Seite 27 - PERSONALquarterly_2014_02

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direkte Netzwerkpartner herausgefiltert. Die Ergebnisse zeigen,
dass die publikationsstärksten Wissenschaftler auch ein großes
und dichtes Netzwerk aufweisen. Betrachtet man ihre Netzwerke
im Detail, so wird deutlich, dass diese Forscher (bis auf eine Aus-
nahme) wiederum über andere Akteure des Netzwerks verbun-
den sind. Das wichtigste Ergebnis ist jedoch, dass sechs dieser
Wissenschaftler auch miteinander publiziert haben, einige sogar
mehrfach. Diese Erkenntnis ist zentral, da sie darauf schließen
lässt, dass die Netzwerke zwischen erfolgreichen Wissenschaft-
lern stark ausgebildet sind, was ihre Expertise noch erhöht.
Zusätzlich haben wir den Spezialisierungsgrad der einzelnen
Forscher analysiert. Ziel war es, zu erkennen, ob die Forscher
nur zu einer Technologie erfolgreich publizieren (d. h. stark spe-
zialisiert sind), oder ob sie in verschiedenen Technologiefeldern
aktiv sind und ob sie eher mit spezialisierten oder diversifi-
zierten Experten kooperieren. Der Spezialisierungsgrad wurde
mithilfe des Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) ermittelt. Ein
niedriger HHI-Wert bedeutet, dass der Wissenschaftler sehr he-
terogene Publikationen hervorgebracht hat, was auf eine breite
wissenschaftliche Expertise schließen lässt. Ein hoher HHI-Wert
bedeutet, dass der Wissenschaftler sich auf eine einzige bzw.
wenige Technologien spezialisiert hat. Es wurde ebenfalls ein
durchschnittlicher HHI-Wert für die direkten Netzwerkpartner
der Wissenschaftler ermittelt. Dieser gibt an, wie heterogen bzw.
spezialisiert die direkten Netzwerkpartner sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass nur wenige Forscher hoch spezi-
alisiert sind, sich also auf einen Technologiebereich beschrän-
ken. Diese Forscher arbeiten interessanterweise häufiger mit
anderen Forschern zusammen, die ebenfalls hoch spezialisiert
sind. Es ist also bei bestimmten Technologien die Ausbildung
von kleinen, hoch spezialisierten Expertennetzwerken zu be-
obachten. Die Einstellung eines hoch spezialisierten Exper-
ten eröffnet also das Potenzial, auf spezialisiertes Wissen des
Netzwerks zuzugreifen. Andersherum wäre es aber nicht an-
gebracht, hoch spezialisierte Experten einzustellen, wenn man
auf diversifiziertes Wissen zurückgreifen möchte, da weder der
Experte noch sein Netzwerk diesen Zugang ermöglichen. Der
Großteil der Forscher ist jedoch nicht bloß auf einen Technolo-
giebereich spezialisiert, sondern heterogen aufgestellt. Diese
Forscher haben sowohl Netzwerkpartner, die ebenso hetero-
gen aufgestellt sind, als auch Netzwerkbeziehungen zu hoch
spezialisierten Forschern. Es ist also ebenfalls die Ausbildung
von großen Forschernetzwerken zu beobachten, die über eine
breite und heterogene Wissensbasis verfügen.
Auswirkungen auf die Rekrutierung
Was bedeutet das in Bezug auf die Rekrutierung? Wenn Unter-
nehmen „den“ Spezialisten für eine spezifische Technik suchen,
kann ermittelt werden, welche Wissenschaftler die zentralsten
Positionen im jeweiligen Expertennetzwerk innehaben.
Wenn dagegen ein Mitarbeiter für einen neuen, innovativen
Bereich gesucht wird (der verschiedene Technologien kombi-
niert), dann ermöglicht es die Netzwerkanalyse, gezielt den
besten „Vermittler im Netzwerk“ zu finden, der heterogene
Fachgebiete miteinander verbindet. Wenn ein Automobilher-
steller zum Beispiel an der Umsetzung einer neuen Antriebs-
technologie arbeitet und einen Spezialisten auf diesem Gebiet
einstellt und dieser über ein heterogenes Netzwerk verfügt,
bleibt dieser Experte immer auf dem neusten Stand der For-
schung und kann im Fall des Strategiewechsels zu einer an-
deren Technologie vom Wissenstransfer durch sein Netzwerk
profitieren.
Es ist festzuhalten, dass es bei der Auswahl von Fachkräften
wichtig ist, dass sie mit anderen Experten gut vernetzt sind.
Dabei sollten sie ein heterogenes Netzwerk zu anderen Unter-
nehmen sowie zu Universitäten haben, damit sie Impulse aus
der Forschung aufnehmen und in die eigenen Forschungs- und
Entwicklungsabteilungen tragen können. Dies ermöglicht ei-
nen Wissensvorsprung und somit Wettbewerbsvorteil gegen-
über Mitbewerbern.
Implikationen für die Praxis
Methoden der sozialen Netzwerkanalyse lassen sich ohne
große Mehrkosten auch in kleinen und mittelständischen
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 3:
Beziehungsnetzwerk der zehn publikations­
stärksten Wissenschaftler