Seite 38 - PERSONALquarterly_2014_02

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PERSONALquarterly 02 / 14
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NEUE FORSCHUNG
_FÜHRUNG
beiträgt, dass sich das „Organisationale Citizenship-Verhalten“
der Mitarbeiter steigert und somit die Gesamtunternehmens­
leistung zunimmt.
Im Gegensatz dazu führt eine Differenzierung des indivi­
duellen Führungsverhaltens innerhalb des Unternehmens zu
einem reduzierten emotionalen Commitment der Mitarbeiter,
was sich dann wiederum auch in einem reduzierten produk­
tiven Verhalten und damit auch in einer zurückgehenden Ge­
samtunternehmensleistung niederschlägt.
Aktuelle Studie
Das vorgeschlagene Modell wurde mit einer Befragungsstudie
in einer Stichprobe von 157 deutschen klein- und mittelstän­
dischenUnternehmen aus verschiedenen Branchen (Dienstleis­
tung, Finanzen und Versicherungen, Groß- und Einzelhandel,
Produktion) mit mehr als 16.900 Mitarbeitern untersucht.
Um eine Verzerrung der Ergebnisse zu vermeiden, wur­
den unterschiedliche Datenquellen für die Führungsstile, die
Prozessvariablen (Emotionales Commitment und „Organisati­
onales Citizenship-Verhalten“) sowie die Unternehmensleis­
tungsvariable verwendet.
Während die Informationen zum Führungsverhalten und
den Prozessvariablen von verschiedenen zufällig ausgewähl­
ten Mitarbeitern erhoben wurden, kamen die Informationen
zu der Unternehmensleistung von dem jeweiligen führenden
Personalverantwortlichen.
Die individuellen Antworten der Mitarbeiter wurden dann
jeweils auf der Unternehmensebene zusammengefasst, um so­
mit einen Wert pro Unternehmen zu haben.
Um die unterschiedlichen Formen des Führungsverhaltens
auf der Unternehmensebene abzubilden, wurden verschiedene
statistische Verfahren angewandt. So wurde für die kollektiven
Dimensionen (kollektive Ziele und kollektive Dimension) der
Durchschnittswert pro Unternehmen verwendet.
Für die Dimensionen der differenziert-individuellen Füh­
rung (intellektuelle Anregung und individuelle Förderung
und Beachtung) hingegen, wurde die durchschnittliche Abwei­
chung pro Unternehmen verwendet. Dadurch ist es möglich,
die Gleich- oder Ungleichverteilung im Verhältnis zum Durch­
schnittswert dieser Führungsverhaltensweisen innerhalb der
Unternehmen abzubilden.
Da es sich bei allen Untersuchungsvariablen um Selbstein­
schätzungen der Mitarbeiter handelt, wurden diese jeweils mit
mehreren Fragen erhoben, um einen möglichen Messfehler
zu vermeiden. Trotzdem kann ein solcher Messfehler, der die
vermuteten Zusammenhänge verzerrt und beeinflusst, nicht
völlig ausgeschlossen werden.
Aus diesem Grund wurde die Überprüfung der Ergebnisse
mit sogenannten Strukturgleichungsmodellen durchgeführt,
die es ermöglichen, die Güte der Messung der Variablen zu
überprüfen und auch gleichzeitig die Richtung und Stärke der
Zusammenhänge zwischen den Variablen zu ermitteln. Um
aussagekräftige und zuverlässige Ergebnisse aus jeglicher
Form von Mitarbeiterbefragungen zu ziehen, sind deshalb sol­
che Strukturgleichungsmethoden immer klassischen Regressi­
onsmodellen zum Schätzen von Zusammenhängen, die sowohl
in Forschung als auch in der Praxis häufig angewendet werden,
vorzuziehen.
Wie in Abbildung 3 dargestellt, konnten alle vermuteten
Zusammenhänge innerhalb der vorhandenen Unternehmens­
stichprobe bestätigt werden.
Individuell-differenziertes Führungsverhalten steht dem­
nach in einer indirekten und negativen Beziehung zu der
Gesamtunternehmensleistung vermittelt durch kollektives
emotionales Commitment und kollektives „Organisationales
Citizenship-Verhalten“. Dieser negative Effekt wird noch durch
ein hohes transaktionales Führungsklima verstärkt.
Kollektives Führungsverhalten hingegen führt zu einer
höheren Unternehmensleistung, vermittelt durch kollektives
emotionales Commitment und kollektives „Organisationales
Citizenship-Verhalten“.
Wie vermutet, spielt für diesen Zusammenhang das transak­
tionale Führungsverhalten innerhalb des Unternehmens kei­
ne Rolle. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse konnte dadurch
erhöht werden, dass eine Vielzahl von alternativen Modellen
berechnet wurden (insgesamt 11), um eine Reihe möglicher
Alternativerklärungen und Verzerrungen für die Ergebnisse
auszuschließen.
Fazit und zentrale praktische Handlungsempfehlungen
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die zentralen
Befunde der hier beschriebenen Studien recht eindeutig sind:
Transformationale Führung scheint nicht ausschließlich die po­
sitive Wirkung auf Gruppen- und Unternehmensleistung zu ha­
ben, wie es in den vergangenen Jahren in Forschung und Praxis
vermutet wurde.
Vielmehr erscheint eine differenziertere Betrachtung der
einzelnen Subdimensionen der transformationalen Führung
angebracht.
Für die kollektive Leistungsfähigkeit von Arbeitsgruppen
und ganzen Unternehmen erscheint es sinnvoll, sich vornehm­
lich auf die kollektiven Dimensionen der transformationalen
Führung (Formulieren und Verbreiten einer inspirierenden
Vision und das Fördern von kollektiven Zielen) zu fokussieren.
Bei der Differenzierung der individuellen Dimensionen von
transformationaler Führung, individueller Beachtung und
individueller intellektueller Stimulation, ist erhöhte Vorsicht
geboten.
Zwar sollte auf eine individuelle Förderung von Mitarbeitern
natürlich nicht gänzlich verzichtet werden, aber Führungskräf­
te sollten sich bewusst sein, dass eine starke Differenzierung
zu Problemen und reduzierter Leistung in Teams und auch in