Seite 37 - PERSONALquarterly_2014_03

Basic HTML-Version

03 / 14 personalquarterly
37
Abstract
Forschungsfrage:
Die Belastungen von Mitarbeitern sind in den letzten Jahren gestiegen.
Es ist bislang unklar, welche Rolle transformationale Führung für das Stressempfinden und
den empfundenen Work-Life-Conflict von Mitarbeitern spielt.
Methodik:
Um diese Frage zu beantworten, wurde eine Fragebogenstudie durchgeführt.
Die Daten wurden mittels Regressionsanalysen ausgewertet.
Praktische Implikationen:
Deutlich wird, dass transformationales Führungsverhalten
grundsätzlich geeignet ist, Stress und Work-Life-Conflict zu reduzieren. Es kann jedoch
auch ein gegenteiliger Effekt eintreten.
2. Geistige Anregung beschreibt ein Führungsverhalten, das
die Mitarbeiter ermutigt, eigene Entscheidungen zu treffen,
neue Wege zu gehen und eingefahrene Problemlösungspro-
zesse zu überdenken.
3. Individualisierte Unterstützung bezieht sich auf die Wahr-
nehmung der Mitarbeiter als Individuen statt nur als Mitar-
beiter. Eine individualisiert unterstützende Führungskraft
tritt ihren Mitarbeitern gegenüber als Coach und Mentor auf,
delegiert Aufgaben und gibt jedem Mitarbeiter die Chance,
zu lernen. Individualisiert unterstützende Führungskräfte
ermöglichen es ihren Mitarbeitern, nach und nach höhere
Leistungen zu erbringen und berücksichtigen dabei die in-
dividuellen Bedürfnisse (wie z. B. Ermutigung oder Autono-
mie) und Möglichkeiten des Einzelnen. Des Weiteren umfasst
individualisierte Unterstützung Aufmerksamkeit gegenüber
den Sorgen der Mitarbeiter und Wertschätzung der erreich-
ten Leistungen und Erfolge (Bass, 1985; Avolio et al., 2004).
Reduzierung von Stress und Work-Life-Conflict?
Während positive Effekte der transformationalen Führung auf
die psychische Gesundheit, das Commitment und den Unter-
nehmenserfolg (vgl. z. B. Avolio et al., 2004; Nielsen et al., 2008)
untersucht sind, gilt dies bislang nicht für den Zusammenhang
mit Stress bzw. Work-Life-Conflict, die allerdings aktuell rele-
vante Phänomene darstellen und Belastungen widerspiegeln:
Unter Stress werden Belastungen und übermäßige fachliche
oder zeitliche Beanspruchungen verstanden, die subjektiv als
unangenehm empfunden werden (vgl. Rosenstiel, 2007, S. 111).
Mit Stress sind erhebliche negative Konsequenzen unter an-
derem für die Motivation und Leistungsfähigkeit sowie die Ge-
sundheit und damit die langfristige Beschäftigungsfähigkeit von
Mitarbeitern verbunden (vgl. Westman/Eden, 1996). Allerdings
ist Stress nicht objektiv gegeben, sondern es handelt sich um
ein individuelles, subjektives Empfinden, das von Mitarbeiter
zu Mitarbeiter variieren kann. Vorgesetzte können Mitarbeitern,
die Stress empfinden, durch eine wertebasierte, motivierende
und individualisierte Form der Führung begegnen und versu-
chen, das Stressempfinden zu reduzieren, indem sie motivie-
ren, realistische Ziele aufzeigen, helfen, Probleme zu lösen und
die Mitarbeiter individualisiert führen. Da es sich dabei um
zentrale Gestaltungselemente transformationaler Führung han-
delt, kann davon ausgegangen werden, dass transformational
Führende das Stressempfinden ihrer Mitarbeiter berücksichti-
gen und in der Lage sind, negativ wahrgenommenen Stress zu
vermeiden oder zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund kann
davon ausgegangen werden, dass transformationale Führung
das Stressempfinden der Mitarbeiter reduziert.
Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ist in den letz-
ten Jahren zu einer der zentralen Herausforderungen für In-
dividuen geworden und birgt in beiden Bereichen erhebliches
Konfliktpotenzial. Diese Zusammenhänge werden in der Work-
Life-Balance-Forschung seit Längerem als Work-Life-Conflict
erforscht (vgl. Carlson/Kacmar/Williams, 2000). Dabei wird
davon ausgegangen, dass neben Bereicherungen (Work-Life-
Enrichment) aus der Interaktion des Arbeits- und Privatlebens
auch Konflikte entstehen können. Diese können zeitlicher Art
sein, aus verschiedenen Rollen resultieren, die Belastungen
auslösen und die Wahrnehmung einer anderen Rolle beein-
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 1:
Zusammenhänge zwischen Führung, Stress
und Work-Life-Conflict
Transformationales Führungsverhalten
I. Kern-Trans­
formational
II. Geistige
Anregung
III. Individualisierte
Unterstützung
Stress bzw. Work-Life-Conflict
„ – “ = Es wird ein negativer Zusammenhang zwischen den Variablen
vermutet („Je mehr, desto weniger”)