Seite 19 - PERSONALquarterly_2014_03

Basic HTML-Version

03 / 14 personalquarterly
19
rungen bei Strategien der Aufbereitung und des Einprägens
von Inhalten berichten. Auch bei der Problemstrukturierung
und dem eigenständigen Herangehen an komplexe Aufgaben
nennen die Älteren zahlreiche Beispiele der schrittweisen
Übernahme dieses impliziten Wissens von ihren jüngeren
Kollegen.
3
Miteinander lernen – Effekte auf Lernkultur undMotiva-
tion:
Im Rahmen des Qualifizierungsprogramms verbringen
die jüngeren und älteren Auszubildenden zahlreiche Lern-
stunden gemeinsam, in denen sie außerhalb der Gruppe lie-
gendes Wissen erwerben müssen. Dazu gehören z. B. die
Inhalte der Berufsschulfächer oder praxisrelevante Fertig-
keiten. Aus den Interviews lassen sich positive Effekte der
altersgemischten Zusammensetzung auf das miteinander
Lernen feststellen: Die Lernkultur profitiert nach einer an-
fänglichen Eingewöhnungsphase von dem Altersmix. Für
die Älteren bietet die erneute Ausbildung eine einmalige
Chance, die sie bestmöglich nutzen möchten. Diese positive
Lerneinstellung überträgt sich auf die Gruppe und führt
nach Aussagen der Teilnehmer und Trainer zu einer unter-
durchschnittlichen Zahl an Fehltagen, einem gestiegenen
Selbstbewusstsein der Auszubildenden und mehr Disziplin.
Der Gruppenzusammenhalt und die gegenseitige Hilfsbereit-
schaft werden als ausgeprägt beschrieben. Messen lässt sich
die gestiegene Leistungsmotivation am überdurchschnitt-
lichen Notenniveau der altersdiversen Berufsgruppen.
3
Übereinander lernen – Abbau von Vorurteilen:
Generati-
onen werden durch die chronologisch bedingt gemeinsame
Verarbeitung von sozio-historischen Geschehnissen und ge-
sellschaftlichen Ereignissen beeinflusst. Sie befinden sich in
ähnlichen Lebensphasen und erleben dadurch oftmals über-
einstimmende Fragestellungen und lebensweltliche Heraus-
forderungen. In Prozessen des übereinander Lernens werden
diese Erlebniszustände an andere Altersgruppen weiterge-
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 2:
Vermitteltes Wissen in intergenerationalen Lernprozessen
Voneinander
lernen
Explizites Wissen
3
Ältere vermitteln an Jüngere Fachkenntnisse,
prozedurales und betriebsspezifisches Wissen
3
Jüngere vermitteln an Ältere technisches Wissen und
schulische Kenntnisse
Implizites Wissen
3
Ältere vermitteln an Jüngere Fähigkeitswissen,
Verhaltens­wissen/soziales Wissen und Netzwerkwissen
3
Jüngere vermitteln an Ältere Lernmethoden und Vorgehen
bei der eigenständigen Problemstrukturierung
Miteinander
lernen
Lernklima
3
Enger Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft
3
Mehr Disziplin (geringe Fehlzeiten und Störungen)
Motivation
3
Hohe Leistungsmotivation (überdurchschnittlicher Notenspiegel)
3
Positives Selbstwirksamkeitserleben
Übereinander
lernen
Abbau von
Vorurteilen
3
Ältere über Jüngere: Mehr Fachkompetenz und
Selbststeuerung als erwartet
3
Jüngere über Ältere: Schnellere Auffassungsgabe und
höhere Lernfähigkeit als vermutet
Wertschätzung
3
Entwicklung von gegenseitigem Verständnis
3
Anerkennung der jeweiligen Stärken und Schwächen