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GESUNDHEITSMANAGEMENT
personalmagazin 10 / 09
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Zielgerichtet zum gesunden Betrieb
UNTERNEHMENSSTEUERUNG. Das Konzept der Balanced Scorecard hilft Unter-
nehmen, den spezifischen Beitrag gesundheitlicher Maßnahmen auszumachen.
strategischen Gesundheitsziele an vor-
dergründigen wirtschaftlichen Ideal-
vorstellungen wie Fehlzeitenreduktion,
jedoch nicht an tiefer gehenden Not-
wendigkeiten der Entwicklungsfähig-
keit eines „gesunden Unternehmens“.
Da nur vage Vorstellungen der betrieb-
lichen Erfolgstreiber vorliegen, werden
in internen Meinungsbildungsprozessen
Ressourcen verzehrt, die keine gesund-
heitsförderlichen Wirkungen entfalten.
Gesundheits- und leistungsorientierte
Daten sind, auch aus Datenschutzgrün-
den, nur unzureichend verfügbar, die
vorliegenden Gesundheitsdaten lassen
sich nur eingeschränkt Arbeitsplätzen
oder spezifischen Maßnahmen zuord-
nen. Werte und Verhaltensweisen, die
die individuelle Gesundheit im Unter-
nehmenskontext prägen, lassen sich an-
hand von quantitativen Kennzahlen nicht
praktikabel messen. Der Anspruch auf
Messbarkeit schränkt die Beziehungen
und das damit verbundene betriebliche
Interessen- und Machtgefüge ein.
Unsere Weiterentwicklung der Balan-
ced Scorecard im Sinne eines „gesunden
Unternehmens“ beruht auf evidenten
Gesundheitsprinzipien, die eine sachlo-
gische Steuerung und Beurteilung von
gesundheitlichen Maßnahmen ermög-
lichen. Damit wird der zuweilen auf-
tretende Widerspruch gelöst, dass die
Durchführung gesundheitlicher Maß-
nahmen an ökonomischen Zielkriterien
ausgerichtet wird. Eine ökonomische Be-
wertung spezifischer Leistungsbeiträge
soll sich indes auf die quantifizierbaren
Ergebnisse gesundheitlicher Maßnah-
men beschränken. Im Konzept der „Ge-
sundheits-BSC“ erfolgen die Auswahl
von gesundheitlichen Maßnahmen und
deren wertorientierte Steuerung anhand
von erfolgsevidenten Ausgleichsprin-
zipien in der Kunden-, Prozess- und Po-
tenzialperspektive.
Gesundheitliche Erfolgsfaktoren
Freilich stellt der finanzielle Gewinn eine
notwendige Bedingung zur betrieblichen
Existenzsicherung und einen Indikator
für erfolgreiches Wirtschaften dar. Den-
noch droht zu starke Profitorientierung
den wesentlichen Unternehmenszweck
in der arbeitsteiligen Wirtschaft, einen
Mehrwert für die Unternehmensumwelt
zu schaffen, zu verschleiern. Nach ei-
Von
Martin Braun
und
Gesa Kliesch
P
lanung und Umsetzung ge-
sundheitlicher Maßnahmen im
Unternehmen erfordert pragma-
tische Steuerungsinstrumente
und stimmige Beurteilungsmaßstäbe.
Ein verbreitetes Konzept zur strate-
gischen Unternehmenssteuerung ist
die Balanced Scorecard (BSC). Neben
finanziellen Kennzahlen zur Messung
zurückliegender Leistungen umfasst sie
nicht-finanzielle Kennzahlen, welche
die treibenden Faktoren zukünftiger Er-
folgspotenziale bewerten. So schafft sie
die Voraussetzungen, um ausgewogene
Geschäftsprozesse auszugestalten, hie-
rarchische Zielsysteme abzuleiten, diese
mit Anreizsystemen zu verknüpfen und
zugehörige Maßnahmen zu budgetieren.
Da sich die komplexen Ursache-Wir-
kungs-Ketten innerhalb eines Unterneh-
mens nur selten vollständig beschreiben
lassen, werden die elementaren Zusam-
menhänge der zentralen Erfolgstreiber
eines Geschäftsmodells vereinfacht mit-
tels einer „Strategy Map“ visualisiert.
Sie soll den Beteiligten eine Vorstellung
geben, wie sich ihre Aktivitäten auf die
Unternehmensziele auswirken, die Orga-
nisationseinheiten auf die strategischen
Unternehmensziele ausrichten und Akti-
vitäten in Führungsprozessen bündeln.
Entwicklungspotenziale des BSC-Konzepts
IneinemindustriellenForschungsprojekt
offenbarten sich eine Reihe grundsätz-
licher Restriktionen bei der Anwendung
der BSC im betrieblichen Gesundheits-
management: Oft orientieren sich die
Tatkraft ist keine Selbstverständlichkeit – klare
Konzepte zum gesunden Betrieb fördern sie.