Seite 53 - PERSONALquarterly_2014_02

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Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie
Unser Rezensenten-Team wird darüber hinaus an dieser Stelle
auch richtungsweisende Veröffentlichungen aus weiteren Publi­
kationen darstellen.
Neues aus Top-Journals
N
achdem Dave Ulrich den Begriff „HR Business Part-
ner“ in den 1990er-Jahren prägte, unterliegt das
gesamte Personalmanagement in Organisationen
einem kontinuierlichen Wandel: weg von einem „Er-
füllungsgehilfen“ mit administrativen Aufgaben hin zu einem
vollwertigen Partner der Geschäftsführung mit strategischen
Aufgaben. Es existieren jedoch zwei Trends im Personalma-
nagement, bei denen noch unklar ist, ob sie die Position des
Personalmanagements als strategischen Partner fördern oder
gefährden. Zum einen unterliegen Personalaufgaben zuneh-
mend dem sog. Human Resource Outsourcing (HRO), d. h.,
Personalaufgaben werden an einen externen Dienstleister
übergeben. Zum anderen existiert ein Trend zumDevolvement,
d. h., Personalaufgaben werden zunehmend von der Personal-
abteilung an das Linienmanagement übergeben.
Bei beiden Trends werden in Forschung und Praxis sowohl Vor-
als auch Nachteile vermutet. BeimHRO und Devolvement soll das
Personalmanagement von administrativen Routineaufgaben ent-
lastet werden, um im Gegenzug verstärkt strategische Aufgaben
zu übernehmen. Umgekehrt verliert das Personalmanagement
durch HRO und Devolvement möglicherweise wichtige Kernauf-
gaben, Verantwortung und Einfluss innerhalb des Unternehmens
und wird dadurch eher ein Opfer von Kostensenkungszielen und
Einsparungen. Astrid Reichel und Mila Lazarova gehen deshalb
der Frage nach, welche Auswirkungen HRO und Devolvement
auf die strategische Position des Personalmanagements hat. Die
Daten der letzten CRANET-Erhebung im Jahr 2008/2009 aus 17
europäischen Ländern und insgesamt 2.688 privaten und öffent-
lichen Organisationen bilden hierfür die Grundlage.
In Bezug auf den Trend zum Devolvement zeigen die Ergeb-
nisse, dass eine verstärkte Übertragung von Personalaufgaben
(Rekrutierung, Training und Entwicklung, Vergütung) an das
Linienmanagement die strategische Position des Personalma-
nagements verringert. Dies unterstützt diejenigen Vertreter,
die von den negativen Konsequenzen des Devolvement-Trends
überzeugt sind und dadurch die strategische Partnerschaft des
Personalmanagements gefährdet sehen.
Wenn letztlich immer mehr Personen innerhalb einer Organi-
sation mit Personalverantwortlichkeiten ausgestattet werden, ist
es wahrscheinlich, dass der Einfluss und damit die strategische
Bedeutung des gesamten Personalmanagements abnehmen.
Welche Trends das HR-
Management gefährden
Astrid Reichel
(Vienna University) &
Mila Lazarova
(Simon
Fraser University): „The effects of outsourcing and devolvement
on the strategic position of HR departments“. Human Resource
Management, 52 (2013), 923-946.
Die Ergebnisse für HRO dagegen zeigen ein anderes Resul-
tat. Die Fremdvergabe von administrativen Personalaufgaben
(Lohnbuchhaltung, Zusatzleistungen, Pensionen) an einen
externen Dienstleister erhöht tatsächlich die strategische Po-
sition des Personalmanagements, womit die theoretischen
Vorteile des HRO in der Praxis bestätigt werden. Dagegen wird
kein Zusammenhang zwischen der Fremdvergabe von strate-
gischen Personalaufgaben (Rekrutierung, Selektion, Training
und Entwicklung) und der strategischen Position gefunden.
Somit scheint ein HRO von Kernaufgaben die Position des
Personalmanagements weder zu fördern noch zu gefährden.
In der Praxis kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass
die Trends zum HRO bzw. Devolvement und ein strategischer
HR Business Partner eher komplementär als konfliktär sind,
sofern frei werdende Ressourcen des Personalmanagements
für die Übernahme strategischer Aufgaben genutzt und nicht
zum Ziel von Einsparpotenzialen werden.
Besprochen von
Marius Wehner
, International Business,
Universität Paderborn