Seite 28 - PERSONALquarterly_2014_02

Basic HTML-Version

PERSONALquarterly 02 / 14
28
SCHWERPUNKT
_NETZWERKEN
Betrieben sinnvoll einsetzen. Man unterscheidet zwischen
Primäranalyse und Sekundäranalyse.
Primäranalyse
:
Bei der Primärdatenauswertung bedient
man sich Verfahren der Netzwerkanalyse unmittelbar im Be-
werbungsgespräch oder imAssessment, wobei man den Bewer-
ber soziale Kontakte visualisieren lässt. Die visuelle Erhebung
erfolgt im Dialog mit dem Bewerber durch die Erstellung eines
Netzwerkbildes oder einer Netzwerkkarte (Schönhuth, 2013).
Dabei bringt der Bewerber die Beziehungen zu seinen (aus
seiner Sicht) zentralen Kontakten entweder in Form einer
freien Zeichnung (Netzwerkbild) oder in einer strukturierten
Netzwerkkarte (meist Kreisdiagramm) zum Ausdruck. Die
Netzwerkbilder bieten eine große Gestaltungsfreiheit, die es
ermöglicht, weitreichende Informationen über das Netzwerk,
die darin vorhandenen Akteure und das Zustandekommen,
die Qualität und die Funktion der Beziehungen einzuholen. Da
diese Methode sehr zeitintensiv ist und die Vergleichbarkeit
mit den Netzwerkbildern anderer Bewerber gering ist, ist sie
nur für den Führungsbereich empfehlenswert. Netzwerkkar-
ten sind hingegen für alle Bereiche geeignet, da sie intuitiv
anwendbar, leicht zu erstellen und gut vergleichbar sind. Man
unterscheidet zwischen haptischen (fühlbaren) und digitalen
Netzwerkkarten (Schönhuth, 2013). Bei den haptischen Karten
werden dem Bewerber Papier und Stift oder zusätzliche Werk-
zeuge (Münzen, Spielfiguren) an die Hand gegeben, die digi-
talen Karten werden am PC erstellt. Durch die Netzwerkkarte
kann der Bewerber dem zukünftigen Arbeitgeber sein bishe-
riges berufliches Kontaktnetzwerk sichtbar machen. Beispiels-
weise kann dem Bewerber eine Problemstellung an die Hand
gegeben werden und er zeichnet diejenigen Netzwerkkontakte
auf, die er zur Lösung des Problems kontaktieren würde.
Sekundäranalyse
: Bei der Sekundäranalyse werden bewer-
berbezogene Daten ausgewertet.
Eine Übersicht mit Beispielen, wie diese gewonnen werden
können, gibt Abbildung 4. Dies können neben den bereits
vorgestellten Publikations- beispielsweise auch Patent- oder
Fördermitteldaten sein. Zudem können auch Daten von realen
Netzwerken (z. B Unternehmernetzwerke, Clusterinitiativen)
oder Informationen von beruflichen und sozialen Netzwerk-
plattformen wie XING, LinkedIn oder Research Gate ausgewer-
tet werden. Bei der Auswahl der Daten ist zu berücksichtigen,
dass einige Analysen sehr zeitaufwendig sind. Zudem sind ei-
nige Angebote kostenpflichtig oder die Informationen über die
Netzwerkmitglieder müssen direkt bei den Verantwortlichen
des Netzwerks angefragt werden. Die so erhaltenen Informa-
tionen, zum Beispiel über die Mitglieder eines Unternehmer-
netzwerks, haben jedoch einen sehr hohen Informationsgehalt
vor allem in Bezug auf branchenspezifische Expertisen und
Kooperationsbeziehungen. Auch die Auswertung von Online-
plattformen für berufliche und soziale Kontakte können zen-
trale Informationen über die Bewerber liefern. Dabei ist jedoch
darauf hinzuweisen, dass gerade allgemeine soziale Netzwerke
(z. B. Facebook) kaum beruflich relevante Informationen ent-
halten und der Zugriff auf diese Netzwerke aus datenschutz-
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 4:
Quellen für die Datenauswertung bei einer Sekundäranalyse
Daten
Quellen (Beispiel)
Datenzugang
Vorteile
Nachteile
Patentdaten
PATSTAT (Worldwide Pa­
tent Statistical Database)
frei zugänglich, kosten­
pflichtig
sehr objektiv, Längs­
schnittdaten
zeitintensiv, spezifische
Berufe
Publikations­
daten
Web of Knowledge
frei zugänglich, kosten­
pflichtig
sehr objektiv, Längs­
schnittdaten
zeitintensiv, spezifische
Berufe
Berufliche
Netzwerke
Clusterinitiativen,
Verbände, Unternehmer-
netzwerke
erschwerter Zugang,
teilweise kostenpflichtig
sehr hoher Informations-
gehalt
zeitintensiv
Soziale Netz­
werke (online)
Facebook
Zugang zu Informatio­
nen teilweise gesperrt,
kostenfrei
Soziale Kompetenz
Eingriff in Privatsphäre,
geringe Relevanz für
Einstellungen
Berufliche Netz­
werke (online)
XING, LinkedIn, Research
Gate
freier Zugang, kostenfrei
zeitsparend, Referenzen
helfen bei Bewertungen
Eingriff in Privatsphäre