Seite 53 - PERSONALquarterly_2014_03

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Folgende internationale Zeitschriften verfolgen wir
für Sie regelmäßig:
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Human Resource Management
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Human Resource Management Review
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Management Science
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Personnel Psychology
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3
Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie
Unser Rezensenten-Team wird darüber hinaus an dieser Stelle
auch richtungsweisende Veröffentlichungen aus weiteren Publi-
kationen darstellen.
Neues aus Top-Journals
D
ie Auswirkungen des demografischen Wandels wer-
den für die Unternehmen in den kommenden zwei
Jahrzehnten deutlich spürbarer. So wird der Anteil
der Beschäftigten, die älter als 55 Jahre sind, in Zu-
kunft weiter ansteigen. Zugleich werden diese Beschäftigten
durch das Anheben des gesetzlichen Renteneintrittsalters
länger arbeiten. Für Arbeitgeber stellen sich daher folgende
Herausforderungen: Einerseits bieten ältere Beschäftigte die
Möglichkeit, von ihrer Erfahrung und ihrem Wissen länger
zu profitieren. Andererseits kann diese Beschäftigtengruppe
bereits in Altersteilzeit wechseln, früher in den Ruhestand
eintreten oder ihr Commitment zur Arbeit einschränken. Pro-
blematisch werden diese Konsequenzen, wenn nicht genügend
Nachwuchs zur Verfügung steht, um die entstehenden Lücken
zu ersetzen, und wichtiges Know-how ohne Ersatz aus dem
Unternehmen abfließt.
Da es sich bei diesen negativen Konsequenzen um die ei-
gene Volition der betreffenden Personen handelt (ähnlich des
freiwilligen Arbeitsplatzwechsels), stellt sich die Frage, welche
Fakto­ren dazu führen, die Möglichkeiten für ältere Beschäf-
tigte (d. h.
­
Arbeitszeitverringerung, frühzeitiger Ruhestand,
Lohnersatzleis­tungen) wahrzunehmen oder abzulehnen. Die
Autoren untersuchten mehrere Faktoren auf individueller Ebe-
ne anhand von 500 arbeitenden Personen zwischen 50 und 61
Jahren zu zwei Zeitpunkten in den USA. Obwohl die gesetzlichen
Regelungen zur Altersabsicherung, Rente und Arbeitsteilzeit in
Deutschland nicht mit denen in den USA zu vergleichen sind,
sind die Auslöser einer intentionalen Handlung auf Individual­
ebene mit Sicherheit auch auf deutsche Beschäftigte übertragbar.
Die Ergebnisse zeigen, dass ältere Beschäftigte die Möglich-
keiten eher ablehnen, wenn sie ihren Beruf und ihre Aufgaben
weiterhin als herausfordernd wahrnehmen. Die gleichen Auswir-
kungen hat die wahrgenommene Unterstützung durch den Ar-
beitgeber in Form von speziellen Personalpolitiken, Normen und
Werten, die insbesondere ältere Beschäftigte in ihren Aufgaben
unterstützen, deren Leistungen im Unternehmen wertschätzen
und sie weiterhin zu einem vollwertigen Mitglied der Organi-
sation machen. Negative Auswirkungen hat es dagegen, wenn
aus derselben Kohorte der älteren Beschäftigten ein größerer
Anteil in Altersteilzeit oder den Vorruhestand gegangen ist bzw.
gehen wird. Unter diesen Umständen werden ältere Beschäftigte
dann ebenfalls die Möglichkeit wahrnehmen, ihre Arbeitszeit
55plus-Mitarbeiter: Voll-
zeit oder Altersteilzeit?
Peter A. Bamberger
(Tel Aviv University) &
Samuel B. Bacha-
rach
(Cornell University). „Predicting Retirement Upon Eligibility:
An Embeddedness Perspective“. Human Resource Management,
53 (2014), 1-22.
zu verringern oder früher in den Ruhestand zu gehen, da sie die
sozialen Beziehungen zu gleichaltrigen Kollegen verlieren und
sich isoliert von der Kohorte der jüngeren Beschäftigten füh-
len. Überraschenderweise haben flexiblere Arbeitszeiten oder
Lohnzusatz- bzw. -ersatzleistungen für ältere Beschäftigte keine
Auswirkungen, wodurch die Vermutung bestärkt wird, dass die
finanzielle Motivation für ältere Beschäftigte eher eine unterge-
ordnete Rolle gegenüber den anderen Faktoren spielt.
Insgesamt zeigt sich damit, dass die Entscheidung von älteren
Beschäftigten, in Altersteilzeit oder den vorzeitigen Ruhestand
zu wechseln, nicht isoliert getroffen wird, sondern in die sozi-
ale Struktur der Arbeitsumgebung, die herausfordernden Tätig-
keiten am Arbeitsplatz und die wahrgenommene Unterstützung
des Arbeitgebers eingebunden ist. Es bleibt selbstverständlich
die Frage offen, inwieweit diese Ergebnisse tatsächlich empirisch
auf deutsche Regelungen zu übertragen sind, da die Altersteil-
zeit hierzulande eher als Personalabbaumaßnahme in die Kritik
geraten ist. Dennoch liefert die Studie wichtige Hinweise darauf,
wie Personalverantwortliche ihre Strategien imUmgang mit dem
demografischen Wandel ausrichten sollten.
Besprochen von
Marius Wehner
, International Business,
Universität Paderborn