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werte an Altersgruppen in 10-Jahres-Schritten abgebildet, so
dass insgesamt sechs Altersgruppen entstehen. Berücksichtigt
wurden nur Mitarbeiter die zum 30. Juni eines jeden Jahres im
Betrieb in einer Hauptbeschäftigung beschäftigt waren.
Ein erster Blick in die Daten zeigt, dass trotz der anfänglich
gezeigten Alterung der Belegschaften die Anzahl an Betrieben
mit (beschäftigungsverlängernden) ASPM nicht zugenommen
hat. Ganz im Gegenteil – haben im Jahr 2000 noch gut über
die Hälfte der betrachteten Betriebe altersspezifische Perso
nalmaßnahmen angeboten, sind es im Jahr 2008 gerade noch
einmal 46 % (siehe Abb. 2). In den Jahren 2002 bis 2006 wurde
verstärkt auf das Instrument der ATZ zurückgegriffen, wo
hingegen zeitgleich das Angebot an integrativen Maßnahmen
sank. Womöglich war dies eine Reaktion auf das Auslaufen der
staatlich geförderten ATZ. Solange noch die Möglichkeit des
subventionierten frühzeitigen Renteneintritts bestand, wurde
sie auch genutzt. Auffällig ist, dass trotz der regen Nutzung der
ATZ die Anteile der ältesten Altersgruppen deutlich an Masse
gewonnen haben und das Durchschnittsalter in den Betrieben
angestiegen ist (siehe Abb. 1). Selbst eine rege Nutzung der
ATZ als „Verjüngungsinstrument“ der Belegschaften konnte
die Alterung von Deutschlands Belegschaften nicht aufhalten.
Ergebnisse der Produktivitätsschätzungen
Abbildung 3 gibt die „General Method of Moment“-Schät
zungen
1
zu den Einflüssen von ASPM auf die Produktivität der
älteren Altersgruppen in deutschen Betrieben des Verarbei
tenden Gewerbes wieder. Zur besseren Anschaulichkeit wer
den hier nur die beiden relevanten Altersgruppen betrachtet.
Aufgrund der geringen Besetzung der Altersgruppe „65 Plus“
können die berechneten Ergebnisse hier nicht als valide ange
sehen werden. Diese Altersgruppe wird daher im Folgenden
nicht betrachtet. Alle Effektstärken können als Prozentanga
ben interpretiert werden.
Fehlender Einsatz von ASPM:
Der orangene Balken stellt
die Produktivität der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen so
wie der 55- bis 64-Jährigen ohne den Einsatz von ASPM im
Vergleich zur Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen eines jeden
Betriebs dar. Zu sehen ist, dass im Verarbeitenden Gewerbe
die betriebliche Outputleistung der älteren Generationen im
Vergleich zur jüngeren Referenzgruppe der 35- bis 44-Jährigen
abfällt. Ältere Arbeitnehmer scheinen demnach Produktivi
tätsnachteile gegenüber ihren jüngeren Kollegen im Betrieb
zu haben. Worin können die Ursachen hierfür liegen? Die Leis
tungsfähigkeit mit zunehmendem Alter entwickelt sich, wie
eingangs erwähnt, je nach betrachteter Leistungskomponente
unterschiedlich.
Für die einzelnen Aufgaben- und Berufstypen sind zudem
unterschiedliche Leistungsprofile relevant (Veen, 2008). Gera
de im Verarbeitenden Gewerbe finden sich nach Warr (1995)
viele altersproblematische Berufe mit einem frühen Leistungs
maximum. Zu diesen Berufstypen zählen unter anderem kör
perliche (unqualifizierte und qualifizierte Tätigkeiten) sowie
einfache kaufmännische Berufe. So senken z. B. körperliche
Verschleißerscheinungen die Produktivität etwa ab dem
40sten Lebensjahr.
Wird der Blick nun auf die grauen Balken der Abbildung 3
gerichtet, so lassen sich hieraus die Wirkungen der altersspe
zifischen Personalmaßnahmen für das Verarbeitende Gewerbe
ersehen.
Ein positiver Wert bedeutet hier, dass Betriebe, die ASPM
anbieten, eine höhere Produktivität in den jeweils betrachteten
Altersgruppen erzielen als Betriebe ohne spezielle Personal
maßnahmen für ältere Arbeitnehmer. Ein negativer Wert zeigt
den umgekehrten Effekt auf – hier weisen Betriebe mit ASPM
eine niedrigere Produktivität in den jeweiligen Altersklassen
als Betriebe ohne ASPM auf.
Beide Formen von ASPM:
Wie aus Abbildung 3 hervorgeht,
vermag der gezielte Einsatz von ASPM eine positive Beeinflus
sung der Alters-Produktivitätsprofile zu bewirken. Betriebe,
die entweder altersgerechte Arbeitsplätze, eine Anpassung
der Aufgaben an die Leistungsprofile, eine gezielte Förderung
durchWeiterbildung oder aber den gezielten Einsatz von alters
Angaben zu den Alters-Produktivitäts
kennzahlen in Prozent
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des LIAB
Abb. 3:
Alters-Produktivitätskennzahlen mit und
ohne ASPM für das Verarbeitende Gewerbe
55 bis 64
Jahre
45 bis 54
Jahre
-0,5
0
0,5
1
-0,36
0,87*
0,34
-0,09
-0,23
0,75*
-0,02
0,31
ohne ASPM +
integrative ASPM ++
ATZ als ASPM ++
beide Formen ASPM ++
1 Diese besondere statistische Schätzmethode erlaubt es, sowohl der Endogenität der Altersstrukturen
als auch der dynamischen Struktur des Produktivitätsmodells gerecht zu werden.
+ = Daten beziehen sich auf den Unterschied
zur Gruppe der 35- bis 44-Jährigen
++ = Daten beziehen sich im Vergleich auf
Unternehmen, die keine ASPM anbieten
* = statistisch signifikant