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INTERIMSMANAGEMENT
SPEZIAL
PERSONALDIENSTLEISTER
49
gessätze und für 2010 eine Stabilisation
der Honorare. Mit zunehmender Nach-
frage nach der Dienstleistung Interims-
management sollten die Unternehmen
daher mit steigenden Tagessätzen für
das laufende Jahr rechnen.
Tipps für den Interimseinsatz
Und worauf sollten Unternehmen beim
Einsatz von Interimsmanagern achten?
Antworten auf diese Frage gibt die „Inte-
rim Manger Studie 2010“ von Butterfly-
manager (Schönfeld/Meidert/Landwehr),
für die von August bis Oktober 2010 255
Interimsmanager befragt wurden: Zu-
nächst einmal sollten Unternehmen ihre
Zielvorstellungen und Erwartungen an
Interimsmanager genau festlegen und
schon bei der Suche explizit kommuni-
zieren – am besten in Form eines schrift-
lichen Anforderungsprofils.
Während des praktischen Einsatzes
gilt: Auch Interimsmanager benötigen
Führung. Es empfiehlt sich eine Moti-
vation mittels der Verknüpfung „gute
Arbeit = gute Referenz“, da Interimsma-
nager stark an Folgeprojekten und Emp-
fehlungen interessiert sind. Gleichzeitig
sollten Arbeitgeber ihren Beschäftigten
deutlich machen, welche Aufgaben der
externe Manager erfüllt, wie relevant
und zeitlich begrenzt diese sind. Auf
diese Weise können sie vermeiden, dass
Konkurrenzdenken aufkommt.
Interimsmanager sind häufig selbst
in einer Führungsrolle im Unternehmen
eingesetzt. Dabei sollten Unternehmen
berücksichtigen, dass sich deren Arbeits-
und Führungsstil in einigen Aspekten
von dem angestellter Manager unter-
scheidet: Die meisten Interimsmanager
pflegen einen kooperativen Führungsstil,
aber im Gegensatz zu den angestellten
Führungskräften brauchen sie sich nicht
so tief in das soziale Gefüge des Unter-
nehmens zu integrieren und einzuarbei-
ten. Und sie verwenden im Gegensatz zu
diesen auch keine Zeit und Energie für
eine „Politik in eigener Sache“, denn ih-
re Aufenthaltsdauer im Unternehmen ist
beschränkt.
INTERVIEW
„Ein Zeichen der Schwäche“
personalmagazin:
Wie häufig werden Netzwerke wie
Xing zur Suche nach Interimsmanagern eingesetzt?
Jürgen Becker:
Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen.
Das liegt zunächst daran, dass es den Netzwerken
gar nicht möglich ist, diese Zahlen zu erheben.
Von Interimsmanagern weiß ich jedoch, dass erste
Projekte über Xing zustande gekommen sind. Das
deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen als
aktiver Teilnehmer bei Xing: Dort werden nicht viele,
aber doch regelmäßig Interimsmanagementprojekte
ausgeschrieben – selten jedoch von etablierten
Interims-Providern.
personalmagazin:
Schreiben Firmen dort selbst aus?
Becker:
Von den Unternehmen stammen die Ausschrei-
bungen in den seltensten Fällen. Stattdessen kommen
sie von Dritten wie Beratern oder sonstigen Randan-
bietern, die ihre Kundenanfragen nicht besetzen
können. Im Klartext: Diese Firmen müssen über soziale
Netzwerke Kandidaten auftreiben, die sie bisher nicht kennen, und unter hohem Zeitdruck
einem ersten Screening unterziehen. Eine Ausschreibung bei Xing ist aus meiner Sicht ein
Zeichen der Schwäche: Der Ausschreibende legt offen, dass der eigene Pool keinen passenden
Kandidaten bietet und dass – Achtung – auch die Interimsmanager des eigenen Pools keinen
passenden dritten Kandidaten empfehlen können.
personalmagazin:
Warum ist es gefährlich, Xing für das Interimsmanagement zu nutzen?
Becker:
Soziale Netzwerke sind letztendlich ein weiterer Kanal, über den Firmen an Kandi-
daten kommen, sei es für eine Festanstellung oder eine interimistische Aufgabe. Durch die
Weiterempfehlungsmöglichkeit an Freunde erhöht sich zunächst einmal der Stapel an Bewer-
bern, durch den sich die Firma wühlen muss. Es gilt, eine Vielzahl von ungeeigneten Kandi-
daten auszufiltern. Ein Unternehmen, das im Einsatz von Interimsmanagern nicht versiert ist,
schlägt damit einen sicheren Weg ein, um im Auswahlprozess richtig viel Geld zu verbrennen.
personalmagazin:
Wie reagieren Sie selbst auf die verstärkte Nutzung der sozialen Netzwerke?
Becker:
Noch ist der Anteil am Interimsmanagementgeschäft, der über soziale Netzwerke
läuft, marginal. Ich erwarte aber, dass sich das ändern wird. Deshalb gehöre ich nicht der
großen Gruppe an Interims-Providern an, die soziale Netzwerke schlichtweg negiert. Ich
vertrete die zweite, sehr viel kleinere Gruppe, die soziale Netzwerke langfristig als potenziell
schärfste Wettbewerber ansieht. Deshalb folge ich dem Grundsatz „If you can’t beat them,
join them“. Wir sind der erste Interims-Provider mit einem Blog, sind seit Jahren bei Xing
aktiv, vor allem in den Foren, wir nutzen Twitter und haben seit Kurzem eine eigene Seite bei
Facebook – mit dem Ziel, dort ein Diskussionsforum aufzubauen.
Das Interview führte
Daniela Furkel.
Jürgen Becker
ist Geschäftsführer von Ma-
nager Network und Sprecher
des Arbeitskreises Interim
Management Provider AIMP.