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szene
_Personalstrategie
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bei uns ein Pilotprojekt, mit dem wir
mobiles Arbeiten erproben. Ich meine
damit nicht die alte Telearbeit, sondern
Selbstbestimmung im größeren Maße. In
einem eigenen Gebäude in München ar-
beiten unsere Mitarbeiter in ganz neuer
Art und Weise zusammen. Etwa unsere
Bauabteilung. Die Mitarbeiter haben kei-
ne festen Arbeitsplätze, sondern setzen
sich so zusammen, wie sie gerade an
Projekten arbeiten. Es gibt Konferenz-
tische mit integrierten Bildschirmen, auf
denen sich beispielsweise asiatische und
amerikanische Kollegen zuschalten kön-
nen. Die Arbeitsorte verteilen sich über
die ganze Welt. Und die Zeiten, zu denen
man konferiert, liegen in der Schnitt-
menge der Zeitzonen. Hier bringen wir
das Bedürfnis nach mehr Individualität,
moderne Kommunikationsmöglichkeiten
und betriebliche Anforderungen optimal
in Einklang. Gleichzeitig steigern wir so
die Arbeitgeberattraktivität.
personalmagazin:
Wen wollen Sie damit
gewinnen, welche High Potentials sind
spannend für Sie?
Andree:
Wir brauchen weiterhin die besten
Ingenieure, Betriebswirte und Facharbei-
ter. Aber in unseren Autos spielt heute
zum Beispiel auch Software eine immer
größere Rolle. Die Kundenwahrnehmung
wird mehr und mehr durch Kommuni-
kations- und Fahrerassistenzsysteme
geprägt. Und unsere Kunden sind – ge-
nau wie unsere Mitarbeiter – sehr tech-
nikaffin. Deshalb müssen wir uns als
Premiumhersteller hier vom Wettbewerb
differenzieren und entwickeln unsere
Software inhouse. Dafür brauchen wir
„Wir wollen Trendsetter sein“
INTERVIEW.
BMW-Vorstandsmitglied Milagros Caiña-Andree will Mitarbeiter aller
Altersgruppen davon überzeugen, dass sie bei der BMW Group richtig sind.
personalmagazin:
Als Sie im Juli 2012
bei der BMW Group die Verantwortung
für das Personal- und Sozialwesen
übernahmen, stand der Autobauer in
den Arbeitgeberrankings bereits in der
Spitzengruppe. Können Sie trotzdem
noch etwas bewegen oder müssen Sie vor
allem bewahren?
Milagros Caiña-Andree:
An der Spitze zu
bleiben ist eine größere Herausforderung
als an die Spitze zu kommen. Um das
hohe Level zu halten, müssen Sie sich
bewegen, die eigene Arbeit beständig
hinterfragen, Gegebenes verändern und
weiterentwickeln. Auch das Umfeld ent-
wickelt sich und das derzeit besonders
stark. Diese Veränderungen strategisch
zu bewerten und in der täglichen Arbeit
praktisch umzusetzen, das ist heute eine
Kernaufgabe der Personalarbeit.
personalmagazin:
Welche Umwälzungen
bahnen sich für Sie als Personalerin an?
Andree:
Es sind zum Beispiel die Anforde-
rungen der Bewerber, die sich wandeln.
Mit der Generation Y haben wir heute
Bewerber, die sich unter anderem sehr
stark über soziale Netzwerke definieren
und sich durch spielerisches Umgehen
mit digitalen Medien auszeichnen. Da-
durch entsteht eine andere Art der Kom-
munikation. Sie haben aber auch einen
höheren Anspruch an Individualität.
Das ist ein weltweiter Trend. Für den
Young Professional von heute, morgen
und erst recht von übermorgen ist es
nicht nur entscheidend, wie er arbeitet,
sondern auch, wo und wann. Das mag
sich trivial anhören, hat aber erhebliche
Auswirkungen auf die Organisation der
Zusammenarbeit. Früher stand eher das
Bedürfnis nach Stabilität und einem Ord-
nungsrahmen im Vordergrund. Heute ist
es für junge Menschen wichtig, Freizeit
und Beruf in Einklang zu bringen. Des-
halb wollen sie selbst entscheiden, wann
und wo sie zum Beispiel ihre Mails bear-
beiten. Das meine ich mit Individualität.
personalmagazin:
Erschwert dieser Wunsch
nach mehr Individualität das Erreichen
Ihrer Unternehmensziele?
Andree:
Die Veränderungen müssen nicht
im Widerspruch zu unseren Zielen ste-
hen. Denn auch als Unternehmen müs-
sen wir uns verändern. Zurzeit läuft
Milagros Caiña-Andree
kam 2012 von
der Deutschen Bahn zur BMW Group – als
Arbeitsdirektorin und Vorstand Personal-
und Sozialwesen, Bau, Instandhaltung und
Gastronomie.
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