Impulse von außen holen.
Das geht am besten mit Mitarbeitern, die
die internationalen Kunden, ihre Kultur
und ihre Anforderungen kennen, weil
sie selbst aus diesen Ländern kommen.
Deshalb fördern wir zum einen den Aus-
tausch zwischen unseren ausländischen