47
GESUNDHEITSMANAGEMENT
ORGANISATION
12 / 11 personalmagazin
Die Kooperation zwischen Unterneh-
men und Krankenkassen hängt von
vielen Faktoren ab. Zum einen ist ent-
scheidend, wie stark die Position der
einzelnen Kassen im Unternehmen ist.
Dies ist von der Mitgliederanzahl der
Kassen innerhalb der Mitarbeiterschaft
abhängig. Einen wesentlichen Vorteil
haben diejenigen Konzerne, die über ei-
ne eigene Betriebskrankenkasse (BKK)
verfügen. Die BKK haben zwar durch die
Öffnung an Einfluss im Unternehmen
verloren, dennoch sind in nicht wenigen
Betrieben noch immer mehr als die Hälf-
te der Mitarbeiter über sie versichert. Für
die Akteure des Gesundheitsmanage-
ments ist dies ein klarer Vorteil, sie pro-
fitieren von umfangreichen Leistungen
und einer gemeinsamen Planung. Die
Betriebskrankenkassen sind besonders
eng eingebunden, sie kennen das Un-
ternehmen und übernehmen teilweise
auch selbst maßgeblich Steuerungs- und
Leitungsfunktion in Abstimmung mit
der Personalabteilung. Diese Kompen-
sation fehlender betrieblicher Gesund-
heitsstrukturen und -kompetenzen ist in
der Tradition und im Selbstverständnis
vieler BKK verankert. In dem Maße aber,
in dem betriebliche Gesundheit an stra-
tegischem Gewicht gewinnt, zeigt sich,
dass Gesundheit als Führungsthema in
den Unternehmen angesiedelt wird.
Wettbewerb fördert Innovationen
Fehlt eine Betriebskrankenkasse, so er-
streckt sich die Zusammenarbeit oft auf
einzelne Aktionen und Events, ist also
eher kurzfristiger Natur. „Die betrieb-
lichen Gesundheitsmanager stehen vor
der Herausforderung, die Angebote der
Kassen zu erfassen, zu vergleichen und
diese zur Erreichung der eigenen Ge-
sundheitsziele zu nutzen“, so Henssler.
DerWettbewerbderKassenumdie besten
Konzepte hat dabei in den vergangenen
Jahren zu einer Vielzahl innovativer Pro-
jekte und Angebote beigetragen.
Ein Ziel der Kassen ist es, von Ad-hoc-
Aktionen zu langfristigen Kooperationen
zu kommen, deren Inhalte dann von eige-
nen Beratern auf das Unternehmen ange-
passt werden. Auffälig ist hier der Trend
zu Exklusivkooperationen mit einzelnen
Kassen. Je nach Kasse und Verhand-
lungsgeschick des Unternehmens ent-
stehen hier sehr unterschiedliche, teils
über mehrere Jahre angelegte Projekte.
Die besten Strategien haben den struk-
turierten Aufbau eigener betrieblicher
Gesundheitskompetenzen zum Ziel.
Strategiefindung und Planung
Auch die Leistungen der Krankenkassen
sind unterschiedlich. Im Vordergrund
steht vielfach Beratung und Information
(vergleiche Grafik). 75 Prozent der Be-
fragten erhalten Daten und Statistiken,
die sogenannten Gesundheitsberichte,
zu Fehlzeiten und Indikationen. Diese
Berichte geben einen Überblick über die
gesundheitlichen Belastungen der Mit-
arbeiter. „Die Machart und Qualität der
Gesundheitsberichte ist von Kasse zu
Kasse sehr unterschiedlich, weshalb vor
Beauftragung Klarheit über die Inhalte
und Art der Aufarbeitung der Daten be-
stehen muss“, warnt Benjamin Klenke,
Senior Manager bei EuPD Research.
Bei knapp 70 Prozent der Betriebe be-
teiligen sich die Kassen finanziell an An-
geboten des Gesundheitsmanagements.
Inder Praxis findet sichhier eineVielzahl
verschiedener Aktionen und Kurse. In
den Steuerungskreis „Gesundheit“ bin-
det die Hälfte der Unternehmen eine
Krankenkasse ein, meist ein Indiz für
eine langfristige strategische Zusam-
menarbeit.
Die Kooperation mit Krankenkassen
bietet also viele Vorteile. Zu Problemen
kann es kommen, wenn Krankenkas-
sen ihre Herangehensweise oder ihr
Leistungsportfolio den Unternehmen
aufzwingen wollen. Ein immer größeres
Selbstbewusstsein bei der Implemen-
tierung eines BGM lässt die Konzerne
daher eine Kasse bevorzugen, die sich
ihrem Konzept anpasst und die Mitglie-
derwerbung in den Hintergrund stellt.
Auch hier gilt es, die Konzepte der Kran-
kenkassen zu vergleichen und die an-
gebotenen Leistungen bestmöglich im
Sinne der Mitarbeiter einzusetzen.
ist Communications-
Manager bei
EuPD Research.
Carolin Müller
Leistungen der Krankenkassen für Betriebe
Finanzielle Unterstützung und Know-how sind die begehrtesten Angebote der Kranken-
kassen im betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Quel le: EuPD Research 2010
Beratung, Planung und Strategie
Daten und Statistiken zu Fehlzeiten
83,5
74,8
Finanzielle Beteiligung an Angeboten
Einbindung über Steuerungskreis
68,5
44,9
Veranstaltungen/Gesundheitstage
Beratung der Mitarbeiter
16,5
5,5
Hilfe bei Sprachbarrieren
Sonstiges
1,6
2,4
Angaben in Prozent; n = 127