personalquarterly 03 / 14
12
Schwerpunkt
_Demografie
genaues Bild der betrieblichen Strukturen widerspiegeln, da
sie in den meisten Fällen mehrere Millionen Arbeitnehmer
und mehrere Tausend Betriebe enthalten. Die Vorteile der
Nutzung einer solchen Datengrundlage sind offensichtlich:
Da es sich um prozessproduzierte Daten handelt, liegt eine
hohe Datenqualität vor, die Daten sind repräsentativ und
die Verlinkung von betrieblichen Daten mit Informationen
über die Belegschaften lässt eine sehr genaue Darstellung
betrieblicher Strukturen zu.
Die vorliegende Studie (Haberkorn, 2013) lässt sich diesem letzt
genannten Ansatz zuordnen und greift zur Analyse möglicher
Produktivitätseffekte von ASPM auf die Jahre 2002 bis 2008 des
Linked-Employer-Employee-Datensatzes (LIAB) des Instituts für
Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zurück. Somit liegt
ein für Deutschland repräsentativer Datensatz zugrunde, der
neben den jährlichen Befragungswellen des IAB-Betriebspanels
auch jährliche Angaben aus den Meldungen der Arbeitgeber bei
den Sozialversicherungsträgern enthält. Die Grundlage für die
Stichprobenziehung des IAB-Betriebspanels ist die Betriebsdatei
der Bundesagentur für Arbeit, welche rund zwei Millionen Be
triebe umfasst. Der Datensatz bietet umfassende Informationen
zu betrieblichen Größen, wie z. B. Investitionen, Umsatz und
Ausgaben, Beschäftigungsentwicklung, Betriebsstrukturen,
Ausbildung, Tarifbindung und Standortangaben sowie zu Be
legschaftscharakteristika wie z. B.Alters- und Qualifikations
profilen. Für die durchgeführten Analysen wurden diese
Angaben berücksichtigt und in die Berechnungen integriert.
Aufgrund der Fülle der bereitgestellten Informationen, der
Komplexität der Datenstruktur und der Tatsache, dass es sich
um prozessproduzierte Daten handelt, leidet die Aktualität
der Datenbasis. Die vorliegende Studie basiert auf den zum
Untersuchungszeitpunkt aktuellsten verfügbarenWellen des
LIAB.
Altersspezifische Personalmaßnahmen und Altersteilzeit
Meine Untersuchung möglicher Produktivitätseffekte von
ASPM konzentriert sich auf das Verarbeitende Gewerbe. Aus
der Untersuchung ausgeschlossen wurden: Kleinstbetriebe mit
weniger als sechs Mitarbeitern, Non-Profit-Betriebe sowie Be
triebe, die nie Angaben über ASPM gemacht haben.
ASPM können sein: 1. Altersteilzeit (ATZ), 2. Besondere Aus
stattung der Arbeitsplätze, 3. Herabsetzung der Leistungsanfor
derungen, 4. Altersgemischte Besetzung von Arbeitsgruppen,
5. Einbeziehung Älterer in betriebliche Weiterbildungsmaß
nahmen, 6. Spezielle Weiterbildungsangebote für Ältere und
7. Andere Maßnahmen für Ältere.
Die ATZ wird dabei aufgrund des in der Praxis nahezu aus
schließlich verwendeten Blockmodells (in über 80 % der Fälle
wird die ATZ in dieser Form eingesetzt (Wagner, 2010)) sepa
rat betrachtet, da hier nicht eine Beschäftigungsverlängerung,
sondern vielmehr eine frühzeitige Ausgliederung Älterer aus
dem aktiven Erwerbsleben im Vordergrund der Überlegungen
steht.
Die soeben unter Punkt 2. bis 7. aufgeführten Maßnahmen
werden zusammengefasst und als integrative Maßnahmen be
zeichnet, da hier eine Verbesserung der Beschäftigungsfähig
keit Älterer im Fokus der Überlegungen steht.
Aus diesen zwei gebildeten Kategorien von ASPM lassen sich
nun vier Betriebstypen ableiten:
1. Betriebe, die keine ASPM anbieten
2. Betriebe, die nur integrative ASPM anbieten
3. Betriebe, die nur die Altersteilzeit anbieten
4. Betriebe, die sowohl integrative ASPM als auch ATZ anbieten.
Die Produktivität eines Betriebs wird in Anlehnung an voran
gegangene Studien (z. B. Göbel/Zwick, 2009) mithilfe der Brut
towertschöpfung, die sich aus Umsatz abzüglich Vorleistungen
ergibt, berechnet. Betriebe, die nicht gewinnorientiert ausge
richtet sind, oder aber keinen Umsatz ausweisen, wurden da
her aus den Analysen herausgenommen. Im Ergebnis enthält
die verwendete Datenbasis zur Produktivitätsschätzung 11.691
Beobachtungen im Verarbeitenden Gewerbe. Zur besseren Ver
gleichbarkeit der Produktivität von kleinen und großen Betrie
ben wird die Produktivität pro „Vollzeitäquivalent“ betrachtet,
d. h. teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer gehen hälftig in die
Berechnungen ein. Das Belegschaftsalter wird durch Anteils
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des LIAB
Abb. 2:
Entwicklung der einzelnen ASPM-Klassen
über die Jahre 2000 bis 2008
60
50
40
30
20
10
0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Integrative ASPM
Angaben in Prozent
Beide Formen
ATZ als ASPM
ASPM vorhanden