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ONLINE-INSERATE
Auch Stepstone veröffentlicht seine
eigenen Jobofferten als Stellenanzeige
Plus. Das Ergebnis: „Über die Stellen-
anzeige Plus hatten wir mehr Bewerber,
was wir meiner Meinung nach auf das
neue Format zurückführen können“, sagt
Sascha Theisen Er sieht interaktive In-
serate nicht nur als technische Spielerei
an, sondern rechnet damit, dass sie sich
schnell inder Praxis durchsetzenwerden,
denn der Bedarf der Firmen, mehr über
ihre Arbeitgeberqualitäten zu vermitteln,
sei da. „Außerdem haben die meisten Un-
ternehmen inzwischen verinnerlicht, wie
wichtig Employer Branding ist.“
Die Pioniere
Die ersten Unternehmen, die diesen Be-
darf sahen, waren Kienbaum Commu-
nications und Jobware, die 2011 nach
umfangreichen Labor- und Feldtests die
Job-Ad 2.0 entwickelten. Fünf Grundkon-
zepte wurden erstellt, die für jede Firma
individuell angepasst werden. Schon der
Feldtest hatte ergeben, dass das neuar-
tige Format mehr Kandidaten dazu inspi-
riert, das Feld „Bewerben“ anzuklicken.
„Doch mehr Bewerbungen zu generieren
ist nicht das alleinige Ziel der Job-Ad 2.0“,
erklärt Jobware-Vertriebsleiter Dr. Ulrich
Rust. Auch die Verweildauer der Nutzer
auf der Anzeige sei deutlich höher als bei
der „Stellenanzeige 1.0“. Folglich erfülle
die neue Anzeige ihr Ziel, mehr Aufmerk-
samkeit zu generieren und bessere Infor-
mationen bereitzustellen, meint er.
Die Job-Ad 2.0 ist wie die meisten neu-
en Formate nicht für mobile Endgeräte
optimiert, kann dort aber betrachtet wer-
den. „Wir sind der Überzeugung, dass
mobile Endgeräte eigene Formate brau-
chen“, sagt Dr. Ulrich Rust, der für das I-
Pad eine weitere Entwicklung parat hat,
die Pad-Ad. Diese kann dieMöglichkeiten
des Tablets wie Bewegungssensor, Kom-
pass und Wisch-Gesten nutzen. Denkbar
ist etwa, dass Firmen kleine interaktive
Denk- oder Knobelspiele einbauen, um
die Tüftler unter den Bewerbern anzu-
ziehen. Auch hier gilt: Die technischen
Möglichkeiten sind da, nun ist die Kre-
ativität der Firmen gefragt, originelle
Inhalte bereitzustellen. Jobware hat eine
eigene Stellenanzeige entworfen, in der
Bewerber-Silhouetten aus dem Firmen-
CI den Anzeigentext überdecken, bis sie
mit der Hand zur Seite geschoben wer-
den. „Das ist vielleicht noch nicht die
ganz große Kreativität, zeigt aber, was
relativ einfach umsetzbar wäre“, sagt Dr.
Ulrich Rust.
Die Kosten
Natürlich ist eine interaktive Anzeige
teurer als ein traditionelles Onlinein-
serat. Matthias Mäder nennt 5.000
Schweizer Franken einmalige Entwick-
lungskosten für Kunden, die das „Mul-
tiposting Tool“ bereits nutzen. Christian
Hagedorn geht davon aus, dass die Kos-
ten zehn bis 20 Prozent über denen der
normalen Inserate liegen. Die Stellen-
anzeige Plus bei Stepstone kostet rund
30 Prozent mehr als die individuelle An-
zeige. Und die Job-Ad 2.0 liegt rund 25
Prozent über den Preisen für die tradi-
tionelle Anzeige. Ähnlich wird das auch
bei der Pad-Ad aussehen.
Doch diese Kosten werden sich durch-
aus rechnen und deshalb schnell vom
Markt akzeptiert, davon sind die An-
bieter überzeugt. Inwieweit die neuen
Formate die bisherigen Onlineanzeigen
ablösen werden – dazu gibt es geteilte
Meinungen. Während die einen erwar-
ten, dass in einigen Jahren kaum noch
„Stellenanzeigen 1.0“ zu sehen sein wer-
den, nehmen andere an, dass die tradi-
tionellen Anzeigen weiter in der Masse
Bestand haben werden und die neuen
Formate vornehmlich bei schwierig zu
besetzende Positionen genutzt werden.
Und es gibt auch noch ganz ande-
re Meinungen: „Die meisten Bewerber
wollen gar keine Interaktivität“, sagt
Stefan Kölle, Geschäftsführer von Stel-
lenanzeigen.de. Das hatte das Jobportal
in einer Umfrage herausgefunden. Für
die Optimierung einer Stellenanzeige
sieht Stefan Kölle daher einen anderen
Ansatzpunkt: Eine bessere Positionsbe-
zeichnung und Verschlagwortung. „Die
Firmen müssen bei der Suchtechnologie
anfangen, damit ihre Anzeige überhaupt
in den Trefferlisten gefunden und ange-
klickt wird“, sagt er. Denn anders als
in der Zeitung wirke die Onlineanzei-
ge nicht durch ihre Bilder oder Farben,
sondern erscheine zunächst in einer Er-
gebnisliste in Konkurrenz mit anderen
Anzeigen. Stefan Kölle: „Wir müssen un-
sere Kunden darauf hinweisen, wie sie
ihre Anzeigen optimieren können.“
Ähnlich sieht das Bernd Kraft, Ge-
schäftsführer von Monster Deutschland:
„In Zeiten des Fachkräftemangels sollten
Arbeitgeber einen vermehrten Fokus auf
die Gestaltung ihrer Stellenangebote le-
gen. Eine Möglichkeit ist die multimedi-
ale Aufbereitung der Stellenanzeigen und
die visuelle Erweiterung durch grafische
Elemente oder Videoeinbettung.“ Aber
nicht immer müsse alles umgesetzt wer-
den, nur weil es technisch möglich sei.
Wichtig sei, dass alle Basisinformationen
zur Stelle vorhanden sind und dass die
Anzeige auf die gewünschte Zielgruppe
ausgerichtet ist. Gerade wenn es um die
Ansprache von Zielgruppen geht, an de-
nen es am Markt mangelt, setzt das „Job
Board“ stark auf Beratung. Dazu Bernd
Kraft: „Da ein ganzheitlicher Ansatz in
der Zielgruppenansprache entscheidend
ist, kann die Umsetzung nicht nur die
Gestaltung von Stellenanzeigen, sondern
auch von ‚Landing Pages‘ oder Karriere-
Webseiten umfassen.“
Die Meinungen sind geteilt: Manche erwarten eine
starke Verbreitung der interaktiven Inserate, ande-
re sagen: „Bewerber wollen keine Interaktivität.“