13
PORTRÄT
SZENE
06 / 12 personalmagazin
Skills nicht helfen, wenn Mitarbeiter
an körperlicher oder psychischer
Überlastung leiden. Und natürlich die
Karrieresysteme, weg von klassischen
Karrieren hin zu mehr Projekt- und
Expertenlaufbahnen. Für die qualita-
tive Personalplanung, gebe ich uns die
Note 2 minus – als Schwabe ist man ja
nie zufrieden.
personalmagazin:
Der dritte Punkt ist
sicher die Frauenquote.
Sattelberger:
Ja. Das war eine Interven-
tion ins Kulturgefüge, wie ich sie so
noch nicht getätigt habe. Noch dazu
mit all den Debatten innerbetrieblich,
aber auch den Wellen, die das Thema
gesellschaftlich ausgelöst hat – zum
Glück. Wir selbst sind da gut voran-
gekommen: Seit Mitte 2010 hat sich
die Zahl der Frauen in Führungspo-
sitionen von absolut 19 auf über 25
Prozent erhöht. Auch bei Vorstand
und Aufsichtsrat liegen wir auf der
Zielgeraden.
personalmagazin:
Manager sprechen gerne
ihre Erfolge an, verschweigen aber die
Misserfolge. Was waren Ihre?
Sattelberger:
Das sind zwei Themen, die
eng miteinander verwoben sind. Ich
hatte die Hoffnung, dass die Perso-
nalarbeit der Telekom signifikant
stärker auf das Thema Servicekultur
Einfluss nehmen kann. Wir sind zwar
über die Jahre besser geworden, aber
immer noch nicht toll. Das ist eine
persönliche Enttäuschung – auch über
mich. Der zweite Misserfolg: In einem
Dienstleistungsunternehmen muss
Führung eine ausgeprägt dienende
Komponente haben und nicht als
Positionsmacht gelebt werden. Unsere
Befragungen zeigen, dass sich das
etwas verbessert hat. Aber ein breites
Verständnis ist noch nicht Bestandteil
der Unternehmenskultur. Ich habe Ti-
telebenen rausgenommen, Epauletten
gestrippt, Parkplätze und Telefonnum-
mern – die Hierarchien signalisieren –
gekappt. Auch beim Vorstand. Ohne
durchschlagenden Erfolg. Da habe
ich mich schon gefragt: War ich zu
radikal, war ich zu oberflächlich, war
der Ansatz falsch? Offensichtlich habe
ich das nicht hingekriegt.
personalmagazin:
Sie haben fünf Jahre
lang Energie in die Personalarbeit bei
der Telekom investiert. Was bleibt au-
ßer Frauenquote und Personalplanung?
Sattelberger:
Eine reformierte Personal-
funktion mit herausragenden Profis.
Das ist die dritte Personalfunktion,
die ich nach Lufthansa und Conti
gedreht habe. Ich selbst bin ja zutiefst
HR-Profi und habe den Anspruch,
kraftvolle, talentreiche und strate-
gische HR-Einheiten zu formen. Als
Charismatiker kannst du Frauenquo-
ten, freiheitsförderndes Talentma-
nagement oder Augenhöhe mit dem
Geschäft verkünden. Aber das hilft
ja nichts. Du brauchst eine kraftvolle
HR-Funktion, die die Themen versteht
sowie umsetzen kann und will. Aber
auch im Personalservice selbst hat’s
geklappt. Die Sanierung und anschlie-
ßende Erzielung von Top-Qualität
unserer Serviceeinheit PST beispiels-
weise ist nachhaltig gelungen.
personalmagazin:
Das Manager Magazin
schreibt, Sie seien einer von Deutsch-
lands bedeutendsten Personalmana-
gern. Wie wird man das?
Sattelberger:
(Pause) Indem man sich
nicht duckt. Vor starkem Widerstand,
vor unziemlichen Ansagen, vor obrig-
keitsstaatlichem Gehabe.
personalmagazin:
Lernt man das oder
muss man das haben? Schon in der
Jugend haben Sie den Aufstand geprobt
und radikale Parolen vertreten. Braucht
„Als Schwabe ist man nie zufrieden“
–
Thomas Sattelberger, seit Kurzem im Unruhestand.
© STUDIO LOSKE