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personalmagazin 05 / 11
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GRUNDSÄTZE
Wider die ideologischen Viren
MEMORANDUM. Der „Shareholder Value“ hat jahrelang unser aller Denken
und Handeln bestimmt. Gerade Personaler müssen diesen Denkansatz nun
ausmerzen und einem neuen Paradigma zum Durchbruch verhelfen.
solut mit ethischem Handeln gleich.
Demgegenüber steht Peter Drucker, der
schon in den 50er-Jahren formuliert hat,
dass Unternehmen und Gesellschaft ein
untrennbares Ganzes und Unterneh-
men ökonomische und soziale Organis-
men sind. Dadurch ergibt sich ethisches
Handeln und soziale Verantwortung von
selbst. Profit ist nicht der Grund für öko-
nomisches Handeln, sondern die Auswir-
kung richtiger Entscheidungen.
Stakeholder-Ausrichtung etablieren
Es ist überfällig, dass wir als Personalma-
nager und -managerinnen eine ethische,
dem Gemeinwohl dienende Stakeholder-
Ausrichtung in unseren Unternehmen
etablieren. Diese muss aufrichtiges und
nachhaltiges moralisches Handeln in der
Unternehmensführung an die erste Stel-
le setzen und damit die heute vielerorts
üblichen heuchlerischen moralischen
Lippenbekenntnisse im Unternehmens-
management in ihre Schranken weisen.
Ist derGegensatzzwischenShareholder-
und Stakeholder-Orientierung aber nur
eine praxisferne, politisch-ideologische
Disputation? Ein mehr oder weniger auf
Wolke Sieben basierender Appell ins Lee-
re? Weit gefehlt! Der Paradigmenwechsel
betrifft gerade HR-Akteure. Jeder Perso-
nalbereich, egal ob in großen oder kleinen
Unternehmen, hat seine Hausaufgaben.
Fünf Schritte der „Entrümpelung“
Jetzt gilt es, unser Denken und Handeln in
fünf Schritten zu „entrümpeln“. Der erste
Schritt: Überprüfen Sie Ihren gesamten
personalwirtschaftlichen Handwerkskas-
ten – von Kompetenzprofilen, variablen
Vergütungssystemen bis hin zu Auswahl-
prozessen – darauf, ob Stakeholder-Orien-
tierung tatsächlich integraler Bestandteil
ist und die bisher dominierenden finanz-
wirtschaftlichen Größen ihren angemes-
seneren moderateren Platz erhalten.
Der zweite Schritt: Prüfen Sie inten-
siv, welche theoretischen Konzepte
Ihren Führungskräfte- und Talentent-
wicklungsprogrammen zugrunde liegen!
Ist eine ethische, stakeholder-basierte
Fundierung überhaupt Gegenstand des
Lernprozesses?Welche Führungsmodelle
– heroische angelsächsische Leadership-
Konzepte oder bescheidene kontinen-
taleuropäische Managementkonzepte
– werden vertreten? Noch klarer ausge-
drückt: Ist Peter Drucker Teil des Curricu-
lums? Falls Sie noch keines seiner Bücher
gelesen haben, wird es wirklich Zeit.
Dritter Schritt: Wenn Sie mit externen
Beratungen und insbesondere Business
Schools zusammenarbeiten, prüfen Sie
bitte genau, was die makroökonomische
Theorie ist, die der Forschung und Leh-
re dieser Institution zugrunde liegt. Bit-
te schauen Sie nicht nur, was die eher
Von
Thomas Sattelberger
B
etriebswirtschaft und Unter-
nehmensführung werden vom
jeweils vorherrschenden öko-
nomischen Paradigma geprägt.
Weil Paradigmenwechsel in Gesellschaft
und Wirtschaft meist jahrzehntelang
brauchen, bis eine wirkliche Verände-
rung im gesellschaftlichen Denken und
Handeln und in den gesellschaftlichen In-
stitutionen sichtbar wird, haben bislang
trotz der massiven Verwerfungen, denen
wir gegenüberstehen, noch keine gravie-
renden Veränderungen stattgefunden.
Unternehmen und Gesellschaft sind ein
untrennbares Ganzes
Die heute dominierende Ideologie des
sich selbst regulierenden Markts, die
wegen ihres Scheiterns einen Paradig-
menwechsel so dringlich notwendig
macht, geht zurück auf die „Efficient
Market Hypothesis“, die in den 80er-
Jahren mit den „Reaganomics“ ihren
Anfang nahm. Milton Friedman, einer
der führenden Vertreter dieser Ideologie,
die uns in die jüngste Krise führte, setzte
das Profitstreben der Unternehmen ab-
Thomas Sattelberger
„Die alte schädliche Ideologie muss
entrümpelt werden. Die alte gute
Theorie muss fundiert werden.“