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PERSONALENTWICKLUNG
MANAGEMENT
10 / 09 personalmagazin
nergieeffekte wichtig: „Dass durch die
Parallelität von Fernstudium und Beruf
Wissen schneller angeeignet und in der
beruflichen Praxis gleich eingesetzt wer-
den kann, begrüßen sechs von zehn Per-
sonalchefs“, sagt Paetsch.
Unternehmen unterstützen selten
Doch trotz der vielen Vorteile für die
Unternehmen, werden die Fernkurse
momentan hauptsächlich von Privat-
personen und nur zu etwa fünf bis zehn
Prozent von Firmen gebucht: „Das Pri-
vatkundengeschäft läuft momentan gut.
Viele Firmen beteiligen sich zwar an den
Fernunterrichtskosten ihrer Mitarbeiter
beziehungsweise stellen sie für Prü-
fungsvorbereitungen bezahlt frei, halten
sich aber in der Krise sehr zurück, wenn
es um neue Projekte und Kooperationen
im Bereich Fernlernen geht, da ihnen
jetzt das Geld fehlt“, sagt Paetsch. Dabei
hat die Bundesregierung mit dem Kon-
junkturpaket II für die Unternehmen
durchaus Anreize geschaffen, in die Wei-
terbildung ihrer Mitarbeiter zu inves-
tieren – so übernimmt die Agentur für
Arbeit zum Beispiel für Kurzarbeiter, die
an einer Weiterbildung teilnehmen, die
Beiträge zur Sozialversicherung. „Sind
die Lehrgänge vom Europäischen Sozial-
fonds gefördert, übernehmen wir sogar
zwischen 25 und 80 Prozent der Lehr-
gangskosten. Über Bildungsgutscheine
finanzieren wir auch Fernkurse zu 100
Prozent, wenn sie durch eine fachkun-
dige Stelle zugelassen sind. Unabhängig
davon müssen sie von der Zentralstel-
le für Fernunterricht (ZFU) anerkannt
sein“, sagt Kurt Eikemeier von der Bun-
desagentur für Arbeit.
Geförderte Weiterbildung
Andererseits gibt es auch jede Menge
Fernlerner, die gar nicht wollen, dass
ihr Unternehmen von ihrer Fernweiter-
bildung erfährt, berichtet Paetsch: „Aus
Beratungsgesprächen wissen wir, dass
viele Fernlerner befürchten, ihr Arbeit-
geber würde ihnen Steine in den Weg le-
gen aus Sorge, dass die Arbeit im Betrieb
durch das Fernstudium zu kurz kommen
könnteoderdasssichdieMitarbeiterweg-
entwickeln könnten.“ Auch wollen sich
viele Fernlerner nicht durch ihre Fir-
men unter Druck setzen lassen, was das
Tempo des Fernstudiums betrifft. „Sind
die Unternehmen an der Finanzierung
beteiligt, fordern viele regelmäßige Er-
folgskontrollen, einige sogar monatlich“,
erzählt Paetsch.
Herausforderungen
In der Praxis ist nicht jeder
Mitarbeiter in der Lage, so ei-
ne Fernweiterbildung bis zum
Ende durchzuhalten: „Man
muss sich sehr gut selbst or-
ganisieren und motivieren
können und viel Eigendis-
ziplin mitbringen“, erzählt
der Betreiber des Portals
„fernstudium-infos.de“ Mar-
cus Jung. Wer einen Klassen-
verband benötigt, um gut und
effizient lernen zu können,
ist mit einem Fernkurs nicht
gut beraten. Schließlich gibt
es keine Mitstudenten, mit
denen man sich regelmäßig
austauschen kann. Auch der
direkteKontakt zumDozenten
fehlt. Zwar gibt es Foren und
Präsenzseminare, aber ein
reger Austausch findet nicht
statt. Auch der Zeitaufwand
fürs Fernlernen sei nicht unbeträcht-
lich: „Zwischen zwölf und 15 Stunden
wöchentlich muss man neben dem Beruf
schon einrechnen“, sagt Jung.
Lohnt sich also die Investition in Fern-
unterricht in der Krise? „Weiterbildung
lohnt sich immer“, sagt Kurt Eikemeier
von der Arbeitsagentur. Und Martin Kurz
vom Forum DistancE-Learning erklärt:
„Wenn die Krise vorbei ist, werden drin-
gend Mitarbeiter mit Fachkenntnissen
benötigt. Wir kommen an dem demogra-
fischen Bedarf nicht vorbei.“
Irene Winter
ist freie Journalistin in Berlin.
Fernunterricht macht flexibel: Statt Präsenzseminare zu besuchen, kann der Mitarbeiter überall lernen.