Seite 15 - PERSONALquarterly_2014_03

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sind. Doch was liegt diesem Verhalten der Betriebe zugrun­
de? Sicherlich wäre es zu einfach, die alleinige Schuld im zu
geringen Problembewusstsein der Personalverantwortlichen,
zu kurzen Planungshorizonten oder aber übersteigertem Kos­
tenbewusstsein und finanziellen Engpässen im Betrieb zu su­
chen. Die Entwicklung der gesellschaftlichen Situation lässt
sich nicht zwangsläufig auf jeden Betrieb übertragen.
Bei der erfolgreichen Umsetzung einer altersgerechten Per­
sonalpolitik ist jeder Betrieb für sich selbst gefordert. Da sich
die gegebene Vielfalt in Organisationen nicht verallgemei­
nern lässt, kann es kein Patentrezept für eine (ökonomisch)
erfolgreiche altersgerechte Personalpolitik geben. Welche
Maßnahmen den gewünschten Erfolg erzielen, muss jedes
Unternehmen selbst entscheiden. Ob diese Maßnahmen auch
einen messbaren ökonomischen Erfolg zeigen, muss auf Be­
triebsebene untersucht werden.
Bei einer „demografiefesten“ Personalpolitik spielt neben
einem bedarfsgerechten Einsatz altersspezifischer Personal­
maßnahmen eine koordinierte Rekrutierungs- und Perso­
nalentwicklungspolitik eine entscheidende Rolle. Politische
Entscheidungen sind ebenso zu berücksichtigen wie die aktu­
elle Arbeitsmarktlage – denn durch die heutige Einstellungspo­
litik werden die Personalstrukturen der Zukunft determiniert.
Die demografische Entwicklung setzt eine langfristige und gut
durchdachte Strategie im Umgang mit der eigenen Belegschaft
voraus. Kurzfristige Engpässe können mit „Ad-hoc-Entschei­
dungen“ überbrückt werden, führen aber langfristig zu keinem
nachhaltigen Erfolg.
Nur durch einen bewussten, vorausschauenden Umgang mit
diesen Entwicklungen und einem personalpolitisch fundiert
gesteuerten Einsatz „der Alten“ können demografische Hürden
der Zukunft gemeistert und die Wettbewerbsfähigkeit gesi­
chert werden.
Literaturverzeichnis
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Summary
Research question:
Are Old Age Specific Employment Systems able
to enhance the productivity of older workers?
Methodology:
Statistical analysis of German linked employer emplo-
yee data.
Practical implications:
Old Age Specific Employment Systems are a
crucial component in every age-based employment policy. However,
the statistically detectable productivity factor is positive but low. For
making an enterprise „demography-resistant“, there are many other
factors to take into consideration: for example the recruiting strategy,
personnel development measures or the future strategic orientation
of the firm.
DR. SILKE HABERKORN
Stipendiatin am Graduiertenzentrum der
Exzellenz „Improving the Design of Labour
Market Institutions and Practice“
(2009 - 2013) Institut für Arbeitsrecht und
Arbeitsbeziehungen in der EU,
Universität Trier
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