02 / 14 PERSONALquarterly
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ABSTRACT
Forschungsfrage:
1. In welchem Umfang können bisherige Führungskonzepte des Neuro-
leadership Leistung und Gesundheit vorhersagen? 2. Welcher Theorieansatz eignet sich am
besten, Leistung und Gesundheit vorherzusagen?
Methodik:
Erhebungsmethode – Fragebogenstudie mit Berufstätigen (n = 940)
Praktische Implikationen:
Durch die vorliegende Arbeit konnte gezeigt werden, dass
eine ausgeprägte Annäherungsmotivation, ein starkes Selbstwertgefühl sowie ein sicherer
Bindungsstil Leistung und Gesundheit positiv beeinflussen, was wiederum eine Individuali-
sierung des Führungsverhaltens voraussetzt.
„Fairness“ dar (Rock, 2008). Diese fünf Dimensionen aktivieren
das Bedrohungs- oder das Belohnungszentrum, fungieren aber
nicht vollkommen unabhängig voneinander.
Die Dimensionen des SCARF-Modells können genutzt wer-
den, um Hinweise für Praktiken „gehirngerechter Führung“
identifizieren zu können:
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Status:
Die Dimension (relativer) „Status“ beschreibt die
individuelle Wahrnehmung der Geltung und Stellung eines
Menschen gegenüber anderen. Erleben wir unsere relative
Wichtigkeit im Vergleich zu anderen als höher, wird unser
Belohnungszentrum ähnlich wie bei einem Sieg in einem
Wettkampf oder einer Diskussion aktiviert, was unser Selbst-
wertgefühl vergrößert. Wenn wir dagegen eine Verringerung
unseres Status wahrnehmen, löst dies sofort eine Bedrohung
in uns aus, die zu einem Rückzug führt.
3
Certainty:
Die Dimension „Certainty“ spiegelt den Wunsch
eines Individuums wieder, Gewissheit über die Geschehnisse
und Situationen der nahen Zukunft zu haben. Das Gehirn
versucht, durch das Erkennen von Mustern Gewissheit über
zukünftige Handlungen und Situationen zu erhalten und für
vorhersehbare Situationen Automatismen zu entwickeln. Das
Gefühl von Ungewissheit und fehlende Möglichkeiten des Tref-
fens von Vorhersagen rufen in unserem Gehirn eine Art „Feh-
lerreaktion“ hervor. Diese lenkt unsere Aufmerksamkeit auf
diesen „Fehler“ und gibt die Konzentration erst dann wieder
auf andere Dinge frei, wenn wir den „Fehler“ behoben haben.
3
Autonomy:
Die Dimension „Autonomy“ beschreibt die Wahr-
nehmung von Kontrolle, die wir selbst gegenüber unserer
Umwelt ausüben können, wie die Möglichkeit, gewisse Situ-
ationen zu beeinflussen und eigenverantwortlich handeln zu
können. Dies bedeutet, dass das Individuum in einer spezi-
fischen Situation das Gefühl hat, eine Wahl zwischen mehre-
ren Optionen zu haben. Eine Erhöhung der Wahrnehmung von
Kontrolle auf die Umwelt führt zu einer Belohnungsreaktion,
wohingegen eine Reduzierung der Wahrnehmung der eigenen
Kontrolle eine starke Bedrohungsreaktion hervorrufen kann.
3
Relatedness:
Die Dimension „Relatedness“ beschreibt das
Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe sowie die Ent-
scheidung, ob ein Gegenüber als Freund oder Feind zu
betrachten ist. Die soziale Zugehörigkeit ist ein wichtiger
Treiber von Verhalten in vielen verschiedenen Situationen.
Gruppen vermitteln Gefühle der Geborgenheit und dienen
als Quelle der Anerkennung und Wertschätzung. Empfindet
ein Individuum keine oder nur mangelnde Zugehörigkeit,
wird vom Körper eine Bedrohungsreaktion erzeugt, die als
Gefühl der Einsamkeit beschrieben werden kann.
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Fairness:
Die Dimension „Fairness“ beinhaltet die Erwartung
eines Individuums von einem gerechten Austausch zwischen
Menschen. Wie schon die Dimension „Status“ wird auch
Fairness vom Menschen im Sinne eines Vergleichs wahrge-
nommen. Sind für uns die Relation zwischen den Outcomes
unserer Leistungen und denen Dritter mit den jeweiligen In-
puts vergleichbar, so wird unser Belohnungssystem aktiviert.
Kommt es hierbei zu starken Ungleichgewichten, so entsteht
bei einem Individuum eine starke Bedrohungsreaktion.
Konsistenztheorie – die vier menschlichen Grundbedürfnisse
Die Konsistenztheorie kann genutzt werden, um Hinweise für
personenbezogene Merkmale abzuleiten, die aufgrund der zu-
grunde liegenden neuronalen Mechanismen in besonderem
Maße mit Leistung und Gesundheit in Verbindung stehen.
Grawe (2004) betrachtet in seiner Konsistenztheorie das psy-
chische Funktionieren von Menschen auf der Basis der Befrie-
digung von Grundbedürfnissen, die wiederum als individuelle
motivationale Ziele aufgefasst werden.
Die Konsistenztheorie geht von vier Ebenen dieses psychi-
schen Funktionierens aus, die sich wechselseitig beeinflussen:
Ebene 1 – Streben nach Konsistenz:
Nach Grawe streben
Lebewesen nach Konsistenz, d. h. einer Übereinstimmung bzw.
Vereinbarkeit gleichzeitig ablaufender neuronaler und psychi-
scher Prozesse.
Ebene 2 – Streben nach Bedürfnisbefriedigung:
Grawe
vertritt die These, dass menschliches Handeln zielgerichtet
erfolgt und primär die Befriedigung von vier Grundbedürfnis-
sen verfolgt:
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Bedürfnis nach Bindung:
Bindung bedeutet – ungeach-
tet des Alters des Menschen – die Erfahrung, dass man bei
einem anderen in Krisensituationen Sicherheit und Gebor-
genheit erfahren kann. Neurowissenschaftliche Forschung
ergab, dass Bindungsstile einen Aufschluss über positive