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VERGÜTUNG
personalmagazin 10 / 09
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Variable Teile statt fester Zulagen
FLEXIBILISIERUNG. Personalpolitisches Krisenmanagement ist nicht nur in
Zeiten konjunktureller Schwäche gefragt. Flexible Personalkosten helfen hier.
das Repertoire aber noch längst nicht
erschöpft. Der Handlungsspielraum für
intelligente personalpolitische Anpas-
sungsmaßnahmen ist größer, je weiter
ein Unternehmen noch von einer wirt-
schaftlichen Schieflage entfernt ist. Auch
in der aktuellen Krise gibt es Unterneh-
men, die Umsatzsteigerungen verzeich-
nen können und qualifizierte Mitarbeiter
suchen und einstellen. Sie sind in der
komfortablen Situation, aktive, aber
eher mittelfristig wirkende Maßnahmen
zur Flexibilisierung der Personalkosten
einleiten zu können. Andere Firmen da-
gegen – insbesondere solche mit einer
hohen Exportabhängigkeit – verzeichnen
hohe Umsatzeinbußen und Produktions-
rückgänge. Sie müssen mit kurzfristigen
Maßnahmen gegensteuern, um Schaden
bis hin zur Insolvenz abzuwenden.
Zusammensetzung kritisch prüfen
Im Krisenmanagement kommt es insbe-
sondere auf die Faktoren Zeit und Geld
an. Mit Abnahme beider Ressourcen re-
duzieren sich die Gestaltungsoptionen.
Wenn die Personalkosten der größte
Kostenblock sind, empfiehlt es sich, vor
allem in sehr reifen Märkten aktiv, also
bevor sich die ersten Krisensignale zei-
gen, alle Register der Flexibilisierung
und Variabilisierung zu ziehen.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Zu-
sammensetzung der Vergütungen, hier
schlummern gewaltige Optimierungs-
reserven. Im ersten Schritt sollten die
beiden wesentlichen monetären Gehalts-
bestandteile kritisch geprüft werden: Das
Grundgehalt und der variable Anteil.
Wenn bei der Analyse der Payroll des ge-
samten Unternehmens eine kaum über-
schaubare, geschweige denn erklärbare
Auflistung unterschiedlicher Gehalts-
komponenten zutage tritt, besteht akuter
Handlungsbedarf.
In unserer Beratungspraxis zeigte
sich anhand eines Dienstleistungsunter-
nehmens mit knapp 1.000 Mitarbeitern,
welche komplexen und intransparenten
Vergütungssysteme praktiziert werden
und welche Optimierungspotenziale be-
stehen. Zum Untersuchungszeitpunkt
setzte sich der variable Anteil am Gehalt
aus 33 Komponenten zusammen, das
Grundgehalt selbst aus 18. Die Analyse
der Vergütungssystematik ergab:
keine marktgerechte Zusammenset-
zung der Vergütungen,
Intransparenz für die Mitarbeiter:
Zweifelhafte interne Gerechtigkeit
der Vergütungen,
niedrige variable Anteile: Geringe
Motivations- und Anreizwirkungen,
keine Steuerungswirkung hinsicht-
lich der Erreichung von Unterneh-
menszielen,
keine über dieVergütungen atmenden
Personalkosten,
Einzelfallentscheidungen statt ein-
heitlicher Anwendung,
hohe Systemkomplexität
Ziele des neuen Vergütungssystems:
bessere Marktorientierung der Vergü-
tung (Höhe und Zusammensetzung),
Erhöhung vonMotivation und Verbes-
serung des Leistungsverhaltens,
Belohnung echter Überperformance,
verbesserte Steuerungswirkung,
Variabilisierung der Personalkosten,
Von
Tom Feldkamp
und
Michael Kramer
V
iele Unternehmen stehen nicht
zum ersten Mal vor der He-
rausforderung, mit zum Teil
existenzgefährdenden Krisen
richtig umzugehen. Dennoch unterschei-
den sich die Reaktionsmuster heute gra-
vierend von denen in der Vergangenheit.
Haben Unternehmen bei den zurücklie-
genden Krisen fast reflexartig in erster
Linie massiven Personalabbau betrie-
ben, so halten sie in der gegenwärtigen
Wirtschaftskrise an ihren Mitarbeitern
fest, solange es möglich ist. Sie wägen
die personalpolitischen Maßnahmen zur
Krisenbewältigung genau ab, um Qualifi-
kationen und knappe Kompetenzen zu er-
halten, die existenziellen Interessen der
Mitarbeiter zu wahren und den Aufwand
für Rekrutierungen in der wirtschaft-
lichen Erholungsphase zu optimieren.
Die Reduzierung der Guthaben auf
den Arbeitszeitkonten, die Verkürzung
der wöchentlichen Arbeitszeit, die Schaf-
fung interner Arbeitsmärkte und die
Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld
zählen aktuell jenseits des Personalab-
baus zu den am häufigsten genutzten
personalpolitischen Optionen. Damit ist
Online
Die Darstellung der tarif- und mit-
bestimmungsrechtlichen Aspekte
finden Sie auf unserem Portal,
Stichwort: „Flexible Vergütung“