Seite 43 - PERSONALquarterly_2014_02

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wurden Berufstätige befragt, an die ein Online-Fragebogen
verschickt wurde (November bis Dezember 2012; Grund-
gesamtheit: ­n = 2.125 Berufstätige). An der Befragung nah-
men 940 Personen teil (= Rücklaufquote: 44 %). Weitere
Merkmale der Stichprobe sind: Altersbereich von „unter
25“, ab dort in 5-Jahresschritten bis zu „über 50 Jahre“; Ge-
schlecht: 61 % Frauen, ­39 % Männer; 34 % Führungskräfte,
66 % ohne Führungserfahrung.
Ergebnisse der Studie zur Forschungsfrage 1
SCARF-Modell:
Betrachtet man hier die Ergebnisse im Zu-
sammenhang mit dem SCARF-Modell
2
, so wird deutlich, dass
Leistung im Umfang von 22 % und Gesundheit im Umfang von
– nahezu vernachlässigenden – 8 % vorhergesagt wird. Bei der
Vorhersage der Leistung spielen Autonomie (ß = 0,15; „ß“ = Stär-
ke des Zusammenhangs) und das Zugehörigkeitsgefühl (ß = 0,21)
eine Rolle, wohingegen Gesundheit vom Sicherheitsempfinden
(ß = 0,24) abhängt. Zu ergänzen ist, dass der Zusammenhang
zwischen Leistung und Gesundheit mit = 0,26 eher niedrig ist
(vgl. Abb.1).
Aus Praxissicht bedeutet dies, dass Leistung einerseits durch
das Erleben möglicher Einfluss- und Kontrollausübung, das
Empfinden von Wahlmöglichkeiten sowie die Teilhabe bei Ent-
scheidungsprozessen (Autonomie) gefördert werden kann.
Andererseits steigt die Leistung aber auch durch Vertrauen,
Arbeit in kleineren Gruppen, einer lernorientierten Unter-
nehmenskultur sowie durch den Aufbau von klar definierten
Partnerschaften (Zugehörigkeit). Ein stark intervenierender,
kontroll- und regelgeleiteter Führungsstil, der wenig Freiräu-
me und Selbstbestimmung ermöglicht, reduziert das Erleben
von Autonomie. Allerdings darf dies nicht als Freifahrschein
für eine grenzenlose Autonomie missverstanden werden – es
ist auf eine Balance zwischen Aufgabenanforderungen und
Autonomiebedürfnissen zu achten.
Konsistenztheorie:
Betrachtet man die Ergebnisse jedoch aus
Perspektive der Konsistenztheorie, so wird deutlich, dass hier
Leistung im Umfang von 39 % und Gesundheit im Umfang von
53 % vorhergesagt wird. Bei der Vorhersage der Leistung spielen
ein sicherer Bindungsstil (ß = 0,15) und eine ausgeprägte Annä-
herungsmotivation (ß = 0,41) eine zentrale Rolle, wohingegen
Gesundheit im hohemMaße von dem Selbstwertgefühl (ß = 0,65)
sowie der Abwesenheit einer Vermeidungsmotivation (ß = -0,32)
und dem Fehlen negativer Emotionen (ß = -0,51) abhängt (vgl.
Abb. 2).
Aus Praxissicht bedeutet dies, dass berufsbezogene Leistung
einerseits durch einen sicheren Bindungsstil beeinflusst wird.
Mikulincer/Shaver (2007) haben gezeigt, dass Mitarbeiter
mit sicherem Bindungsstil im Gegensatz zu Personen mit
ängstlichem oder vermeidendem Bindungsstil höhere Ausprä-
gungen bei organisationalem Commitment, prosozialem Ver-
halten, spontanem produktivem Verhalten sowie eine höhere
allgemeine Arbeitszufriedenheit aufweisen und sich positiv
über ihr Wohlbefinden äußern. Leistungsfördernde Annähe-
rungsschemata lassen sich zudem anhand folgender Merkmale
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 1:
Einflussfaktoren auf Leistung und Gesundheit
aus Perspektive des SCARF-Modells
Leistung
22%
Autonomy
0,15
Certainty
Relatedness
0,21
0,26
Gesundheit
8%
0,24
2 Für die vorliegende Fragestellung war es wichtig, die Wirkung der Einflussfaktoren gleichzeitig mit
Leistung und Gesundheit in Beziehung zu setzen. Daher wurde als statistische Analysemethode das
„Allgemeine Lineare Modell“ (SPSS 21) eingesetzt.
Es werden ausschließlich signifikante Ergebnisse dargestellt.
< 0.2 = geringe Einflussstärke, 0,2 - 0,4 = mittlere Einflussstärke, > 0,5 = hohe Einflussstärke
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 2:
Einflussfaktoren auf Leistung und Gesundheit
aus Perspektive der Konsistenztheorie
Leistung
39%
Sicherer
Bindungsstil
0,15
Vermeidungs­
motivation
Annäherungs­
motivation
0,41
0,26
Gesundheit
53%
-0,32
Negative
Emotionen
-0,51
Selbstwert­
gefühl
0,65
Es werden ausschließlich signifikante Ergebnisse dargestellt.
< 0.2 = geringe Einflussstärke, 0,2 - 0,4 = mittlere Einflussstärke, > 0,5 = hohe Einflussstärke