Seite 39 - PERSONALquarterly_2014_03

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Work-Life-Conflict anhand der Skalen von Carlson und Kolle-
gen (2000) erhoben (Cronbachs Alpha = 0,89). Die Skalen mes-
sen für beide Konfliktrichtungen (arbeitsbedingte Konflikte
sowie aus dem Privatleben resultierende Konflikte) alle drei
Konfliktdimensionen (zeit-, stress-, sowie verhaltensbasier-
te Konflikte). Die Items der im Original englischsprachigen
Skalen wurden ins Deutsche übersetzt. Daneben wurden im
Wesentlichen demografische Angaben der Probanden als Kon-
trollvariablen erhoben (z. B. Alter, Geschlecht, Krankheitstage,
jährliches Bruttoeinkommen). 229 Personen füllten den Fra-
gebogen vollständig aus. Davon waren 159 Personen weiblich.
Das Durchschnittsalter lag bei rund 38 Jahren und die Proban-
den waren im Schnitt im letzten Jahr ca. 9,5 Tage krank.
Ergebnisse der Studie: „Ja, aber …!“
Die Analyse der Daten wurde durch vier hierarchische, lineare
Regressionsanalysen vorgenommen (einmal für den Zusam-
menhang zwischen transformationaler Führung und Stress,
einmal für den Zusammenhang zwischen transformationaler
Führung und Work-Life-Conflict), in die schrittweise die Kon-
trollvariablen und die unabhängige Variable einflossen. Hier-
durch können die Einflussrichtung und -stärke der Variablen
analysiert werden. Die Ergebnisse der Berechnungen finden
sich für die abhängige Variable Stress in Abbildung 2a, für die
abhängige Variable Work-Life-Conflict analog in Abbildung 3a.
Hinsichtlich der Kontrollvariablen zeigt sich ein signifikanter
Einfluss des Geschlechts, wonach Frauen weniger Stress emp-
finden als Männer. Die unabhängige Variable „transformati-
onale Führung“ wirkt in der erwarteten Form: Sie reduziert
das Stressempfinden, wobei der Korrelationskoeffizient mit
r = -0,25 einen mittelstarken Zusammenhang höchst signi-
fikant widerspiegelt. Dass der Erklärungsanteil dieser Re-
gression nur bei rund 10 % liegt, deutet darauf hin, dass die
transformationale Führung sowie die zuvor berücksichtigten
Kontrollvariablen nur einen geringen Teil des empfundenen
Stresses erklären. Überraschender werden die Ergebnisse,
wenn man die Regression getrennt für die drei Komponenten
der transformationalen Führung berechnet (vgl. Abb. 2b). Zum
einen steigt dann der Erklärungsanteil etwas an, zum anderen
wird deutlich, dass lediglich die Komponente „Kern-Transfor-
mational“, d. h. „Einfluss durch Vorbildlichkeit“/„inspirierende
Motivation“, das Stressempfinden signifikant reduziert. Über-
raschenderweise hat die Komponente „individualisierte Un-
terstützung“ sogar den gegenteiligen Einfluss und führt dazu,
3a
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 3:
Zusammenhang zwischen transformationaler Führung und Work-Life-Conflict
Variablen
Ergeb-
nisse
Kontrollvariablen
Geschlecht
n.s.
Alter
-
Einkommen
n.s.
Führungsverantwortung
n.s.
Berufliche Position
n.s.
Unabhängige Variable
Transformationale Führung
-
Anmerkungen: Abhängige Variable: Work-Life-Conflict
„+“ = positiver Zusammenhang
„-“ = negativer Zusammenhang
„n.s.“ = nicht signifikant
3b
Variablen
Ergebnisse
Kontrollvariablen
Geschlecht
n.s.
Alter
-
Einkommen
n.s.
Führungsverantwortung
n.s.
Berufliche Position
n.s.
Unabhängige Variable
Kern-Transformational
-
Geistige Anregung
n.s.
Indivdidualisierte
Unterstützung
+
Anmerkungen: Abhängige Variable: Work-Life-Conflict
„+“ = positiver Zusammenhang
„-“ = negativer Zusammenhang
„n.s.“ = nicht signifikant