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HR 2020
TITEL
10 / 09 personalmagazin
Mitarbeiter werden in Zukunft mit noch
komplexeren Herausforderungen kon-
frontiert, die hohes Engagement, große
Flexibilität und exzellentes Spezialisten-
wissen voraussetzen. Mitarbeiter wach-
sen immer stärker in eine umfassende
Eigenverantwortung hinein, die flankiert
wird durch fortschreitende Automatisie-
rungen. Das heißt bei uns: Mehr höher-
wertige Aufgaben für höher qualifizierte
Mitarbeiter. Hierbei wird das Unterneh-
men in Zukunft weniger eng führen, son-
dern mehr Orientierung geben müssen.
Das kann nur durch Werte gelingen, und
durch Angebote und Instrumente, die es
Mitarbeitern erlauben, sich permanent
fortzubilden, sich engagiert einzusetzen
und mitzudenken. Das erlebbare ‚Enga-
gement’ des Mitarbeiters, gepaart mit
einer ständig aktualisierten Kompetenz,
wird für Kunden ein immer wichtigeres
Unterscheidungsmerkmal darstellen.
Das Personalwesen wird bis zum Jahr
2020 kreativer, wird noch mehr interner
Dienstleister und Berater. Der Personaler
wird noch ‚sichtbarer’ werden. Die Orga-
nisationsentwicklung wird dabei im Vor-
dergrund stehen sowie die individuelle
Betreuung und Weiterentwicklung von
Mitarbeitern. Das Personalwesen muss
intelligent den Rahmen gestalten, in dem
sich die Selbststeuerungsfähigkeit des
Mitarbeiters optimal entwickeln kann.
Damit leistet es einen wesentlichen Bei-
trag zu einer nachhaltigen Wettbewerbs-
fähigkeit des Unternehmens.“
Dataport: Die Anforderungen an
Führungskräfte werden immer höher
Bettina Lentz, Leiterin des Bereichs
Service und Finanzen bei Dataport, er-
läutert: „Ich arbeite an der „Agenda Mo-
derne Personalpolitik“ mit, weil ich den
Austausch mit Kolleginnen und Kollegen
aus anderen Branchen sehr schätze. Es
gibt keine bessere Möglichkeit, von an-
deren zu lernen und dadurch die eigene
Arbeit zu verbessern und das Unterneh-
men voranzubringen. Dieses Netzwerk
ist aufgrund der Vielfalt der beteiligten
Unternehmen besonders interessant.
Wir werden etwa ab 2015 mit alters-
bedingten Personalabgängen in der
Größenordnung von fünf Prozent des
Gesamtbestands jährlich zu kämpfen ha-
ben. Dieser Entwicklung begegnen wir
schon heute mit einer sehr intensiven
Nachwuchsarbeit. Trotzdem machen wir
uns Sorgen, ob es zukünftig gelingen
wird, gut ausgebildete Mitarbeiter in
ausreichender Anzahl und zu einem an-
gemessenen Preis gewinnen und binden
zu können. Gleichzeitig wird das vorhan-
dene Personal immer älter, sodass auch
Themen wie Gesundheits- und Wissens-
management auf der Agenda stehen.
Wir haben uns mittlerweile an stän-
dige Umorganisationen und immer fle-
xiblere Arbeitsorganisationen gewöhnt.
Damit einher geht aber auch, dass die
Anforderungen an die Führungskräfte,
‚den Laden zusammenzuhalten’ immer
höher werden. Es ist die Aufgabe der
Personalabteilungen, die Führungskräf-
te dafür fit zu machen.“
E.ON: Strategische Aufgaben und
HR-Basisprozesse trennen sich stärker
Andreas Ladda, Leiter Personalpolitik
und -kommunikation der E.ON Energie
AG, sagt: „Wirbeteiligenunsander ‚Agen-
da Moderne Personalpolitik’, weil hier
HR-Fachleute aus den verschiedensten
Unternehmen und Branchen zusammen-
gekommen sind, um die gemeinsamen
Herausforderungen zu analysieren. Sol-
che strategischen Partnerschaften stel-
len für mich einen wesentlichen Ansatz
für unsere komplexen Probleme dar. Sie
ermöglichen schnellere Reaktionen und
Synergien sowie Wissen auszutauschen
und zu bündeln. Damit bietet der Kreis
nicht nur ein exzellentes Netzwerk zu-
kunftsorientierter Kollegen, sondern ist
auch ein unternehmensübergreifender
Think Tank für HR-Fragen der Zukunft.
Die Herausforderungen für uns als
ein Unternehmen der Energiewirtschaft
unterscheiden sich nicht grundlegend
von den Herausforderungen anderer
Unternehmen. Dies sind neben den Kos-
ten- und Effizienzanforderungen auch
die allgemeinen Megatrends wie zum
Beispiel demografische Entwicklung,
technologische Entwicklung, gesell-
schaftlicherWertewandel, Globalisierung
und Innovationsgesellschaft. Eine kon-
krete Herausforderung lautet hier, das
Konzept der Employability so weiterzu-
entwickeln, dass pragmatische Antwor-
ten auf diese Trends abzuleiten sind.
Die Personalarbeit im Unternehmen
wird sich 2020 fokussieren auf ein
kleines Team hoch qualifizierter HR-
Spezialisten, die strategische Aufgaben
wahrnehmen und interne und externe
Dienstleister mit definierten KPI steuern.
Alle nicht strategischen und steuernden
Funktionen werden gebündelt. Dies
muss nicht zwangsläufig in externen
Organisationen passieren. Aber interne
wie externe Shared-Service- oder Joint-
Service-Einheiten für die Basisprozesse
der Personalwirtschaft werden meines
Erachtens die Zukunft prägen.“
„Ich schätze den Austausch mit Kollegen
und möchte von ihnen lernen.“
Bettina Lentz, Dataport
„Das Projektnetzwerk ist ein Think Tank
für die HR-Fragen der Zukunft.“
Andreas Ladda, E.ON Energie AG