PERSONALquarterly 02 / 14
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NEUE FORSCHUNG
_NEUROLEADERSHIP
festmachen: Vertrauensvolle Beziehungen eingehen können,
anderen helfen, Hilfe annehmen können, Anerkennung/
Wertschätzung äußern, autonomes und leistungsorientiertes
Verhalten zeigen, Kontrolle ausüben und erleben können, In-
teresse an Weiterbildung haben, das Leben als sinnvoll erleben
und es genießen können sowie einen eher hohen Selbstwert
aufweisen.
Gesundheit wird sehr stark durch ein hohes Selbstvertrauen
gefördert – solche Personen zeichnen sich dadurch aus, dass
sie Aufgaben mit mittleren Schwierigkeitsgraden bevorzugen,
sich also weder über- noch unterfordern. Entsprechend können
Führungskräfte dafür sorgen, genau solche Aufgaben zu ver-
geben – was allerdings wiederum einen entsprechend engeren
Kontakt zu den Mitarbeitern voraussetzt. Zudem erkennt man
solche Personen am weitestgehenden Fehlen von Trennungs-
gefühlen, Hilflosigkeit und Versagensängsten.
Und schließlich fehlt – dazu passend – ein Übermaß an ne-
gativen Emotionen wie Angst, Ärger, Zorn, Traurigkeit, Schuld,
Neid und Verachtung, die zu mangelnder Motivation führen
und sich dadurch negativ auf Gesundheit und auch Leistung
auswirken.
Ergebnisse der Studie zur Forschungsfrage 2
Betrachtet man hier die Ergebnisse, so wird zunächst recht
überraschend deutlich, dass die Variablen aus dem SCARF-
Modell keinerlei Rolle mehr spielen und sich zudem die Anzahl
der relevanten Einflussgrößen – nämlich die der Konsistenz-
theorie – reduziert, mit deren Hilfe Leistung und Gesundheit
beeinflusst werden können.
Leistung wird im Umfang von 38 % und Gesundheit im Um-
fang von 64 % vorhersagt. Bei der Vorhersage der Leistung
spielen ein sicherer Bindungsstil (ß = 0,28) und eine ausge-
prägte Annäherungsmotivation (ß = 0,54) eine zentrale Rolle,
wohingegen Gesundheit vomGrundsatz her nur noch von einer
hohen Ausprägung des Selbstwertgefühls (ß = 0,72) beeinflusst
wird. ImVergleich zur obigen Einzelanalyse bedeutet dies, dass
die Einflussstärke dieser drei Faktoren nochmals zunimmt:
Sicherer Bindungsstil – ein Zuwachs – um 87 %, Annäherungs-
motivation um 32 % und Selbstwertgefühl um 11 %(vgl. Abbil-
dung 3).
Praktische Implikationen
Dieses Forschungsprojekt hatte zum Ziel, zwei Konzepte des
„Neuroleadership“ empirisch zu prüfen – und zwar in Bezug
auf die Frage, ob hierdurch Leistung und Gesundheit gefördert
werden kann. In der weltweit ersten Studie dieser Art konnten
einige der vermuteten Zusammenhänge belegt werden, andere
Ergebnisse – vor allem im Zusammenhang mit dem SCARF-
Modell – waren eher unerwarteter Natur: Es wurde deutlich,
dass den durch das SCARF-Modell abgeleiteten Kontextfak-
toren Status, Certainty, Autonomy, Relatedness und Fairness
bei der Gestaltung leistungs- und gesundheitsförderlicher Rah-
menbedingungen keine Bedeutung zukommt.
In Abbildung 4 werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund
ihrer Praxisimplikationen als sich selbstverstärkender Regel-
kreis dargestellt:
1. Das Führungssystem und/oder die Führungskraft stellt per-
sönlichkeitsfördernde Aufgaben bereit und verknüpft sie mit
transparenten Zielen.
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 3:
Einflussfaktoren auf Leistung und Gesundheit
aus gemeinsamer Perspektive beider Modelle
Leistung
38%
Sicherer
Bindungsstil
0,28
Selbstwert-
gefühl
Annäherungs
motivation
0,54
0,26
Gesundheit
64%
0,72
Es werden ausschließlich signifikante Ergebnisse dargestellt.
< 0.2 = geringe Einflussstärke, 0,2 - 0,4 = mittlere Einflussstärke, > 0,5 = hohe Einflussstärke
Abb. 4:
Selbstverstärkender Regelkreis
Quelle: Eigene Darstellung
• Führungskraft
• Führungssystem
• Transparente Ziele
• Persönlichkeits
fördernde Aufgaben
• Erfolgs
erlebnisse
• Positives
Feedback
• Bindungsstil
• Selbstwertgefühl
• Annäherungs
motivation
• Erweiterung des ge
genwärtigen Denk- und
Handlungsrepertoires
• Aufbau nach
haltiger persönli
cher Ressourcen
• Verände
rung des
Kompetenz
portfolios
• Höhere Leistung
• Bessere
Gesundheit
Aktivierung des
Belohnungssystems:
Ausschüttung von
Neurotransmittern