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EXECUTIVE SEARCH
SPEZIAL
PERSONALDIENSTLEISTER
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Telefon nach geeignetem
Personal.
Echte Headhunter, vor
allem jene, die im Pre-
miumsegment arbeiten,
hassen nicht nur die
Bezeichnung Kopfjäger,
sondern auch jene abge-
droschenen Wortspiele-
reien, die sie in die Nähe
bärtiger Waidmänner im
dunkelgrünen Loden rü-
cken. Schließlich sind die
Consultants meist glatt
rasiert und tragen maß-
geschneiderte Anzüge.
Dennoch drängt sich der
Vergleich geradezu auf,
wenn man die echten von
den falschen Headhun-
tern trennen will.
Zeitungsannoncen und
Inserate im Internet sind
wie eine Schrotflinte. Ein
solches Gewehr taugt
gerade einmal dazu, Nie-
derwild (Fachkräfte und
Führungsnachwuchs) zur Strecke zu
bringen. Die Führungskräfte aber, die
ein echter Headhunter aufs Korn nimmt,
kommen erst gar nicht auf die Idee,
Stellenanzeigen zu durchforsten. „Die
meisten Top-Manager in den Branchen
Handel und Konsumgüter kenne ich per-
sönlich“, sagt Hofmann. Und die, die er
noch nicht kenne, finde er nur mit einer
systematischen Suche, so der Experte.
Ein echter Executive Search Consultant
gleicht einem Jäger, der einen kapitalen
Hirsch über Wochen hinweg verfolgt, be-
vor er ihn stellt und mit einem gezielten
Schuss aus einer großkalibrigen Büchse
niederstreckt. Der Vergleich hinkt, zuge-
geben. Aber er ist einprägsam.
Als Konvertiten werden jene Un-
ternehmen bezeichnet, die lange Zeit
ausschließlich auf Stellenanzeigen als
Suchmethode setzten und seit einigen
Jahren auch Executive Search Consul-
ting anbieten. Bekanntestes Beispiel für
einen Konvertiten ist Kienbaum. Firmen-
gründer Gerhard Kienbaum gehörte zu
jenen, die lange Zeit vor den Headhun-
tern warnten. Die Direktansprache per
Telefon hielt der Consultant für absolut
unseriös. Doch das ist lange her.
Heute bekennt sich Jochen Kienbaum,
der Sohn und Nachfolger des Firmen-
gründers, offen zum Executive Search
als diskreter und effektiver Suchmetho-
de. Mehr noch: Kienbaum hat in den ver-
gangenen Jahren viel Geld investiert und
eine schlagkräftige Headhunter-Truppe
zusammengekauft. Ein ähnliches Bild
bietet sich bei Steinbach & Partner, Bau-
mann AG und Dr. Rochus Mummert: Auch
diese Firmen schalten zwar heute noch
Anzeigen, fahnden aber immer öfter per
Beratungsstandards nicht die Rede sein
kann. Ein Personalmanager eines Un-
ternehmens, das ins Ausland expandie-
ren will, tut deshalb gut daran, sich von
einem Headhunter Referenzen geben zu
lassen, die einen Beleg über im Ausland
abgewickelte Aufträge bieten.
Branchenspezialisten
Industrieverbände und andere branchen-
orientierte Zusammenschlüsse sind gute
Informationsquellen, wenn es um die
Auswahl von Beratern geht. Fragt man
dort nach, so hört man keineswegs nur
die Namen großer Firmen, sondern vor
allem die Namen von Spezialisten wie:
●
Hofmann Consultants
(Handel & Konsumgüter)
●
Courland Automotive (Autobranche)
●
Harvey Nash (IT-Branche)
●
Gravert Jenny & Partners
(Energiebranche)
●
Bernd Heuer & Partner
(Immobilienbranche)
●
Kincannon & Reed
(Nahrungsmittel und Agribusiness)
●
Marlborough (Luftfahrtindustrie)
●
Docs (Krankenhäuser,
Gesundheitsindustrie)
●
Hi-Tec Consult (Medizintechnik,
Consumer Electronics)
●
Singer & Hamilton (Banken und
andere Finanzdienstleister)
●
Maurice Consult (Versicherungen)
●
Linden & Company (Verlagshäuser)
●
Leaders in Science
(Hochschulen und andere Organisa-
tionen der Wissenschaft)
●
The EMR Group (Werbeagenturen,
Medienbranche)
Die Liste ist freilich nicht abschließend.
Generalisten und Konvertiten
Unter die Rubrik Generalisten fallen vor
allem jene Search-Boutiquen, die sich
wie Rickert & Fulghum auf das Top-Seg-
ment im Search Business spezialisiert
haben. In Deutschland zählen hierzu
unter anderem Board Consultants Sen-
dele & Partner, Heiner Thorborg und Van
Emmerich Consulting.
Der Vergleich von Headhunter und Jäger hinkt, doch die Arbeits-
weise – ein geduldiges, zielgerichtetes Vorgehen – ist ähnlich.
ist Gründer und Betreiber des Internet-
Portals Consulting Star.
Rainer Steppan
© ALEX KOSEV / SHUTTERSTOCK