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TITEL
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MOBILE ARBEITSWELT
Tablet-PC sind keine Seltenheit mehr in den Unternehmen. Doch selten ist ein Training dafür vorgesehen.
die Brücke zwischen privatem Interesse
und professionellem Einsatz zu schlagen.
Er hat festgestellt: „Häufig ist die Frage,
ob mobile Endgeräte im Business einge-
setzt werden, managementgetrieben. Das
heißt, der Boss findet das Smartphone
oder den Tablet-PC cool und möchte diese
Geräte im Unternehmen einsetzen.“
Kleineren und mittelständischen Un-
ternehmen falle es oft leichter, neue mo-
bile IT in bestehende IT-Infrastrukturen
mit einzubinden. Oft kämen die Chefs
zuerst ins Seminar und schickten hin-
terher ihre Mitarbeiter. Allerdings: „Ich
hatte bis jetzt immer hoch motivierte
Teilnehmer“, sagt Jekel.
Einer der Gründe hierfür liegt sicher
in dem allgemeinen Hype, den das erste
iPhone ausgelöst hat. Gerade diese neuen
Geräte sind sehr benutzerfreundlich und
intuitiv zu bedienen. Dennoch warnt Je-
kel: „Sehr EDV-affine Anwender können
sich diese Geräte auch selbst erschlie-
ßen, aber bei den mobilen Geräten ist es
wie zum Beispiel bei Excel. Die meisten
Anwender nutzen nur fünf Prozent der
verfügbaren Funktionen und schöpfen
somit das Produktivitätssteigerungspo-
tenzial dieser Technik nicht aus.“
Arbeitgeber, die den Trainingsbedarf
erkannt haben, müssen aber meist Zeit
investieren, um ein passendes Angebot
zu finden. Seminare zu Social Media gibt
es wie Sand am Meer. Spezialisten, die
Apple- oder Blackberry-Anwendungen
praxisnah schulen, müssen erst gefun-
den werden. Einen gewissen Überblick
bietet das Portal „it-fortbildung.com“,
das von der Evolvem IT Services GmbH
in Hamburg betrieben wird.
Begeisterung für neue Geräte nutzen
Gerd Stangneth, Managing Consultant
Ondevice bei Capgemini, erklärt sich das
Phänomen so: „Wir sind imMoment noch
an einem Punkt, wo die Mitarbeiter auf
mobilen Endgeräten überwiegend das
fortführen, was sie am PC bearbeiten.“
Das heißt, wer Tabellenkalkulationen be-
herrscht und sie nun am Tablet-PC statt
am PC-Arbeitsplatz ausführt, braucht
dazu noch keine spezielle Schulung.
Außerdem können die Unternehmen
eine Begeisterung nutzen, die die Mitar-
beiter privat für die modernen Techniken
hegen. In diesem Fall bedeutet Change-
Management, das mit dem Wechsel der
Infrastruktur einhergeht, nicht mehr nur
© DABOOST / SHUTTERSTOCK .COM
Pflicht, sondern auch Spaß . „Wer im Mo-
ment eins der teuren Geräte erhält, von
dem erwartet der Arbeitgeber einfach,
dass er sich auch voller Begeisterung da-
mit beschäftigt“, sagt Gerd Stangneth.
Dennoch wird sich nach Erwartung
des Experten das Trainingsangebot in
den nächsten Jahren stark erweitern:
„Anwendungen, die speziell für mobile
Endgeräte entwickelt wurden, werden
zunehmen, und damit auch dieser spezi-
elle Schulungsbedarf.“ Ein Beispiel sind
die Scanner, die Logistikunternehmen
nutzen, um ihre Lieferungen bis zum
Kunden zu verfolgen. Außerdem wird
das Thema IT-Sicherheit eine noch wich-
tigere Rolle spielen. Schließlich: „Wir
werdenmit denmobilen Endgeräten sehr
viel mehr Mitarbeiter in unterschied-
lichen Branchen und auf verschiedenen
Ebenen erreichen.“ Wikis und andere
Social-Media-Instrumente werden dann
vielleicht nicht mehr ausreichen, um
beispielsweise alle Mitarbeiter am Fließ-
band zu schulen, die dann ihre Arbeits-
stunden am Tablet-PC erfassen.
Pia Weber
ist freie Journalistin in Neufahrn bei
Freising.