personalmagazin 05 / 11
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EXECUTIVE SEARCH
Charakter der Geschäfte, die Headhunter
wie Hofmann betreiben. Schließlich wol-
len die Auftraggeber nicht, dass ihnen
die Konkurrenz bei heiklen Personal-
fragen in die Karten schaut. Und das ist
auch einer der Gründe, warum Hofmann
lieber den Begriff Executive Search Con-
sulting für seine Tätigkeit verwendet.
Schwierige Auswahl
Das Beispiel zeigt: Headhunter kann sich
jeder nennen. Die Berufsbezeichnung ist
genauso wenig geschützt wie Unterneh-
mensberater oder Consultant. Nicht ein-
mal einen Schulabschluss braucht man
im Search Business. Das erschwert den
Personalprofis dieAuswahl. Hinzu kommt
die enorme Zersplitterung der Branche: In
Deutschland gibt es weit mehr als 2.000
Firmen, die Personalberatung anbieten.
Die meisten davon sind Kleinunterneh-
men mit wenigen Mitarbeitern.
Früher griffen Personalmanager bei
der Auswahl von Beratern gern zu di-
cken Branchenführern. Die gibt es auch
heute noch. Diese Wälzer helfen aber
nicht weiter. Da sie durchweg anzeigen-
finanziert sind, erhält jedes inserierende
Unternehmen den gleichen Platz einge-
räumt – egal, ob es sich um ein seriöses
und bedeutendes Beratungshaus han-
Echte und unechte Headhunter
ÜBERBLICK. Fach- und Führungskräfte sind wieder stark gesucht. Kein Wunder,
dass die Headhunter viel zu tun haben. Doch nicht jeder verdient diesen Titel.
A
uf der Startseite von Placement
24 rotieren Nachrichten wie
die bunten Walzen einer Dad-
delmaschine: „Headhunter aus
Duisburg sucht nach einem Experten in
Management und Strategie ... Headhun-
ter aus Frankfurt hat eine Suche nach
einem Key-Account-Manager gespei-
chert ... Ein Mitglied hat eine persön-
liche Nachricht von einem Headhunter
aus Berlin erhalten …“ Die Meldungen
sollen nicht nur die Aufmerksamkeit der
bekanntermaßen ungeduldigen Internet-
Nutzer erregen. Placement 24 will sie
dazu bewegen, sich zu registrieren und
die Masken mit Fragen nach Ausbildung
und beruflichem Background auszu-
füllen. Das Düsseldorfer Unternehmen
wirbt dabei mit dem „diskreten Kontakt“
zu über 4.000 Headhuntern weltweit.
Vertrauliche Geschäfte
„Diskretion sieht bei uns anders aus“,
sagt DieterHofmann, geschäftsführender
Gesellschafter von Hofmann Consultants
Königstein/Frankfurt. Für jedermann
sichtbare Postings im Internet, Offerten
in Zeitungen und ähnliche Dinge ver-
tragen sich nicht mit dem vertraulichen
delt oder nicht. Hilfreich ist da eher die
folgende Übersicht über die Zusammen-
setzung der Branche.
Die „Big Five“
Egon Zehnder, Heidrick & Struggles,
Korn/Ferry, Russell Reynolds, Spencer
Stuart: Auf diese fünf Namen stößt je-
der, der sich in der Personalberaterbran-
che umsieht. Die „Big Five“ des Search
Business zählen in vielen Ländern der
Welt zu den Marktführern. So auch in
Deutschland. Ihre Berater haben sich
meist auf zwei oder drei Branchen spe-
zialisiert und arbeiten in Abteilungen
(Practices) weltweit zusammen. Da-
neben gibt es Practices für bestimmte
Funktionen, etwa für die Suche nach Fi-
nanzchefs oder Marketingexperten.
Netzwerk-Organisationen
Wer nach Alternativen zu den „Big Five“
sucht, klopft meist bei jenen Firmen an,
die sich in Netzwerkorganisationen zu-
sammengeschlossen haben. Beispiele
sind Amrop Delta Management Con-
sultants, Boyden International, Odgers
Berndtson, Signium oder Marlar, dessen
deutsches Mitglied der Roland-Berger-
Spinoff Civitas ist.
Die meisten Headhunter wollen durch
ihre Mitgliedschaft in einem solchen
Netzwerk signalisieren, dass sie Dienst-
leister mit zumindest internationaler,
wenn nicht gar globaler Reichweite sind.
Es lohnt sich jedoch, genauer hinzuse-
hen. Grund: Manche Netzwerke sind nur
in wenigen Ländern wirklich stark ver-
treten. Und: Oft sind die Netzwerke so
locker geknüpft, dass von einheitlichen
Von
Rainer Steppan
Dieter Hofmann, Hofmann Consultants, Königstein/Frankfurt
„Postings im Internet und Offerten
in Zeitungen vertragen sich nicht
mit vertraulichem Headhunting.“