Seite 52 - PERSONALquarterly_2014_03

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Essentials
_Rezensionen
personalquarterly 03 / 14
W
ir alle sind beruflichen Stressfaktoren ausgesetzt.
Einige Berufsgruppen trifft es dabei besonders
hart: Traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz
sind z. B. für Mitarbeiter in der Notaufnahme,
der Feuerwehr oder der Polizei keine Seltenheit. Bisher ist in
der Forschung wenig über die Bewältigungsstrategien dieser
Mitarbeiter bekannt. Schon Sigmund Freud erkannte Humor in
seiner wichtigen Rolle im Umgang mit Stresssituationen oder
traumatischen Ereignissen und als einen der effektivsten Be-
wältigungsmechanismen. Für belastete Berufsgruppen könnte
Humor daher eine wertvolle Ressource darstellen. Um dieser
Frage nachzugehen, haben die Autoren eine Fragebogenstudie
Humor als Strategie gegen
Stress & Co.
Michael Sliter, Aron Kale
&
Zhenyu Yuan
(Indiana University
Purdue): „Is humor the best medicine? The buffering effect of
coping humor on traumatic stressors in firefighters“. Journal of
Organizational Behavior, 35 (2014), 257-272.
mit 178 Mitarbeitern der professionellen Feuerwehr in den USA
durchgeführt. Da die Daten im Winter in einem schnee­reichen
Gebiet erhoben wurden, fielen zahlreiche Unfälle und witte-
rungsbedingte Notfall-Einsätze in den Erhebungszeitraum. Die
Ergebnisse zeigten, dass Feuerwehrleute nach traumatischen
Ereignissen mehr Ausfallzeiten, mehr Stress- und Burnoutsymp­
tome hatten. Wenn sie aber Humor als Bewältigungsstrategie
einsetzten, konnten diese Symptome abgemildert werden. Mit
anderen Worten: Wer dazu neigt, Stress mit Humor zu nehmen,
schützt seine psychische Gesundheit. Als praktische Implikation
diskutieren die Autoren unter anderem, Humor als Komponen-
te in Stressbewältigungstrainings für Mitarbeiter aufzuneh-
men. Obwohl individuelle Bewältigungsstrategien häufig als
stabil angesehen werden, können kompetente Trainer dennoch
dazu anregen, Humor als (ggf. neue) Bewältigungstaktik ein-
zusetzen. Mit Humor können Stresssituationen positiv umge-
deutet werden, sodass sich Mitarbeiter eher auf ihre positiven
Ressourcen berufen können und sich weniger hilflos fühlen.
Besprochen von
Dr. rer. nat. Nale Lehmann-Willenbrock
, VU
Amsterdam, Department of Social & Organizational Psychology
Leistungsveröffentlichung
motiviert Teams
Robert B. Lount Jr.
&
Steffanie L. Wilk
(Ohio State Universi-
ty): „Working Harder or Hardly Working? Posting Performance
Eliminates Social Loafing and Promotes Social Laboring in Work-
groups“. Management Science, 2014 (forthcoming).
T
eamarbeit kann zu „Trittbrettfahrerverhalten“ führen:
Einige Teammitglieder faulenzen, während sich andere
anstrengen. Andererseits kann Teamarbeit auch moti-
vieren. Welcher dieser Effekte eintritt, scheint stark
vom Arbeitsumfeld abzuhängen. Ziel der empirischen Studie
der Forscher war es zu untersuchen, unter welchen Bedin-
gungen Teamarbeit tatsächlich motivationsfördernd wirkt. Da-
zu kooperierten sie mit einem US-amerikanischen Call-Center:
Agenten sollten für eine Marktbefragung geeignete Kandidaten
durch persönliche Anrufe finden. Die Identifikation eines pas-
senden Kandidaten galt als erfolgreicher Anruf. Passte dieser
nicht, musste weitergesucht werden, bis eine festgelegte Zahl
an Kandidaten gefunden war. Die Agenten arbeiteten allein
oder in Teams. Für einen Zeitraum von sechs Wochen mani-
pulierten die Forscher dann das Arbeitsumfeld. Dabei wurden
die individuellen Leistungen aller Mitarbeiter an einem pro-
minenten Ort auf einem Plakat veröffentlicht (in einer Rang­
tabelle wurden die erfolgreichsten Mitarbeiter unabhängig von
einer Teamzugehörigkeit zuerst aufgeführt). Bei der Analyse
wurde gemessen: 1. Verändert sich die Leistung der Agenten
durch die Veröffentlichung? 2. Beeinflusst Teamzugehörigkeit
eine mögliche Leistungsveränderung? Vergleichsperiode war
ein gleich langer vorheriger Zeitraum ohne Leistungsveröf-
fentlichung. Bei Leistungsveröffentlichung zeigte sich, dass in
Teams arbeitende Agenten einen signifikanten Leistungszu-
wachs im Vergleich zu Alleinarbeitenden aufwiesen. Ohne Ver-
öffentlichung leisteten die allein arbeitenden Mitarbeiter mehr
als die
„T
eam-Agenten
. Die Arbeitsmotivation in Teams ist in
der Studie also stark vom Arbeitsumfeld beeinflusst, vor allem
davon, ob die individuelle Leistung für alle Teammitglieder öf-
fentlich beobachtbar ist.
Das Fazit der Forscher: Soziale Vergleichsprozesse in Teams
durch die Leistungsveröffentlichung fördert die Motivation.
Ohne Veröffentlichung treten die negativen Aspekte des Tritt-
brettfahrers bei Teamarbeit zum Vorschein. Wichtig für die
Wirkung von Leistungsvergleichen zwischen Mitarbeitern in
Teams scheint, dass sich der Vergleich auf eine möglichst glei-
che Arbeitsaufgabe bezieht. Ansonsten könnte die veröffent­
lichte Information über die Leistung der anderen als irrelevant
bewertet werden und keinen Motivationseffekt entfalten.
Besprochen von
Julian Conrads,
Seminar für ABWL, Unterneh-
mensentwicklung und Wirtschaftsethik, Universität zu Köln