personalmagazin 05 / 11
„Es geht umDiversity“
INTERVIEW. Quoten sind bei der Besetzung von Managementpositionen nichts
Neues, berichtet Dr. Brigitte Lammers. Es gehe jedoch nicht nur um Frauen.
personalmagazin:
Headhunting galt lange
als Männerdomäne: Männliche Head-
hunter suchten männliche Führungs-
kräfte für Unternehmen. Inwiefern ist
Headhunting weiblicher geworden?
Brigitte Lammers:
Vielleicht erlauben Sie
mir zunächst den Hinweis, dass sich
sowohl meine männlichen als auch
meine weiblichen Kollegen mit dem Be-
griff „Headhunter“ schwertun. Wir sind
Personalberater, die von der Suche über
die Evaluation bis hin zur Führungs-
kräfteentwicklung und Integration
neuer Executives sehr unterschiedliche
Themenfelder abdecken. Zu Ihrer Frage:
Es ist schon so, dass die Personalbera-
tung weiblicher geworden ist, aber das
ist kein Trend, der auf eine Branche
beschränkt ist.
personalmagazin:
Heißt das, dass Frauen
ganz allgemein präsenter sind?
Lammers:
Ich sehe das im Kontext einer
insgesamt stärker werdenden Präsenz
von Frauen in Unternehmen. Egal,
wohin man in diesen Tagen schaut:
Frauen sind in Unternehmensfeldern
sichtbarer geworden. Das kommt auch
im Suchprozess zum Ausdruck, der
heute sehr viel breiter angelegt ist. Das
erklärte Ziel vieler Unternehmen, eine
Kultur aufzubauen, die auf echte Viel-
falt zielt, impliziert auch, eine signifi-
kante Anzahl von Frauen zu gewinnen.
personalmagazin:
Aber der Anteil an
Frauen, die an der Spitze von Unterneh-
men stehen, bleibt gering.
Lammers:
Das wäre mir zu pauschal. Bei
Besetzungen von Aufsichtsräten sind
Frauen momentan sogar in der Über-
zahl. In der Managementlandschaft
insgesamt gilt es zu differenzieren: In
Bereichen wie Human Resources, Mar-
keting oder Kommunikation, in denen
Frauen traditionell stark vertreten sind,
werden heute schon viele Spitzenposi-
tionen von Frauen bekleidet – Tendenz
steigend. In anderen Managementfunk-
tionen ist der Pool qualifizierter Kandi-
datinnen dagegen eher gering, sodass
sie auch weniger häufig in Spitzenposi-
tionen zu finden sind.
personalmagazin:
Wo ist das der Fall?
Lammers:
Das gilt insbesondere für
Branchen mit hoher technischer Kom-
petenz. Grundsätzlich gilt, dass eine
kompetenzbasierte Auswahl unabding-
bar ist. Gender-Gesichtspunkte dürfen
sowohl aus Sicht der Unternehmen als
auch nach Auffassung der involvierten
Frauen nicht zu einer Kompromissbe-
setzung führen.
personalmagazin:
Wie schwierig ist es
überhaupt, Frauen zu finden, die bereit
sind, eine Top-Position zu übernehmen?
Lammers:
Die gute Nachricht ist: Man
findet solche Frauen. Und man findet
sie immer häufiger. Allerdings sind
Frauen nach wie vor weniger wechsel-
willig. Sie zeichnet eine höhere Loyalität
gegenüber ihrem Arbeitgeber aus und
sie bleiben in ihrer Position, in der
Hoffnung, dass ihre Leistungen entspre-
chend honoriert werden. Männer ziehen
früher die Reißleine, wenn sie das
Gefühl haben, dass ihre Karriere nicht
vorankommt. Außerdem entscheiden
sich Frauen mit kleinen Kindern häufig
bewusst gegen eine neue berufliche He-
rausforderung, wenn sie dafür pendeln
müssen. Damit schränkt sich der Pool
potenzieller Kandidatinnen nochmals
ein. Je mehr Paare die berufliche Ent-
wicklung als gemeinschaftliche Aufgabe
begreifen, desto erfolgreicher können
wir Frauen wie Männern neue beruf-
liche Perspektiven aufzeigen, die für sie
gemeinschaftlich machbar sind.
personalmagazin:
Welche Auswirkungen
für Ihre Arbeit haben die Frauenquoten
mancher Unternehmen?
Lammers:
Diese Vorgaben von Unterneh-
men sind nichts Neues. Insbesondere in
ist Personalberaterin bei Egon Zehnder
International, Berlin. Die Juristin ist seit
nunmehr elf Jahren im Executive Search
tätig.
Dr. Brigitte Lammers
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